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Andacht August 2016

zu Markus 9, 50 von

Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander!   Markus 9, 50

Eine merkwürdige Aufforderung – „Habt Salz in euch!“
Gemeint ist Salz als Gewürz; ein unscheinbares, weißes, feinkörniges Pulver. Doch die Eigenschaften von Salz haben es in sich: schon in geringen Mengen ist es scharf, brennend, von eindeutigem Geschmack. Bereits aus einem Tropfen Suppe lässt sich herausschmecken, ob sie gesalzen ist oder nicht, d.h. ob sie gelungen ist, ob sie schmeckt, ob man sie gern isst – oder nicht. 

Ein interessantes Bild: Bereits aus einem kurzen Kontakt mit einem Menschen soll sich herausspüren lassen, ob er christliche Positionen vertritt oder nicht, ob er Gottes Wort für sein Leben wichtig nimmt oder nicht. Üblich ist es eher andersherum: Christ zu sein, das gehört in den Privatbereich, das zeigt man nicht unbedingt nach außen.

Ein Christsein, das wie „Salz“ ist, lässt sich dagegen nicht übersehen. Es fällt auf mit Einstellungen, die nicht unbedingt mild und liebenswürdig daherkommen müssen. Diese Seite des christlichen Glaubens ist uns zwar oft vertrauter – Gott, der alle Menschen liebt, der uns behütet und beschützt, der geduldig und barmherzig ist, der uns so annimmt wie wir sind. Diese Seite des christlichen Glaubens drückt ein anderer Bibelvers in einem Bild so aus: „Dein Wort, Gott, ist meinem Munde süßer als Honig.“ (Psalm 119,103).

Ganz anders das Bild vom Salz: Mitunter sind christliche Einstellungen scharf und brennend, doch immer eindeutig von Gottes Willen inspiriert. Beispiele für Situationen in unserer Gegenwart, in denen die christliche Position „Salz in sich hat“, gibt es reichlich. Wenn z.B. Tausende von Flüchtlinge in unser Land strömen, dann sieht die christliche Position ganz klar zuerst die Menschen, die Hilfe brauchen, notfalls auch indem wir Abstriche an unserem Wohlstand hinnehmen. Wenn IS-Terroristen Angst und Schrecken verbreiten, dann verlangt die christliche Position, nicht allen Ausländern mit Misstrauen und Vorurteilen zu begegnen, sondern sich die Mühe des genauen Unterscheidens zu machen und die Würde der unbeteiligten Ausländer zu wahren. Wenn Erdogan-Anhänger in unserem Land für dessen Regierungsentscheidungen demonstrieren, ermuntert die christliche Position, für die eigenen demokratischen Überzeugungen öffentlich einzustehen und nicht nur vom Sofa aus Kritik zu üben.
Menschen, die ihre christliche Einstellung wie „Salz in sich haben“ und sie äußern und damit aktiv werden, können unbequem werden für andere und selber Unbequemes erleben. Menschen wie Martin Luther King oder Dietrich Bonhoeffer haben dafür sogar mit ihrem Leben bezahlt. Wir riskieren in der Regel viel weniger. Uns könnte es passieren, dass wir belächelt oder verspottet werden, wenn wir zum Schutz der Umwelt Strom und Wasser sparen, Fleisch aus artgerechter Haltung und Gemüse aus Bio-Anbau kaufen, oder im Urlaub nicht mit dem Flugzeug fliegen. Wir könnten beschimpft oder ignoriert werden, wenn wir unseren Standpunkt als Christ zu sozialen oder politischen Themen äußern. Wir gehen also eigentlich kein allzu hohes Risiko ein. Und wäre es das denn nicht wert? Ist es nicht eine ermunternde Vorstellung, dass wir als Christen in der Öffentlichkeit mehr in Erscheinung treten? Mit Positionen, die christliche Werte wie Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung in unserem Alltag zur Sprache bringen?
„Habt Salz in euch!“ – d.h. bringt christliche Überzeugungen mutig und offen und streitbar in die öffentlichen Diskussionen mit ein!

Damit wir dies auf die passende Art und Weise tun, folgt im Bibelvers gleich der Nachsatz: „… und haltet Frieden untereinander!“ Wo verschiedene Positionen aufeinander treffen, kommt es leicht zu Feindseligkeiten. Die inhaltlichen Positionen von uns als Christen wirken aber dann umso glaubwürdiger, wenn wir auch schon an unserem Umgang miteinander und in unserem Verhalten anderen gegenüber zeigen, welcher Geist uns bewegt – nämlich der Geist  Gottes, der Geist der Liebe und des Friedens, der mit der Vernunft allein nicht zu fassen ist.

Dieser Geist der Liebe und des Friedens
begleite uns durch die Sommer- und Ferienzeit –
ob wir auf Reisen oder daheim sind,
wenn wir Urlaub machen oder wieder zu arbeiten haben,
in glücklichen und in schweren Augenblicken –
und ermuntere uns auch,
öfter im Sinne unseres christlichen Glaubens Position zu beziehen!

Pfarrerin Christine Holtzhausen, Petrus-und-Pauluspfarrei Konstanz

Kommentare  

 
#1 Heinz Janssen 2016-08-27 18:07
Liebe Frau Holtzhausen,

verbringe ein paar Urlaubstage am Bodensee und lese gerade Ihre Andacht, die mich anspricht. Ich danke Ihnen und grüße Sie mit guten Wünschen,
Heinz Janssen
(ein Kollege)
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