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Programmheft der Evangelischen Erwachsenenbildung

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Andacht Oktober 2016

zu 2. Korinther 13, 17 von

2. Kor 3, 17:

Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.

Freiheit hat zwei Richtungen. Wenn ich frei bin, können andere mich nicht zu etwas zwingen; ich bin frei von fremder Bestimmung oder gar Gewalt. Die andere Richtung der Freiheit ist: Wenn ich frei bin, dann um etwas zu tun. Ich bin frei, mein Leben auf meine Art und Weise zu leben – wenn ich damit nicht andere in ihrer Freiheit einschränke.
Martin Luther hat 1520 eine kleine, aber desto wirksamere Schrift in Druck gegeben: Von der Freiheit eines Christenmenschen. Darin geht er diesen beiden Richtungen der Freiheit nach. So lautet seine erste These:
Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan!
In Sachen der Religion, des inneren Menschen, wie Luther sagt, kann und darf uns niemand reinreden. Denn bestünde die Beziehung zu Gott im Tun und nicht im Glauben, dann würde sie geregelt und geordnet werden können. Dann könnte man sagen: dies und jenes darf man – um Gottes willen – tun, anderes nicht und dazwischen gibt es die Regeln für den Zweifelsfall. Solche Fragen beschäftigten Luthers Zeitgenossen und ihn selbst in hohem Maße.

Mir fällt als Vergleich das vor ein paar Jahren eingeführte Credit-Point-System an der Universität ein. Es gibt klare Regeln, für welche Veranstaltungen es wie viele Credits gibt und wie viele man sich sammeln muss für einen Studienabschluss. Aber kann damit wirkliche Bildung des einzelnen Menschen erzeugt werden? Ebenso wenig wie durch die Anhäufung religiöser Aktivitäten und guter Handlungen Gottgefälligkeit erreicht werden kann. Luther hält fest: Ein Christenmensch ist im Gegenüber zu seinem Gott keinen fremden Regeln und Ordnungen unterworfen. Er ist darin frei und niemand untertan.

Damit ist aber sein Büchlein nicht zu Ende. Er lässt gleich eine zweite, scheinbar paradoxe Gegenthese folgen: Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.

Frei und doch dienstbar? Ja, sagt Luther und zwar aus zwei Gründen:
Der eine ist die eigene Fehlbarkeit. Wir sind nicht perfekt, sondern endlich und fehlbar. Wir müssen an uns arbeiten und das ist ein Teil der „Dienstbarkeit“, die wir unserer Freiheit schuldig sind. Wenn wir so tun, als könnten wir alles, sind wir bald alles andere als frei, sondern Knechte unserer Lust und Laune und der eigenen Verführbarkeit. Damit hängt ein zweites zusammen: Freiheit heißt nicht Zügellosigkeit, sondern Selbstbestimmung und Selbstbindung. Luther sagt, wir sind als Christen jedermann untertan –  aus freien Stücken, aus Liebe. „Liebe aber ist dienstbar und untertan dem, das sie lieb hat.“ (Luther, Von der Freiheit, hg. v. Otto Clemen, Bd. 2, S.11, Z.13f). Ich binde mich aus freien Stücken an diejenigen, die ich liebe. So bin ich frei und zugleich gebunden.
In der Nächstenliebe, die aus dem Glauben kommt zeigt sich der Geist Christi. „Zeigt sich“ sage ich, aber nicht in dem Sinne, dass sie an bestimmten Taten ablesbar wäre – wie es sich die Puritaner vorstellten. Besser könnten wir sagen: Der Glaube drückt sich in der Liebe aus. Die Liebe ist Ausdruck des Glaubens. Oder um es mit einem Bild zu sagen: Der Glaube ist wie ein guter Baum. Er trägt die Liebe als Früchte ganz einfach, weil er ein guter Baum ist. Er kann gar nicht anders. Die Zuwendung und Bindung an andere Menschen widerspricht nicht unserer persönlichen Freiheit, sondern entspringt ihr.


In der Rückbesinnung über Luther zu Paulus bleiben mir zwei Dinge wichtig:

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist eine persönliche. Ich frage nach dem Sinn meines Lebens und suche Antworten darauf. Niemand darf mir darin etwas vorschreiben. Und niemand kann mir diese Suche abnehmen. Ich bin vor Gott unvertretbar.


Und die Frage nach dem Sinn meines Lebens führt mich zugleich in Gemeinschaft. Wenn ich für mein endliches, begrenztes Leben, für mich als beschränkte und auch fehlbare Person einen tieferen Sinn finde oder zumindest erahne, dann bejahe ich dieses Leben. Mein Leben als Fragment gehört in ein größeres Ganzes, gewinnt seinen Sinn in dieser Zugehörigkeit. Dass ich teilhabe ist dabei nicht etwas unter anderem, sondern das Zentrale. Dazugehören wollen ist ein menschlicher Grundimpuls. Er kann nur in gegenseitiger Freiheit verwirklicht werden.
Wenn ich beteiligt bin, beteilige ich mich auch.
Wenn ich teilhabe, dann teile ich auch.
Wenn ich dazugehöre, kann ich einladend für andere sein.

Sich gegenseitig frei sein lassen. Und doch aus freien Stücken verbindlich in Gemeinschaft leben. Das brauchen wir heute in Kirche und Gesellschaft mehr denn je. Darin lasst uns einander bestärken. Und so dem Geist Gottes Raum geben.

Ihr
Pfarrer Dr. Christof Ellsiepen, Konstanz-Litzelstett
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