Andacht Juni 2017

zu Apostelgeschichte 5, 29 von

„Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ Apg 5,29

Meine Mutter hat sich früher darüber aufgeregt, dass eines der ersten Worte, das ich angeblich schon mit sieben oder acht Monaten sagen konnte, das Wort „Nein“ war. Nun, sie hätte auch stolz darauf sein können. Aber sie war es nicht. Sie nahm es als Beweis meiner schon frühkindlichen Renitenz gegen ihre perfekte Erziehung.

Bei unserem Sohn war es ebenso. Auch er sagte, noch bevor er laufen konnte, als eines der ersten Worte „Nein“. Also war ich stolz darauf, einen eigenständigen Menschen und nicht einen Ja-Sager geboren zu haben. Denn Ja-Sagen und dem zustimmen, was alle meinen und kundtun kann jeder. Schwieriger ist es, sich selbst treu zu bleiben und zu seiner eigenen Überzeugung zu stehen.

Petrus und die Apostel konnten es nicht lassen, von Gott, von Jesus und von ihrem Glauben zu erzählen. Selbst nachdem sie gerade erst auf wunderbare Weise dem Gefängnis entronnen waren und jeder andere die Beine in die Hand genommen hätte und weit weg gelaufen wäre, standen diese sofort wieder im Tempel und redeten Worte des Lebens. Denn „man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ Apg 5,29.

Vielleicht ist das ja in Zeiten wie diesen, wo man sich auf seine Bündnispartner nicht mehr ganz verlassen kann, recht tröstlich. Manchen Menschen muss man sich in den Weg stellen. Mal ist es die eigene Mutter, mal ein US-Präsident. Und oft genug kommt ein Engel und hilft einem den eigenen Weg zu gehen und Worte des Lebens weiterzugeben.

Pfarrerin Sabine Wendlandt, Reichenau
Foto: Frank Fuchshuber