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Andacht September 2017

zu Lukas 13, 30 von

Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. Lk 13,30

Von meinem Konfirmandenunterricht weiß ich nicht mehr besonders viel. Aber ich erinnere mich ganz genau an ein Detail der Vorbereitung auf den Einsegnungsgottesdienst. Der Pfarrer, der uns seinerzeit konfirmierte, besprach mit uns den agendarischen Ablauf des Festgottesdienstes und sagte dann: „Ich verlange von Euch im Gottesdienst kein JA. Dieses JA müsst Ihr in Eurem Leben Tag für Tag geben.“
Ich weiß nicht, ob ich mich damals sehr gewundert habe – es hat mich jedenfalls nachhaltig beeindruckt. Ich habe verstanden, dass er uns vor einem Lippenbekenntnis bewahren wollte. Wir hätten bestimmt alle JA gesagt – und dabei auch nicht gelogen. Wir hätten dem eigenen und dem öffentlichen  und dem familiären Erwartungsdruck nachgegeben und getan, was sich gehörte.
Ich habe in meinem Leben später immer wieder mal förmlich JA gesagt: als ich geheiratet habe etwa oder wenn mir ein Patenamt angetragen wurde; bei meiner Ordination oder zuletzt beim Antritt in mein neues Amt. Ich habe da jeweils mit vollem Herzen JA gesagt. Ich wusste aber gleichzeitig, dass ich dieses JA stets mit Leben füllen muss. Tag für Tag.
Genau darum geht es dem Evangelisten Lukas, wenn er das Gleichnis Jesu von der engen Pforte und der verschlossenen Tür erzählt. Wer gehört zur Gemeinschaft der Heiligen? Wer bekommt Anteil am Heil? Wer wird beim großen himmlischen Festmahl am Tisch sitzen? Oder etwas profaner gefragt: wer wird am Ende der Zeit von sich sagen können, dass er oder sie es verdient habe, dafür belohnt zu werden?
Nicht die „Ersten“ offenbar, sondern die „Letzten“, diejenigen, von denen man es der äußeren Form nach am wenigsten erwartet. Nicht die JA-Sager also, sondern die JA-„Macher“.
Das klingt hart und verstörend und so konnte Jesus durchaus wirken; für viele meiner Schüler*innen ist das immer wieder völlig überraschend.
Jesus rang mit seinen jüdischen Zeitgenossen, die erstens zu wissen glaubten, worin genau das Heil der Welt besteht und wie man es erreichen könnte; und er rang mit ihnen, weil sie sich zweitens so sicher waren, zu den von Gott erwählten Heiligen zu gehören: „Wir sind das (fromme) Volk!“  
Ihr täuscht Euch – so Jesus. So einfach ist das nicht.

Lukas seinerseits hatte offenbar schon Mitglieder der christlichen Gemeinde im Auge, die zwar regelmäßig an Gottesdiensten und am Abendmahl teilnahmen, es aber wohl dabei bewenden ließen. Das ist gut, aber es reicht nicht.
Die Mitarbeit am Reich Gottes verlangt mehr als die formale Zugehörigkeit, selbst wenn sie noch so ritualisiert gelebt wird. Maßstab für ein gelingendes Leben vor Gott ist nicht interessiertes Zusehen und empathisches Gutfinden oder theoretisches Wissen um Regeln und Gebote und Formen des eigenen Glaubens (oder auch anderer Glaubensgemeinschaften), sondern die Frage, wo jemand zugepackt hat, wo jemand durch sein konkretes Tun mitgeholfen hat, der Gerechtigkeit Gottes Raum zu verschaffen.
Ich habe meinen Konfirmator nie danach gefragt, aber ich glaube, dass er uns genau das vermitteln wollte. Ich glaube nicht, dass er uns alle Türen offen halten wollte, sondern dass er uns im Gegenteil davor bewahren wollte, nach dem großen kirchlichen Fest ein Leben in bequemer Neutralität zu führen.  
Als Illustration dient mir immer das Beispiel eines meiner Freunde, mit dem ich zu Studienzeiten zusammen gewohnt habe.  Er hatte den zweijährigen Konfirmandenunterricht in seiner norddeutschen Gemeinde vom Anfang bis zum Ende besucht und kurz vor der Konfirmation entschieden, dass er sich nicht konfirmieren lassen würde. Er hatte sich nach reiflicher Überlegung (als Dreizehnjähriger!) nicht überzeugt genug gefühlt und nahm von dem großen kirchlichen Fest Abstand.
Mittlerweile ist er Lehrer für Politik und Gemeinschaftskunde, er engagiert sich im örtlichen Personalrat seiner Schule, war eine Weile ehrenamtlicher Trainer von Jugendmannschaften des örtlichen Sportvereins und ist seit einigen Jahren Mitglied im Gemeinderat seines Heimatortes. Nicht überraschend ist eines der großen Themen auch dort die Frage nach der Integration von Menschen, die als Vertriebene ein Leben in Würde und Sicherheit suchen. Was er als bürgerschaftliches Engagement bezeichnen würde, nennen Christen Mitarbeit an Gottes Neuer Welt.
Wie seine Zukunft (als Nicht-Konfirmierter) aussieht, weiß niemand – genauso wie niemand weiß, wie meine Zukunft (als Konfirmierter) aussieht.
Die Etiketten und Bekenntnisse jedenfalls sind nicht entscheidend – es kommt darauf an, wie wir die Gegenwart gestalten, wo wir hier und jetzt Position beziehen, in welcher Weise wir uns verbindlich einsetzen. Tag für Tag.

Schuldekan Martin Lilje, Konstanz



 

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