Gott meint es gut mit uns - auch in Zeiten der Coronakrise?

Wer hätte das noch vor wenigen Monaten für möglich gehalten: Dass die Straßen demnächst unter der Woche menschenleer sind, die meisten nicht mehr zur Arbeit gehen, die Züge, wenn sie denn noch fahren, fast ohne Reisende sind und die Wirtschaft kollabiert: Nein, das hätte sich so wohl kaum einer vorstellen können, außer in Science-Fiction-Romanen. Wir leben doch – zumindest in den modernen Industrieländern - in Zeiten der Machbarkeit und des stetigen technischen Fortschritts! Selbst den unweigerlichen Tod aus Altersschwäche wollten Wissenschaftler jüngst nicht mehr so ohne weiteres einfach hinnehmen. Einige prognostizierten diesbezüglich baldige Fortschritte. Und nun, plötzlich und furchterregend: Die Coronakrise, die alles verändert.

Das Virus, dessen Aussehen abends in der Tagesschau das bunt-unheimliche Hinter­grund­mo­tiv der Nachrichten bildet, macht – zumindest was die Ansteckungsgefahr angeht – keine Unter­schiede zwischen arm und reich, Wohlstandsländern und Entwicklungsländern. Niemand ist vor ihm sicher.

Auch uns trifft es: die Kirche. Wir können keine Gottesdienste mehr feiern, keine Veranstaltungen mehr anbieten. Selbst das persönliche Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist schwierig geworden.

Wir versuchen neue Wege. Nutzen das Internet, um in Kontakt zu gehen. Organisieren Hilfsdienste. Feiern virtuell. Und versuchen so, mit dieser neuen Lage irgendwie zurechtzukommen.

Aber das Virus trifft uns als Kirche noch heftiger, als es auf den ersten Blick scheint. Es greift auch unsere grundlegende Anschauung fundamental an: Können wir noch von einem Gott sprechen, der es gut mit uns meint, wenn zugleich in den nächsten Tagen und Wochen unzählige Menschen dem Virus zum Opfer fallen? Wird die Liebe Gottes, von der wir gerne sprechen, nicht aussagelos, wenn sie vereinbar ist mit Tausenden, bald wohl Zehntausenden von Menschen, die qualvoll sterben müssen?

Es ist wohl wie mit dem Virus selbst: Viel mehr Christen sind von dieser Frage infiziert, als uns bekannt ist. Und wer weiß: Vielleicht nagt diese Frage auch in uns selbst?

Wie ist das nun also mit der Liebe Gottes in Zeiten der Coronakrise? Nun, zunächst lässt sich dazu sagen: Alle Glaubensvorstellungen, die wir Menschen haben, müssen zusammenstimmen mit der Wirklichkeit, so wie wir sie wahrnehmen. Vielleicht haben wir in einer Zeit des Wohlstands und des Friedens – zumindest in unseren Regionen – verdrängt, dass unsere Welt nicht einfach gut ist. Sie ist auch eine Welt des Leids, der Kriege und der immerwährenden Gefahren. Menschen früherer Ge­nerationen wussten das besser als wir.

Aber, fragen gläubige Christen, ist die Welt nicht von Gott gut geschaffen worden? Immerhin heißt es in der ersten Schöpfungserzählung nach jedem Tag: „Und Gott sah, dass es gut war“. Jedoch: das ist nur die eine Seite der Medaille. Gott schafft nämlich die Welt in diesem Schöpfungshymnus nicht als eine vollkommen gute Welt aus dem Nichts, er ordnet mit seiner Schöpfung das schon vorhandene Chaos. Man lese nur einmal die ersten Verse des Hymnus, dort wird davon unüberhörbar erzählt. Was heißt das? Auch nach der Bibel ist die Welt von Anfang an ambivalent: Sie ist hinreißend schön – und zugleich bedroht durch das Chaos, das es auch weiterhin in ihr gibt. Dass das so ist, führt uns das Coronavirus unübersehbar vor Augen.

Wie ist es nun mit der Liebe Gottes in einer vom Chaos immer bedrohten Welt? Wenn wir Christen von dieser Liebe Gottes sprechen, dann verstehen wir sie vom Wirken Jesu her. Wir Christen glauben, dass sich in ihm, Jesus, etwas wesenhaft spiegelt von dieser Liebe. Wenn wir entsprechend auf sein Leben schauen, dann zeigt sich diese Liebe als verschwenderische Zuwendung zu den Men­schen, die keine Opfer scheut bis hin zur Selbstaufgabe. Sie ist ein immerwährender Kampf gegen das Dunkle, das Chaos, das die Welt immer wieder bedroht.

War diese Liebe nicht vergeblich? Hat Jesu Wirken nicht mit dem Tod am Kreuz geendet? Wie auch immer wir die Auferstehungserzählungen deuten: Das wollen sie in jedem Fall zum Ausdruck bringen: Diese Liebe geht weiter. Wir als Kirche tragen sie weiter, hoffentlich! In dem was wir tun, sei es derzeit durch Einkaufs-Unterstützungsdienste, die wir organisieren, durch Seelsorge-Rufbereitschaft und durch virtuelle Andachten und Gottesdienste, die wir miteinander feiern. Darin soll etwas von der Liebe Gottes aufscheinen. Auch und gerade in Zeiten der Coronakri­se!

Pfarrer Markus Beile, Luthergemeinde Konstanz

Gedanken zur Tageslosung vom 04.08.2020

Ich will den HERRN loben in den Versammlungen.Psalm 26,12

Wie ist es nun, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zusammenkommt, so hat ein jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Zungenrede, er hat eine Auslegung. Lasst es alles geschehen zur Erbauung!1.Korinther 14,26

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Monatsandacht August 2020

"Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, das erkennt meine Seele.“

Psalm 139, 14

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