Frühjahrssynode 2017: Haushalt und Religionsunterricht

Zwei Schwerpunktthemen hatte die Bezirkssynode für ihre Tagung am 18. Februar 2017 gewählt: Einmal wurde der Doppelhaushalt 2016/17 für den Kirchenbezirk verabschiedet, andererseits ging es inhaltlich um Religionsunterricht (RU) in der Schule, konkret um RU mit neuen Medien, um islamischen Religionsunterricht (IRU) und um die seit kurzem eingeführte Schulseelsorge.

Neben den Neuverpflichtungen von Delegierten (Marina Disterheft, Gailingen, Pfr. Thomas Michael Kiesebrink, Aach-Volkertshausen, Uwe Gundrum und Pfr. Gerd August Stauch, beide Konstanz) wurde Pfr. Dr. Christof Ellsiepen, KN-Litzelstetten zum stellvertretenden Synodenpräsident gewählt. Die bisher amtierende Pfrin. Brigitte Haug hatte um Entpflichtung gebeten, da sie mittlerweile das Amt Dekanstellvertreterin übernommen hat.

Als neue Mitglieder im Verwaltungsrat des Verwaltungszweckverbandes Schwarzwald-Bodensee (VSA) wurden weiter Elisabeth Granser (Böhringen) und Pfr. Thomas Michael Kiesebrink gewählt, ihre Stellvertreter sind fortan Peter Raupp (Singen) und Pfr. Dietmar Heydenreich.

Bezirkskirchenrat Thomas Birkhölzer erläuterte den Doppelhaushalt 2016/17 (2016: 6,1 Mio.. €; 2017: 6,25 Mio. €) für den Kirchenbezirk. Den Löwenanteil dieses Haushalts macht der des Diakonischen Werkes aus, dargestellt und erklärt von Geschäftsführer Christian Grams. Der 2016 mit knapp  5,08 Mio. € verabschiedete Haushalt (2017: 5,14 Mio. €) setzt sich aus Mitteln der Evangelischen Kirche (ca. 25 %; Kirchensteuermittel und Finanzausgleichszahlungen der Landeskirche) und von öffentlichen Geldgebern (rund 75 %;  vor allem von Landkreisen und Kommunen, weiter vom Regierungspräsidium,  dem Bund u.a.). Beinahe einstimmig wurde der Gesamthaushalt des Bezirks verabschiedet und der  Bezirkskirchenrat entlastet.



Das inhaltliche Schwerpunktthema führte Schuldekan  Martin Lilje ein, der sich in seinem Eröffnungsstatement „Religion ist mehr“ deutlich für mehr Religion aussprach. Dadurch könne man dem Fundamentalismus jedweder Couleur am besten begegnen und vorbeugen.

Drei Kurzreferate beleuchteten verschiedene Themen in und um den RU. Katharina Prestel erzählte von der Nutzung neuer Medien, konkret Tablets, im RU. In der Evangelischen Schule Gaienhofen verpflichten sich die Eltern, ihren Kindern ab der 6. Klasse jeweils ein kostenintensives Tablet (iPad) für den Unterricht zur Verfügung zu stellen, bislang ein Modellversuch. Vorteilhaft seien Tablets zweifellos bei der Bildbetrachtung – solange die Technik funktioniere. Sie schafften einen unmittelbareren Zugang zu visuellem Lehrstoff. Man könne vergängliche Dinge (z.B. Bodenbilder, auch in der Natur) dokumentieren und damit weiterarbeiten. Die Schüler könnten dank eines eigenen Film- und Schneideprogramms auch Aufgaben anderer Art lösen. So hätten sie beispielsweise als Illustration zum Thema „Goldene Regel der Religionen“ (= Was Du nicht willst, dass man dir tu‘, das füg‘ auch keinem anderen zu – frei nach der Bibel und Immanuel Kant) selbständig einen Film gedreht. Auch interaktives Lernen sei mit dem Tablet möglich, allerdings bleibe dort die Begleitung durch einen Lehrer nötig.

Das zweite Thema zum RU referierte die Grundschullehrerin Tugba Özsoy aus Singen.
Sie gibt an einer Singener Schule islamischen Religionsunterricht (IRU). Damit ist sie eine von etwa 75 Lehrkräften, die in Baden-Württemberg an rund 70 Schulen (darunter drei Gymnasien) IRU unterrichten. Das Modellprojekt, das infolge einer Initiative der damaligen Kultusministerin Annette Schavan 2006 an 12 Schulen eingeführt wurde, ist ein bekenntnisorientierter sunnitischer RU. Die Steuerungsgruppe mit zwei Islamwissenschaftlern und vier Vertretern islamischer Glaubengemeinschaften erstellen einen Bildungsplan, legen Inhalte fest und begleiten die Lehrkräfte in Schulungen, an denen sie mehrmals jährlich teilnehmen. Problematisch sei dabei, dass derzeit noch geeignetes Lehrmaterial fehle und die Lehrer dieses überwiegend selbst erstellen müssten, so Tugba Özsoy. Gerne nehme man deshalb auch Anleihen aus dem christlichen Religionsunterricht, fügte sie verschmitzt hinzu. Die Religionslehrer, die allesamt nicht der DITIB, sondern dem Land BW unterstehen, kooperieren an den Schulen meist in gutem Einverständnis mit den christlichen Lehrkräfte. In ihrer Schule in Singen gebe es eine ausgesprochene Feierkultur. Religiöse Feiern werden teils getrennt, teils gemeinsam vorbereitet. Bislang ist der IRU freiwillig, das heisst, Eltern müssen ihre Kinder dazu anmelden. Da bei vielen muslimischen Eltern ein großes Misstrauen diesem Unterrichtsfach gegenüber herrsche, seien Infoabende zur Vertrauensbildung sehr nützlich.  „Meine Überzeugung ist, dass es nur einen Gott gibt, an den wir alle glauben“, erklärte die junge Frau ohne Scheu. „Anders wäre der Dialog zwischen den Religionen gar nicht möglich.“ Sie sprach sich für eine historisch-kritische Betrachtung des Koran aus und erklärte, Muslime seien nicht so stark organisiert, wie man es aus der Kirche kenne. Sie beispielsweise kenne den neuen Imam in Singen noch gar nicht.

Schulseelsorgerin Astrid Brack-Martin berichtete von ihren Erfahrungen als Schulseelsorgerin, die sie neben ihrer Tätigkeit als Studienrätin ehrenamtlich bekleidet. Besonders in Krisensituationen sei Schulseelsorge wichtig und werde im Nachhinein als sehr hilfreich bei den Beteiligten erinnert. Wichtig sei es, in Krisensituationen Lehrer und Eltern miteinzubinden. „Individuelle Trauer gleicht einem Marathon, kollektive einem Sprint“, erklärte Frau Brack-Martin hinsichtlich einer gut konzertierten und schnellen Reaktion auf Seelsorgefälle. In ihrer Tätigkeit als Schulseelsorgerin sei es ihr wichtig, den Blick der Mittelstufenklassen, in denen sie unterrichtet auch über die Schule hinaus zu lenken. So haben in diesem Jahr die Klassen 8 und 9 erstmals als Helfer in der Vesperkirche Singen mitgewirkt. „Ich habe Schüler in einer Weise erlebt, wie noch nie zuvor“, beschrieb sie das eindrückliche Miteinander.  Ihr Wunsch sei ein katholisches Pendant in Singen, was leider noch nicht in Sicht sei.

Minne Bley

Andacht September 2017

zu Lukas 13, 30 von

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