Taufunterricht auf Farsi

„Oh, wie schön, dass unser Herr diese Menschen gerufen hat!“ Nach dem Gottesdienst zückt ein Besucher sein Portemonnaie und überreicht mir einen großen Schein: eine Spende für die Bibeln auf Farsi, auf Persisch. Seit fast einem Jahr haben wir hier in der Gemeinde in Radolfzell eine Gruppe „Taufunterricht auf Farsi“.

Zehn bis 12 Menschen, darunter eine oder zwei Frauen treffen sich in der Regel einmal pro Woche mit Pfarrerin Brigitte Haug und nehmen sich elementare Themen aus unserer christlichen Praxis vor: Glaubensbekenntnis, Vaterunser, Abendmahl und Taufe, die zehn Gebote. Darüber hinaus lesen sie Texte aus der Bibel und besprechen sie. Die meisten von ihnen sind schon getauft, aber sie möchten mehr erfahren. Und das Fragen hört nicht auf.

Pfarrerin Brigitte Haug hat viel Freude beim Unterricht. „Ich find’s einfach schön, mich mit den Fragestellungen der Teilnehmer auseinanderzusetzen. Sie kommen zu Teil aus einer völlig anderen Ecke, als wir sie hier haben. Wer kennt denn einen normalen hiesigen Christen, der schon einmal etwas vom Barnabas-Brief oder dem Petrus-Evangelium (das sind neutestamentliche Apokryphen) gehört hat und danach fragt?“ Spannend sei auch das große Wissen über Abraham, das bei vielen vorhanden sei. „Und außerdem lerne ich viel über den Islam! Das ist wirklich interessant.“

Freitagnachmittag, 14.30 Uhr. Sieben Männer und eine Frau sitzen im Besprechungszimmer im Pfarramt um den großen Tisch herum. Brigitte Haug begrüßt alle, schaut in die Runde – und schon hat einer eine Frage. „Ich habe gehört, dass man keinen Wein trinken soll. Kann man etwas anderes nehmen?“ Die Pfarrerin ist um eine Antwort nicht verlegen: „Jesus trank Wein, die Juden tranken Wein…. es geht immer um das Zuviel.“ Einer der Teilnehmer, der am besten Deutsch kann, übersetzt die Fragen ins Deutsche und die Antworten ins Persische. Die Verständigung funktioniert gut. Und alle haben ihre Bibel auf Farsi vor sich liegen. In der nächsten halben Stunde trudeln noch vier Nachzügler ein. Der Platz um den Tisch wird eng, aber man rückt zusammen Das Thema ist heute das Vaterunser. Es geht ums „Plappern“, um „viele Worte machen“. Wieder fragt einer: Können wir auch nur im Herzen beten?“ Die Theologin verweist auf Römer 8, 26 + 27, ein geschäftiges Blättern setzt ein. „Wenn uns die Worte fehlen, hilft uns der heilige Geist.“ Und dann kommt schon die nächste Frage, die einen anderen Punkt berührt: „Warum ist Gott Vater und nicht Mutter?“ Es folgt ein kurzer Dialog zwischen dem Fragenden und dem Übersetzer, der mit Lachen endet. Der Übersetzer erklärt schmunzelnd: „Diese Frage hat einen kulturellen Hintergrund. Ich habe zurückgefragt: Wenn Du mit jemandem Streit hast, zu wem gehst Du, zum Vater oder zur Mutter? Und der Frager hat geantwortet: Zu meinem Bruder!“ Nun lachen alle noch einmal.

Viele der Teilnehmer kommen regelmäßig zum Gottesdienst. Manchmal sind es bis zu 15 Menschen, die mittlerweile fest zu unserer Gemeinde dazugehören. Kürzlich stieß wieder eine junge Familie dazu. Beim Kirchenkaffee wird am Tisch, an dem die Iraner und Afghanen mit einigen Deutschen sitzen, oft am meisten gelacht. „Ich brauche einmal in der Woche einen Ort, wo ich beten kann“, sagt eine Frau. „Deshalb komme ich gerne in die Kirche.“ 

Die anderthalb Stunden des Taufunterrichtes, der eigentlich auch „Religionsunterricht für Erwachsene“ heißen könnte, vergehen wie im Fluge. Der Termin fürs nächste Treffen wird abgemacht, man verabschiedet sich. Brigitte Haug schmunzelt. „Der Bibelkreis auf Farsi ist auf dem besten Weg, den Bibelkreis auf Deutsch zu überholen, was die Anzahl der Teilnehmer angeht.“

Minne Bley

Andacht August 2017

zu Apostelgeschichte 26, 22 von

 

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