Andacht Juli 2016

zu Exodus 33, 19 von

Der Herr gab Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.  Exodus 33,19

Haben Sie schon mal eine Antwort bekommen, ohne eine Frage gestellt zu haben? Das ist wenig erfreulich und meistens auch verwirrend! Genau so geht es einem doch, wenn man diesen Vers aus dem Alten Testament liest. Es lohnt sich also genauer hinzuschauen.
Alles wird klarer, wenn man die Frage kennt, die hier an Gott gestellt wird. Es ist Mose höchst persönlich, der diese beeindruckende (oder sollte ich eher sagen ‚anmaßende’) Frage an Gott richtet: „Gott, lass mich doch deine Herrlichkeit sehen!“
Ja, das nenne ich mal einen Wunsch. Und wie sehr wünschte ich mir, er würde sich heute in unserer Zeit erfüllen. In einer Zeit, wo Krawalle, Krieg und Terror unser Welt überziehen wie ein klebriger Zuckerguss eine Torte.  Genau in dieser Zeit sehne ich mich danach, dass Gott seine ganze Schönheit und seinen Glanz sichtbar werden lässt.

Für Mose ging dieser Wunsch in Erfüllung. Nicht ganz so, wie er es sich gewünscht hatte. Aber Gott gibt ihm zumindest die Möglichkeit einen kleinen Teil seiner Herrlichkeit zu bestaunen. Diese unglaubliche Begegnung hat alles verändert. So nah mit Gott auf Tuchfühlung zu sein, das verändert ein ganzes Leben.
Und wieder denke ich bei mir. Ein kleiner Teil dieser Herrlichkeit würde vermutlich schon reichen, um so manche Krise auf dieser Erde zu überwinden. Wenn Gott doch nur... und plötzlich merke ich, dass ich auf dem besten Weg bin, mich zu vergaloppieren. Seit Pfingsten hat Gott doch seinen Geist über uns ausgegossen und uns aufgefordert mutige Zeugen zu sein.

Wir leben tatsächlich in einer Spannung. Da gibt es die vielen Dinge, die sich offensichtlich nicht ändern lassen. Und es scheint, als würde Gott keine Gnade und kein Erbarmen schenken. Aber wenn wir genauer hinsehen, dann merken wir, wie Gott im Kleinen und Unscheinbaren schon lange damit begonnen hat, diese Welt zu verändern.
Das Reich Gottes ist angebrochen! Wir spüren, dass einige Menschen von Gottes Liebe zum Guten verändert werden. Wir staunen, dass manche auf Terror mit Liebe reagieren können. Wer erleben, dass Gott uns begegnet, wenn wir ihn nur darum bitten.
Und damit sind wir ganz nah bei dem Wunsch des Mose angekommen. Vielleicht sollten wir uns anstecken lassen und Gott ehrlich bitten: „Herr, lass mich deine Herrlichkeit sehen!“

Markus Weimer, Pfarrer in Böhringen

Zu Gast bei Luthers