Sieben Wochen Zuversicht - Ein Gedanke auf dem Weg

Das Ehepaar hatte alles vorbereitet: den Termin auf dem Standesamt, die Gespräche mit Pfarrerin und Organisten, die besonderen Kleider für den besonderen Tag, den Blumenschmuck für die Kirche, die Route mit dem Tandem zum Sektempfang, das Restaurant am Ufer, die Band für den Abend und den DJ für die spätere Nacht. Die Gäste hatten Hotels gebucht und Fahrkarten für die Bahn sie sollten aus ganz Deutschland anreisen. Ein Patenonkel hatte einen Flug übers Wochenende aus den USA. Überraschende kleine Auftritte waren geprobt, Reden geschrieben, Grußworte vorbereitet. Die Vorfreude auf das Fest war groß.

Zuerst kamen die Meldungen aus China, dann aus Italien und schließlich rückte die Angst vor der Ansteckung immer näher. Sie beschlich zuerst die Großeltern, dann die übrigen. Das Reisen wurde verboten, die Ausgangsbeschränkungen engten den Lebensraum zunehmend ein. Die Buchung des Lokals wurde rückgängig gemacht, der Gottesdienst abgesagt, die Musiker abbestellt, die Reisen storniert. Tränen der Wut und der Enttäuschung geweint. Das große Fest blieb zunächst ungefeiert.

Die beiden Eheleute aber ließen sich am Ende nicht verdrießen. Ihre Liebe zueinander sollte auf alle Fälle in eine Form gegossen werden

wenn auch zunächst nur in die bürgerliche. Und zwar jetzt. Selbst in Zeiten wie diesen. Sie versicherten sich, dass sie im Standesamt empfangen würden. Sie feierten in ihrer Wohnung einen Junggesellenabschied: sie ließen sich vom Laptop laute Musik einspielen und tanzten dazu mit einem Drink in der Hand. Zu zweit. Am offenen Fenster in der Sonne. Sie filmten sich und schickten die fröhlichen Bilder an die Gäste in der Ferne. Und die Gäste schickten Videobotschaften, Glückwünsche und Grüße auf allen verfügbaren Kanälen zurück.

Am Tag danach fuhren die Eheleute mit den Rädern zum Standesamt und ließen sich trauen. Was der Standesbeamte ihnen gesagt hat, weiß außer ihnen niemand. Eine klitzekleine Delegation von Freunden und Bekannten empfing sie vor dem Rathaus

in gebührendem Abstand. Mit Seifenblasen, Kindertröten und einem Blumenstrauß. Die Bilder zeigen ein glückliches Paar. Das große Fest wird kommen. Wann auch immer.

Martin Lilje, Konstanz 23.03.2020

Gedanken zur Tageslosung vom 04.06.2020

David sprach zu Goliat: Du kommst zu mir mit Schwert, Spieß und Sichelschwert, ich aber komme zu dir im Namen des HERRN Zebaoth. 1.Samuel 17,45

So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit und beschuht an den Füßen, bereit für das Evangelium des Friedens.Epheser 6,14-15

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Andacht Juni 2020

Du allein kennst das Herz der Menschenkinder! 1.Kön 8, 39

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