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Programmheft der Evangelischen Erwachsenenbildung

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Andacht November 2016

zu Lukas 6, 12 von

Es geschah aber in diesen Tagen, dass Jesus hinausging auf den Berg, um zu beten, und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott.

Es gibt einige Berichte in den neutestamentlichen Evangelien, die uns Jesus von einer ungewohnten Seite zeigen.
Er ist hier nicht der rastlose Wanderprediger und Lehrer, sondern der einsame Beter. 
Warum weisen einige Stellen im NT so ausdrücklich darauf hin, dass Jesus gebetet hat? Weil hier von der Grundlage gesprochen wird, von der sein Auftreten verstanden werden muss. Aus seiner Gebetshaltung erwuchs seine Lehre. Man könnte auch sagen: Aus dem Gebet zog er die Kraft für sein Tun.
So lesen wir im Markusevangelium: „Und in der Morgenfrühe, als es noch ganz dunkel war, stand er auf, ging hinaus und ging hinweg an einen abgelegenen Ort, und dort betete er." (Mk 1,35) Erst nach dem Rückzug in die Gebetsstille bricht Jesus auf in die umliegenden Ortschaften, um dort zu predigen. In besonderer Weise unterstreicht auch der Evangelist Lukas, dass Jesus aus dem Gebet heraus gehandelt hat.
So leitet Lukas die Wahl der Zwölf zu Aposteln folgendermaßen ein: „ Es geschah aber in diesen Tagen, dass er hinausging auf den Berg, um zu beten, und er verbrachte die ganze Nacht im Gebet zu Gott (Lk 6,12).“ Jesus verbringt eine ganze Nacht lang im Gebet. Sicherlich hat er dabei nicht nur laut gebetet. Er wurde ganz ruhig und ging in das Innere Gebet. In das stille Herzensgebet, das mehr auf Gott horcht, als zu ihm zu sprechen. Denken wir nur an die Worte im Matthäusevangelium, die Jesus an uns richtet, um deutlich zu machen, wie wir beten sollen: „Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist“.

Was Jesus uns hier sagen will ist, dass Gott in der Tiefe unseres Selbst gegenwärtig ist. Erst wenn wir still werden, wenn wir den Lärm und die Zerstreuungen der Außenwelt hinter uns lassen, können wir der Gegenwart Gottes in unserer Seele gewahr werden. Gerade in der bald beginnenden und oft hektischen Advents- und Weihnachtszeit kann die Besinnung auf das, was christliche Spiritualität ausmacht, wohltuend sein.
Doch was ist mit diesem Inneren Gebet in der Stille gemeint? In der christlichen Tradition finden sich dazu viele praktische Anleitungen.
Diese Tradition reicht von den ersten Wüsteneremiten im 3. Jahrhundert n. Chr., über Martin Luther bis zu Simone Weil und Dag Hammarskjöld. Eine einfache Form des Inneren Gebetes besteht im Beten mit Hilfe eines biblischen Wortes. Man nimmt sich zum Beispiel morgens und abends 10 Minuten Zeit, sucht sich einen ruhigen Platz und geht in die Stille. Man nimmt dann einen bestimmten biblischen Satz, z.B.: „Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner.“  Diesen Satz wird innerlich wiederholt. Die Aufmerksamkeit richtet sich dabei auf den Atem. Beim Einatmen spricht man „Herr Jesus Christus“, beim Ausatmen „erbarme dich meiner“. Wenn die Gedanken kommen und einen ablenken, richtet man die Konzentration wieder behutsam auf den biblischen Satz. Das kontinuierliche Praktizieren des Inneren Betens führt mit der Zeit zu einer vertieften Gottesbeziehung. Ich werde durchlässig für seine Gegenwart.

So mache ich mit dem Glauben, dass Gott gegenwärtig ist, ernst. Ich rede nicht nur von Gott, sondern ich verweile in ihm.
Dieses Verweilen in der liebenden Gegenwart Gottes hat Jesus Kraft gegeben. Es wird auch uns Kraft geben.

Pfarrer Thomas Michael Kiesebrink, Aach-Volkertshausen

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