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Programmheft der Evangelischen Erwachsenenbildung

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Letzte Dinge – was ist, wenn ich einmal sterbe?


Gedanken zur Bestattungs-Kultur von  Pfarrer Dr. Christof Ellsiepen, Kirchengemeinde Konstanz-Litzelstetten

Er ist noch ganz präsent. Wir sitzen um den Küchentisch und die Frau erzählt mir von den letzten Tagen, die sie mit ihrem Mann verbringen konnte. Nun ist er gestorben. Sie erzählt von ihm als wäre er noch im Raum. Für sie ist er in der Erinnerung noch ganz da. Was sie miteinander geteilt haben, seine letzten Worte liegen ihr noch im Ohr. Im Gespräch ist Raum für diese letzte, intensive Zeit. Erinnerungen an lange zurückliegende gemeinsame Erlebnisse tauchen auf und Fragen, wie es weitergeht, was kommt nach dem Tod. Und wir sprechen über den Abschied auf dem Friedhof. Was wir tun, wie wir die Trauerfeier gestalten können im Sinne des Verstorbenen für diesen letzten Weg, den wir mit ihm gehen.

Wenn ein Mensch stirbt, ist auf einmal alles anders. Die Zeit steht still. Und doch ist so Vieles zu bedenken und zu entscheiden. Was wäre im Sinne des Verstorbenen?

Heute gibt es viele Möglichkeiten und vielleicht machen Sie sich auch von Zeit zu Zeit Gedanken darüber: Was ist, wenn ich einmal sterbe? Wie und wo möchte ich bestattet werden? Was ist mir dabei wichtig? Wem vertraue ich das an?

Es gibt hier keine für alle gültige Regel oder Norm. Sterben ist so individuell wie es die Menschen in ihrem Leben sind. Auch das Abschiednehmen ist bei jedem Menschen anders. Es ist gut, sich darüber im Vorhinein Gedanken zu machen und die unterschiedlichen Vorstellungen und Erwartungen miteinander zu besprechen. Denn der Abschied von einem Verstorbenen sollte menschlich und würdevoll und für alle Beteiligten möglichst angemessen und stimmig sein.

Ich möchte Ihnen dazu hier ein paar Anregungen geben. Vielleicht ist etwas dabei, das Sie noch nicht wussten oder neu bedenken können.

Im Sterben ist es gut, nicht allein zu sein. Als Pfarrer besuche und begleite ich Sie gerne. Wenn Sie das möchten, spreche ich einen Segen, wir können noch einmal gemeinsam Abendmahl feiern oder ein Gebet sprechen oder ich bin einfach nur für Sie da.

In Konstanz gibt es einen Hospiz-Verein, der sterbenden Menschen jeden Alters hilft, Angehörige unterstützt und Trauernden beisteht (Tel. 07531-691380; www.hospiz-konstanz.de). In vielfältiger Weise gibt der Verein Hilfen für ein würdevolles Sterben und einen gemeinschaftlichen Weg in der Trauer. Auch wenn Sie sich Gedanken zu einer Patientenverfügung machen, gibt es dort Rat. Oder sprechen Sie mich darauf an.

Ist ein Angehöriger verstorben, ist es gut, sich für den Abschied erst einmal Zeit zu nehmen. Der Verstorbene darf nach Eintritt des Todes, der vom Arzt bestätigt wurde, 36 Stunden im Hause bleiben. Zeit, um sich noch einmal in Ruhe an das Bett zu setzen, vielleicht eine Kerze zu entzünden. Auch weiter entfernt wohnende Angehörige können noch dazukommen. Wenn Sie möchten, komme ich als Pfarrer in dieser Zeit zu Ihnen nach Hause – wenn Sie es wünschen auch für eine Aussegnung des Verstorbenen. Wenn ein Angehöriger im Krankenhaus gestorben ist, wenden Sie sich an die Krankenhausseelsorger Martin Egervari in Konstanz und Christoph Labuhn in Singen. Auch dort gibt es die Möglichkeit ungestört Abschied zu nehmen.

Wie ein Mensch bestattet wird, das hängt davon ab, wie er oder sie selbst es bestimmt hat. Ist dies nicht bekannt, entscheiden die nächsten Angehörigen im Sinne des Verstorbenen.

Bei einer Erdbestattung, wenige Tage nach dem Tod, wird der Körper in einem Sarg der Erde übergeben. Von der Erde ist er nach biblischem Verständnis genommen und der Erde wird er wieder übergeben.  In einer Trauerfeier wird des Verstorbenen gedacht und sein Leben erinnert. Es wird gesungen und gebetet. Wie die Trauerfeier gestaltet wird, vereinbaren Angehörige und Pfarrer in einem gemeinsamen Gespräch. Nach der Trauerfeier gehen wir dann zum Grab, wo alle Anwesenden Abschied nehmen können.

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Feuerbestattung mit einer Urnenbeisetzung. Auch in diesem Fall ist eine Trauerfeier mit anschließender Beisetzung einige Tage nach dem Tod möglich und sinnvoll. Sie können auch eine Trauerfeier am Sarg wählen. Die Beisetzung der Urne findet dann nach der Kremation zu einem späteren Zeitpunkt – meist im kleinen Kreis – statt. Bedenken Sie dabei, dass der Abschied dadurch länger wird. Der zeitliche Abstand zwischen Todestag und Beisetzung wird manchmal als belastend empfunden. Gerne bin ich bereit, als Pfarrer auch bei der Urnenbeisetzung im kleinen Kreis dabei zu sein.

Eine Trauerfeier kann auch in der Kirche vor Ort oder in der Petruskirche am Hauptfriedhof stattfinden. Im Unterschied zur Benutzung der städtischen Trauerhallen entstehen dadurch keine Kosten und es muss kein enger zeitlicher Rahmen eingehalten werden. Allerdings ist dann eventuell ein längerer Weg auf den Friedhof notwendig, wenn die Beisetzung oder Beerdigung direkt nach der Trauerfeier stattfindet.

Bei einer Bestattung in einem Friedwald, wird die Urne zu Füßen eines Baumes beigesetzt. Es ist – meist – möglich eine Plakette mit Namen und einem Symbol am Baum anzubringen. Eine kirchliche Trauerfeier kann entweder in einer Kirche oder im Wald selbst stattfinden. Seit Juli diesen Jahres gibt es bei Langenrain im Forst des gräflichen Hauses von Bodman einen Waldfriedhof, die „Waldruh St. Katharinen“, der ein umzäuntes Areal mit altem Baumbestand bietet. Bald wird es auch eine Kapelle dort geben für Trauerfeiern. Die Anbringung von Namen an den Bäumen ist ausdrücklich vorgesehen.

Selten ist die anonyme Bestattung. Wir haben in Litzelstetten auf dem Waldfriedhof eine Rasenfläche, die als anonymes Grabfeld ausgewiesen ist. Es gibt keine einzeln gekennzeichneten Gräber. Die Urne wird dort von der Friedhofsverwaltung beigesetzt.

Wer sich für diese Art der Bestattung entscheidet, sollte wissen, dass die Angehörigen weder erfahren, wo ganz genau, noch wann die Urne beigesetzt wird. Eine Trauerfeier ist im Vorfeld möglich, aber es gibt keinen Abschied und keine kirchliche Begleitung am Grab. Das Grab kann bei der anonymen Bestattung nicht mehr genau gefunden werden, die Grabpflege entfällt ebenfalls. Gedenkort ist in diesem Fall nur die anonyme Wiese.

Noch ein Gedanke zu Trauerfeier und Beerdigung. Kinder sind vom Tod naher Angehöriger genauso betroffen wie Erwachsene und haben ihre eigene Form der Trauer. Wenn sie einfühlsam begleitet werden und es selbst möchten, sollten sie auch bei der Trauerfeier und Bestattung dabei sein dürfen.

Vieles ist zu bedenken, wenn ein Mensch stirbt. Auch manches zu tun.

Worte, Bilder und Lieder aus der biblischen Tradition haben Menschen über die Jahrhunderte hinweg immer wieder getröstet und ihnen in dieser schwierigen Lage neue Zuversicht gegeben. Aus diesem lebendigen Erfahrungsschatz schöpfen wir als Kirche – auch angesichts des Todes. Es ist gut, wenn wir uns in solchen Zeiten gegenseitig stützen und füreinander da sind. Halt gibt mir dabei mein Vertrauen zu Gott als dem Ewigen und Lebendigen. Ich glaube, in seiner Hand sind wir gut aufgehoben – im Leben, im Sterben und über den Tod hinaus.

Pfarrer Dr. Christof Ellsiepen, Kirchengemeinde Konstanz-Litzelstetten

Die Evangelische Kirche bietet im Internet unter www.trauernetz.de eine Seite an, auf der Sie weiterführende Informationen, Gesprächsforen, Texte und Lieder finden.

Andacht Oktober 2017

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