Gemeinsam gegen Gewalt

Diakonie und Caritas feiern 10 Jahre Trägerschaft des Frauen- und Kinderschutzhaus in Radolfzell.

Vor zehn Jahren übernahmen das Diakonische Werk des Evangelischen Kirchenbezirks Konstanz und der Caritasverband Konstanz die gemeinsame Trägerschaft für das Frauen- und Kinderschutzhaus Radolfzell. Anlässlich dieses Jubiläums fand am vergangenen Freitag im Haus der Diakonie in Radolfzell eine Feierstunde statt.

Die Anfänge des Frauenhauses reichen in die sechziger Jahre des vergangen Jahrhunderts zurück. Damals hatte die Radolfzellerin Pauline Kindler ihr Elternhaus als finanziellen Grundstock für eine „Zufluchtsstätte für Frauen in Not“ gestiftet. Die Stiftung wird von Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Konstanz verwaltet. Nachdem dieser im Jahre 2000 beschloss, das Haus nicht mehr weiterzuführen, entstand eine Bürgerinitiative, die nach neuen Lösungen suchte. Seit 2001 nun wird die Einrichtung für Frauen und Kinder, die häuslicher Gewalt ausgesetzt sind, vom Diakonischen Werk und dem Caritasverband getragen.

Das Frauenschutzhaus, neuerdings auch Pauline-Kindler-Haus genannt, verfügt über 10 Plätze. In den vergangenen Jahren wurden jährlich durchschnittlich 36 Frauen und 40 Kinder aufgenommen, die Verweildauer beträgt bis zu drei Monaten. Wie die Psychologin und Traumatherapeutin Gerlinde Dötsch eindrücklich schilderte, erfahren laut einer Studie in Deutschland etwa 25 Prozent der in Paarbeziehung lebenden Frauen in allen sozialen Schichten Gewalt. Doch nur ein geringer Prozentsatz dieser Frauen wendet sich mit der Bitte um Hilfe an Frauenhäuser.

Ebenso eindrücklich und anrührend war eine szenische Darstellung der vier ständigen Mitarbeiterinnen des Frauenhaus, die die Nöte der betroffenen Frauen deutlich machte: soziale Isolation, Geldmangel aufgrund von fehlendem eigenen Einkommen, Schuld- und Schamgefühle. „Wir wollen helfen, wenn kein anderer mehr hilft“, benannte Elisabeth Burkart vom Förderverein die Motivation zum ehrenamtlichen Engagement des Fördervereines.

Dass Haupt- und Ehrenamtliche, Geschäftsführung und Förderverein gut zusammenarbeiten, wurde in einigen Grußworten angesprochen und nicht zuletzt durch die gute Atmosphäre bei dem Jubiläumsempfang unterstrichen. „Die Stadt ist froh, dankbar und stolz auf dieses Frauenhaus“, äußerte der Radolfzeller Oberbürgermeister Dr. Jörg Schmidt. Solange es Männer gäbe, die zur Gewalt griffen, wenn sie sich nicht anders zu helfen wüssten, seien solche Zufluchtsstätten leider notwendig. Er persönlich wolle künftig weiterhin den Weihnachtsbaum für das Frauenhaus spenden, versprach Schmidt, und so seine Verbundenheit mit der Einrichtung zum Ausdruck bringen.

Er appellierte auch an die lokalen Wohnungsgenossenschaften, den betroffenen Frauen Wohnraum zur Verfügung zu stellen, selbst wenn dieser in Radolfzell knapp sei. Denn auf dem Weg zu einem Neuanfang ist die Suche nach einer Wohnung oft eine große Hürde, die es zu überwinden gilt. Frauen, die Gewalt ausgesetzt sind, bräuchten den Rückhalt von Politik und Kommune, mahnte der grüne Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann, benötigten den langen Atem von Haupt- und Ehrenamtlichen. Dank für diesen langen Atem, für alle Arbeit und persönlichen Einsatz brachten auch der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Christian Grams und Matthias Ehret vom Caritasverband zum Ausdruck. Sie überreichten den Hauptamtlichen, Mitarbeiterinnen der Notbereitschaft sowie der Vorsitzenden des Fördervereines stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Helferinnen bunte Herbststräuße.

Spendenkonto: Diakonisches Werk Kirchenbezirk Konstanz, Sparkasse Singen-Radolfzell, Kto.nr. 4997813, BLZ 692 500 35, Verwendungszweck: Frauen- und Kinderschutzhaus
Spendenkonto des Fördervereins: Förderverein Frauen- Kinderschutzhaus der Pauline-Kindler-Stiftung in Radolfzell e.V., Sparkasse Singen-Radolfzell, Kto.nr. 430 73 10, BLZ 692 500 35

 

Andacht Juni 2017

zu Apostelgeschichte 5, 29 von

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