Jan Hus - Wissenswertes

Wer war Jan Hus?

  • Zentrale Gestalt der „1. Reformation“ in Böhmen, 100 Jahre vor der 2. Reformation ganz Europas von Wittenberg aus.
  • Treuer Diener seiner Kirche, der ihre Grundaufgaben Predigt, Seelsorge und Armenfürsorge erneuern wollte.
  • Vorreiter des individuellen Glaubens und der Gewissensfreiheit auf dem Weg vom Humanismus zur Aufklärung
  • Vater der modernen Tschechischen Sprache durch sein mutterspachliches Predigen und seine neue Sprachlehre.
  • Nationalheld und Intergrationsfigur Tschechiens neben den Slawenaposteln Methodius und Kyrill

Jan Hus in Konstanz

König Sigismund war es gelungen, dass Papst Johannes XXIII. in Lodi (Oberitalien) 1413 ein Konzil nach Konstanz einberufen hatte. Sein Ziel: Die „Reformation“ der abendländischen Christenheit „an Haupt und Gliedern“

Jan Hus kam unter der Zusicherung freien Geleits nach Konstanz, um seine Ideen zu diskutieren: 

  • Armut der Kirche,
  • Abschaffung von Ämterverkauf und Ablasshandel,
  • Predigt in der Landessprache,
  • Geltung weltlichen Rechts auch innerhalb der Kirche,
  • Wiedereinführung des Abendmahlskelchs für die ganze Gemeinde.

Seine tschechischen Gegner setzten mit breiter konziliarer Unterstützung durch, dass er trotzdem eingekerkert, wegen Ketzerei verurteilt und zur Läuterung seiner Seele auf dem Scheiterhaufen vor den Toren der Stadt verbrannt wurde.

Folgen

Das Konzil scheiterte aber damit, die sozialen und religiösen Unruhen im tschechisch- / deutsch-sprachigen Böhmen dadurch zu lösen, indem es den tschechischen Universitätslehrer und Priester Jan Hus, den Kopf der kirchlichen Erneuerungsbewegung, als Ketzer überführen und ihn so disqualifizieren und mundtot machen wollte.

Die Verbrennung von Jan Hus und von Hieronymus von Prag (+30.05.1416) in Konstanz führte ab 1419 zu den rund fünfundzwanzigjährigen Kreuzzügen gegen die Hussiten und zu deren Rachefeldzügen bis weit jenseits der böhmischen Grenzen.

Doch für über hundert Jahre ertrotzte die Böhmische Kirche sich von der Papstkirche den Laienkelch, erstmals gefeiert am 12.10.1414 in der - heute evangelischen - Prager Kirche „St. Martin in der Mauer“, bis 1620, nach der verlorenen „Schlacht am Weißen Berg“. Erst dann gelang der Habsburger Herrschaft weitgehend die Gegenreformation.

Die Böhmische Brüderkirche wanderte unter ihrem letzten Bischof Jan Amos Comenius (1592-1670; Philosoph, Theologe und Pädagoge) aus und fand unter anderem in der Herrnhuter Brüder-Unität ihre Fortsetzung. Reste überlebten in Böhmen im Verborgenen. Seit Kaiser Josefs Toleranzpatent 1780 lebten sie als Reformierte und Lutherische Gemeinden wieder neu auf, die sich 1918 zur „Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder“ vereinigten. 1919 gründete sich eine von Rom unabhängige modernistisch-katholische Tschechoslowakische Nationalkirche, seit 1970 offiziell die „Tschechoslowakisch- Hussitische Kirche“.

Andacht Juni 2017

zu Apostelgeschichte 5, 29 von

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