Schweinebraten und Gottes Gaben – Zu Gast bei Luthers

Eine bessere Kulisse hätten sich die Gäste des kulinarisch-geistlichen Abends „Zu Gast bei Luther“ am Freitag, 10. Februar in Konstanz gar nicht wünschen können: Den Luthersaal des Gemeindehauses der Lutherpfarrei, der einem Saal in der Wartburg im historisierenden Stil nachempfunden ist. Eine lange Tafel, am einen Kopfende Martin Luther im Talar und mit Barett, am anderen seine Frau Käthe. Schweinebraten und Erbsenpürree – das ist der Hauptgang, dazwischen gibt es Tischreden.

So erinnert die Hausfrau Käthe ihren Ehemann daran, dass die leiblichen Genüsse für die vielen Gäste auch etwas kosten und man doch ein Kostgeld verlangen könnte. Martin Luther darauf: „Ich habe 30 Jahre lang gratis gelehrt, ich bin kein Schankwirt.“ Die Gäste lachen verhalten, denn jeder hat schon einen kräftigen Obolus für den Abend entrichtet – der kommt der evangelischen Krankenhausseelsorge im Kirchenbezirk zugute.

In der Küche ist die Dekaninin die Rolle der Köchin geschlüpft und selbst am Werk, mit Küchenhaube und Schürze, die anderen Mitglieder des Förderkreisvorstandes bedienen so freundlich und flink, als hätten sie ihr Lebtag nichts anderes getan.  „Trinken ohne Durst, beten ohne Innigkeit“, lässt sich der gewichtige Theologe vernehmen, „ist verlorene Zeit.“ Schlagfertig pariert die Käthe und räsoniert: „ Wenn die Menschen doch ihre Sünden genießen könnten… vielleicht hat Gott sich das so gedacht?“ Und schon nimmt Luther den Ball auf und antwortet nach dem köstlichen Mahl: „Er hat sie ja geschaffen, verlangt nichts anderes, als dass wir sie mit Dank genießen.“

Von Leibfeindlichkeit also kann keine Rede sein. Die 24 Gäste lassen es sich deshalb nicht nur die deftigen Speisen und Getränken munden, sie genießen offensichtlich auch die geistlichen Beigaben der beiden Luthers – dankbar quittieren sie ihre Reden mit Lächeln und Lachen.
Auch zur Musik hat Luther was zu sagen, ebenfalls sehr deftig: „Ein Schulmeister muss singen können, weil doch unser Herrgott in dieses Leben, was ein Scheisshaus ist, soviel schöne Gaben gegossen hat.“  Was dazu wohl die Pädagogen des 21. Jahrhunderts zu bemerken hätten…. Bezirkskirchenrätin Petra Schwarz leitet von Sequenz zu Sequenz mit einigen erklärenden Sätzen. So zitiert sie die Benimmregeln aus dem 16. Jahrhundert: „Wenn du schneuzen musst, so tue dies nicht mit der Hand, die das Fleisch angefasst hast.“



In die Rolle der Käthe ist Margret Schröder geschlüpt – mit sichtlichem Vergnügen. „Mit der Rolle, dem wiederholten Lesen der Texte wurde mir klar, dass die Käthe die Hosen anhatte, gewiss unüblich für die damalige Gesellschaft“, schildert sie ihre Annäherung an die Rolle. „Die hatten ja wohl eine Beziehung auf Augenhöhe“, folgert sie über die Ehe des illustren Paares anerkennend. „ich fand das absolut hochinteressant. Und Manfred Knorr aus Radolfzell alias Luther berichtet: „Ich bin in die Rolle des Martin Luther eingetaucht. Manche Texte gefallen mir und sind hochaktuell.“ Und er stimmt dem Luther-Wort zu: „Wenn ich zornig bin, kann ich gut schreiben, dann weichen alle Anfechtungen, dann erfrischt sich mein Gemüt.“
Beide Laienschauspieler haben schon mehrfach  auf der Bühne gestanden, beispielsweise beim Hermes-Theater in Dettingen. Margret Schröder leitet eine eigene Theatergruppe in Allensbach.

Nach rund zwei Stunden leert sich die lange Tafel. Die Darsteller schlüpfen wieder in Zivilkleidung, das „Küchenpersonal“ räumt die Gläser ab und die Küche auf. „Es hat uns allen viel Freude gemacht“, sagt Dekanin Schneider-Cimbal.

Und es wird noch mindestens zweimal Freude machen.  „Zu Gast bei Luthers“ findet im Herbst noch zweimal statt, am 22. September in Singen und am 29. September in Konstanz. Anmeldungen nimmt das Evangelische Dekanat (Tel. 07531-909561 oder dekanat.konstanz@kbz.ekiba.de ) entgegen.

Minne Bley

Andacht Juni 2017

zu Apostelgeschichte 5, 29 von

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