Immer verfügbar - Immer dynamisch - Immer voller Kraft Mut zu Grenzen in der Arbeitswelt

Abschlussbericht der Projektwoche des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt 2012:

Dass das Bild eines unbegrenzt belastbaren Arbeitnehmers / Arbeitnehmerin, der oder die immer verfügbar, immer dynamisch, immer voller Kraft ist, eine Illusion darstellt, ist für fast alle Menschen einsichtig und klar. Und doch folgen viele Menschen einem solchen „inneren Leitbild“, weil es ihren eigenen Idealen nahekommt. Auch viele Firmen organisieren ihre Arbeit nach Bildern aus, die eine Grenzenlosigkeit in sich tragen, um so dem Druck einer globalisierten und grenzenlosen Welt besser standhalten zu können. Doch wohin führt ein solcher Druck?

Und wie gehen Menschen mit Belastungssituationen um, die sie immer wieder an ihre Grenzen - und manchmal auch darüber hinaus - bringen?

"Als der Rücken und die Schulter immer heftiger schmerzen, sucht Henning W. die Betriebsärztin auf. Der 43-jährige ist Elektromeister beim Bahnhersteller Alstom in Salzgitter. Schon bei der simplen Frage nach seinem Wohlbefinden bricht er in Tränen aus: „Er arbeite viele Stunden, könne gar nicht mehr runterkommen. Seine Frau sei unzufrieden, weil er zuviel weg sei“, berichtet die Betriebsärztin Gisela Göpfert in Salzgitter. Ein Fall wie ihn Betriebsärzte immer häufiger erleben. Seelische Erkrankungen sind längst ein gesellschaftliches Problem - Tendenz steigend."
(Aus: Südkurier Nr. 36, vom 13.Febr. 2012, Seite 6 (Wenn die Seele zu viel trägt))


Burnout - unter diesem Begriff werden Erfahrungen der unterschiedlichsten Art zusammengefasst, die mit Stress- und Erschöpfungszuständen zu tun haben. Dabei ist dieses Wort „Burnout“ vor Jahren zum ersten Mal in Zusammenhang mit Helferberufen aufgetaucht. Darum standen in diesem Jahr Besuche bei Helferberufen im Mittelpunkt der Woche des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt. Ziel der Besuche war es, miteinander über Erfahrungen, die Kraft schenken, ebenso wie über Erfahrungen, die uns Menschen an die Grenzen bringen, ins Gespräch zu kommen. So wurde im Rahmen der Woche die Schiller-Schule in der Südstadt von Singen, das Krankenhaus in Radolfzell, der evang. Pfarrkonvent im Kirchenbezirk Konstanz, eine Krankenkasse (BKK-Audi in Singen) und die beschützenden Werkstätten Sankt Pirmin (Cariatas) in Singen besucht.

Burnout - eine Begriffsbestimmung

Burnout ist aus medizinischer Sicht keine anerkannte Krankheit. Auf den Krankschreibungen von Menschen, die an einem Burnout-Syndrom leiden, finden sich deshalb oft ganz unterschiedliche Diagnosen. Dies macht eine genaue Erhebung über das Burnout-Syndrom (Schwere, Verlauf und Anzahl der Erkrankungen) oft schwierig. Eine der häufigsten Diagnosen, die für einen Burnout im späten Stadium gestellt wird, heißt dabei Erschöpfungs-Depression.

Obwohl also ein genaue Beschreibung eines Krankheitsbildes fehlt, erkranken nach Schätzungen momentan ca. 100.000 Menschen pro Jahr in Deutschland an einem Burnout-Syndrom. Die ersten Berichte über einen Burnout betrafen dabei Menschen aus einem Helferberuf (Lehrerinnen und Lehrer, Krankenschwestern und Pfleger), später traten Manager und Menschen, die beruflich unter vielfältigem Stress und hoher Anspannung standen in den Vordergrund der öffentlichen Wahrnehmung, mittlerweile ist die Erkrankung in vielen Berufsgruppen und allen Gesellschaftsschichten anzutreffen.

Verschiedene Ursachen spielen für den Ausbruch eines Burnouts eine Rolle: innere Ursachen haben einen Anteil, dazu kann z.B. eine Außenorientierung gehören, wie sie bei vielen Menschen in Helferberufen anzutreffen ist (Man ist für andere Menschen da und beachtet dabei die eigenen Grenzen zu wenig). Andere Gründe sind hohe Ansprüche an sich selbst und der Wunsch, immer alles perfekt zu machen (Beide inneren Haltungen sind mit dem Effekt verbunden, dass man mit der Arbeit eigentlich nie fertig ist). Ebenso aber spielen äußere Ursachen für einen Burnout eine nicht unwesentliche Rolle: zunehmender Stress, der die Menschen von außen in einen Zustand permanenter Erregung hält, so dass sie nicht mehr abschalten können, mangelnde Erholungszeiten, aber auch ungelöste Konflikte (Mobbing) können mit zu diesen äußeren Ursachen zählen. Die Symptome beginnen bei normalen Stress-Reaktionen, die sich aber nach und nach immer mehr verdichten, wobei je nach Verlauf des Burnouts diese Symptome auch sehr unterschiedlich aussehen können. Zu den typischen Anzeichen gehören, dass Dinge, die für die Betroffenen früher mit Freude verbunden waren, keinen Spaß mehr machen, dass insgesamt der gefühlsmäßige Zugang zu der Arbeit verloren geht („man funktioniert nur noch“, fährt gleichsam auf Autopilot und doubelt sich selbst). Schuldgefühle der unterschiedlichsten Art gehören mit dazu (da man in der Arbeit den eigenen Ansprüche nicht mehr genügen kann), es können aber auch verstärkte Aggressionen nach außen auftreten. Im weitern Verlauf sind diese psychischen Symptome oft auch mit körperlichen Reaktionen verbunden (Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Rückenprobleme,...). Wenn nicht rechtzeitig gegengelenkt wird, steht am Ende dieser Entwicklung oft ein völliger Zusammenbruch (Erschöpfungs-Depression), in dem die Betroffenen nicht mehr für sich selbst sorgen können. Manchmal kann eine solche Erschöpfungs-Depression auch ein Zeichen für eine tiefer liegende Depression sein, die sich darunter verbirgt. Als Behandlung für einen Burnout hat sich oft ein Aufenthalt in psychosomatischen Klinik als sinnvoll erwiesen (Die Betroffenen kommen sechs bis acht Wochen aus dem Umfeld heraus. Es besteht die Möglichkeit zu Einzel- und Gruppentherapie, dazu kommen Übungen für Entlastung von Körper und Seele). Wer an einem Burnout erkrankt ist, hat gute Chancen auf eine Heilung. Wichtig aber ist auch, dass danach sowohl an einer Veränderung der inneren Einstellung (Reduzierung der „inneren Antreiber“), als auch an einer Veränderung der äußeren Umstände (Stressabbau, feste Erholungszeiten,...) gearbeitet wird.

Vielfältig und sehr lebendig waren die Gespräche bei den Besuchen. Viele, auch sehr unterschiedliche Eindrücke waren so mit den Gesprächen in der Woche verbunden, in der wir das Thema „Burnout“ immer wieder von den verschiedensten Seiten aus beleuchteten. Deutlich wurde dabei, dass es nicht einen Grund gibt, warum Menschen an ihre Grenzen kommen und letztlich drohen „auszubrennen“. Viele Gründe spielen mit - einige davon sind persönlicher Art - viele liegen aber auch in der Art der Arbeit begründet. Dabei wurde in den Gesprächen immer wieder eine permanent hohe Arbeitsbelastung als ein wesentlicher Punkt für ein solches Ausbrennen genannt - umgekehrt wurden aber auch Wertschätzung, feste Erholungszeiten und eine gute Gemeinschaft untereinander als eine wichtige Ressource gegen ein solches Ausbrennen in den Vordergrund gerückt. Aus den Erfahrungen der Woche möchte ich folgende 4 Punkte in den Mittelpunkt des Abschlussberichtes stellen:

Ergebnisse aus der Woche

Punkt 1: Die Welle rollt - Das Maß des Erträglichen bei der Arbeitsbelastung ist für viele Menschen bereits erreicht oder überschritten

Nach Angaben des Arbeitsministeriums ist die „Zahl der Krankheitstage wegen psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen“ rapide angestiegen und hat sich fast verdoppelt. „2001 waren es bundesweit noch insgesamt 33,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage, 2010 kamen schon 53,5 Millionen zusammen. Der Anteil an allen Arbeitsunfähigkeitstagen kletterte von 6,6 auf 13,1 Prozent. Die Ursachen lassen sich in einem Wort zusammenfassen: Stress.“ (alle Zahlen und Zitate zu diesem Punkt stammen aus einem Bericht der Frankfurter Rundschau vom 30. April 2012, Nr. 101, Seite 13 (Die Burnout-Epidemie - Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen haben dramatisch zugenommen)).

Diese Zahlen decken sich mit den Erfahrungen, die wir bei unseren Projektwochen gemacht haben. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen berichten seit Jahren, dass in ihrer Arbeitstelle immer neue Arbeit mit dazukommt, umgekehrt aber Personal eingespart wird. Das heißt, wir beobachten seit der Durchführung unserer Projektwochen vor über 10 Jahren eine ungebremste Entwicklung in Richtung Verdichtung der Arbeitsbelastung. Der Druck, der mit dieser Entwicklung verbunden ist, scheint nun eine Form angenommen zu haben, der das Maß des Erträglichen für immer mehr Menschen überschritten hat.

Auch bei unserem Besuch bei einer Krankenkasse wurde uns bestätigt, dass die Zahl der Erkrankungen, die einen psychischen Anteil in sich tragen, deutlich zugenommen hat. Dabei machen Rückenprobleme (Wobei ein Teil dieser Rückenprobleme nicht nur auf Fehlhaltungen oder einseitige Belastungen zurückzuführen sind, sondern auch psychische Ursachen haben (eine innere Verspannung, die sich auf dem Rücken „äußerlich“ wieder abbildet - Stichwort: der Rücken als Landkarte der Seele) und psychische Erkrankungen mittlerweile einen Großteil der Krankschreibungen von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen aus. Ein Burnout - obwohl medizinisch nicht eindeutig definiert - findet sich mittlerweile in allen Altersstufen, allen Berufsgruppen und allen Gesellschaftsschichten wieder, obwohl manche der Betroffenen die Symptome, unter denen sie leiden, selbst nicht unbedingt einem solchen Burnout zuordnen würden.

Diese Entwicklung wird sich auf Dauer m.E. noch durch den demographischen Wandel verschärfen. Denn auch dieser Wandel erzeugt zusätzlichen Druck. Es ist daher höchste Zeit, gegenzusteuern. Eine Möglichkeit sind Gefährdungsbeurteilungen, wie sie in manchen Firmen bereits durchgeführt werden. Die Gewerkschaft IG Metall fordert eine Anti-Stress-Verordnung, in der durch „feste Regeln zur Verteilung von Arbeitszeiten, zum Verhalten von Vorgesetzten, zur Taktung von Arbeitsabläufen oder auch zu Belastungsgrenzen durch Projektarbeit“ das Maß der Stressbelastung nach oben hin begrenzt wird. Wichtig wäre es ebenfalls, dass Firmen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das hohe Tempo und die hohe Belastung auf Dauer gesundheitlich nicht durchhalten, individuell andere Möglichkeiten zur Arbeit anbieten, in denen dieser Druck reduziert ist. Es besteht aus unserer Sicht in der Frage der Höhe der Arbeitsbelastung ein dringender Handlungsbedarf der Firmenleitungen - und sollten diese nicht reagieren auch des Gesetzgebers - um der Gesundheit der Menschen willen, die durch die hohe Arbeitsverdichtung seit vielen Jahren an und über ihre Grenzen arbeiten.

Punkt 2: Eine Frage der Wertschätzung

Ein Stichwort, das bei den Gesprächen in der unterschiedlichsten Weise immer wieder vorkam, war das Stichwort "Wertschätzung". Sich selbst "wert zu schätzen" hilft, die eigenen Grenzen zu achten und diese Grenzen auch nach außen freundlich aber bestimmt zu vertreten. Wertschätzung von außen zu erfahren hilft, mit Stress so umzugehen, dass er nicht zerstörerisch wirkt, sondern verarbeitet werden kann. Eine solche Wertschätzung kann ganz unterschiedlich erfolgen: sie kann aus dem Kontakt mit den Menschen erwachsen, mit denen man bei der Arbeit zu tun hat wie auch aus der Arbeit selbst, sie kann aus dem Kreis der Kolleginnen und Kollegen erfolgen, mit denen man gemeinsam die anstehenden Aufgaben umsetzt und sie kann durch die Leitungsebene erfolgen.

An dieser Stelle ist die Rolle der Führung nicht zu unterschätzen. Sie bestimmt durch die Art der Führung das Gesamtklima oft entscheidend mit. Auch bei einem „normalen“ Arbeitspensum kann es durch mangelnde Wertschätzung zu einem inneren Ausstieg und zu einem „ausbrennen“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen. Umgekehrt führt eine Wertschätzung der geleisteten Arbeit mit dazu bei, dass Menschen psychisch gesund bleiben. Denn Menschen sind eben keine Maschinen, sondern leben in ihrer Arbeit von mehr, als nur der Gehaltszahlung am Monatsende.

Von daher ist es wichtig, dass Menschen in den Firmen und Betrieben, die Personalverantwortung haben, eine Aus- und Fortbildung im Bereich Führen und Leiten mit Wertschätzung erhalten. Dies ist ein Baustein, der mithelfen kann, einen Burnout bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verhindern.

Ein Satz, der in der Woche gefallen ist, und in dem es ebenfalls um die Frage der Wertschätzung ging, geht mir persönlich dabei noch nach. Dieser Satz lautet: "Globalisierung kennt keine Wertschätzung." Die Begründung dazu lautete: jede Arbeit - und damit auch jede(r) Arbeitnehmer(in) - ist weltweit austauschbar. Dies entwertet die konkrete Arbeit und ihre Qualität vor Ort und stellt umgekehrt die Kostenfrage als zentrales Kriterium in den Vordergrund. Ich denke, dieser Satz beschreibt einen Teil dessen, wie momentan Globalisierung erlebt wird. Doch zugleich bin ich zutiefst davon überzeugt, dass jede Arbeit ohne Wertschätzung am Ende keinen Bestand haben wird. Am Ende der Globalisierung werden nicht die Firmen überleben, die am Billigsten produzieren, sondern diejenigen, die durch Wertschätzung ihrer Kunden, wie auch durch Wertschätzung ihrer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Qualität zu bieten haben, die auf Dauer Bestand hat. Dies bedeutet gerade auch in den Zeiten einer wilden Globalisierung, die wir gerade durchlaufen, vielleicht sogar hier ganz besonders, die Notwendigkeit eine neue Kultur der Wertschätzung zu entwickeln und zu pflegen.

Punkt 3: Jede Arbeit braucht Pausen

"Fast jeder zweite Arbeitnehmer (46,9 Prozent) arbeitet auch am Wochenende - ständig, regelmäßig oder gelegentlich. Ebenso viele arbeiten in den Abend- und Nachtstunden, beziehungsweise in Wechselschichten."(Aus: Südkurier vom 14.2.2012, Viele arbeiten am Wochenende; Anfrage an die Bundesregierung)

Viele Menschen erleben ihre Welt als eine pausenlosen Gesellschaft, die keine Ruhe mehr kennt. Umgekehrt wurde bei den Gesprächen zum Thema Burnout das Abschalten und das Ruhe finden als eine ganz zentrale Ressource genannt, um einem Burnout vorzubeugen und entgegenzuwirken. Dabei braucht es auch immer
wieder eine gehörige Portion an Selbstdisziplin (vgl. z.B. die Regelung bei Pfarrerinnen und Pfarrern, die zwar einen freien Tag pro Woche vorsieht, aber nur wenig Hilfen zur Durchführung bietet), um solche Ruhezeiten durchzusetzen. Doch ohne eine solche Pause, die nicht beliebig weit hinausgeschoben werden kann, ist ein Arbeiten, bei dem man auf Dauer gesund bleibt, nicht möglich.

Schwierig sind solche fehlenden Ruhezeiten für alle Berufe, in denen Beruf und Alltag sich nur schwer trennen lassen (z.B. Pfarrerinnen und Pfarrer, Manager, die auch nach Feierabend und im Urlaub mit ihrem Handy und per e-mail erreichbar sind, Lehrerinnen und Lehrer, die auch am Wochenende Klassenarbeiten korrigieren und Unterricht vorbereiten,....). Neben der Selbstdisziplin sind hier Arbeitgeber wichtig, die solche feste Ruhezeiten mit unterstützen und nicht durch eigene Anfragen mit dazu beitragen, diese Ruhezeiten weiter zu zerstückeln.

Zwei Anmerkungen zum Thema Pausen am Schluss:

So wie jeder Tag am Ende mit einem Feierabend seine Ruhepause braucht, so braucht es auch in der Woche eine feste gemeinsame Ruhezeit. Der Umgang mit dem Thema „Burnout“ kann dabei helfen, die Bedeutung des jüdischen Schabbats und des christlichen Sonntags als festen Tag der Ruhe gesellschaftlich neu wiederzuentdecken. Ein solcher freier Tag ist kein Luxus, den man sich leistet, wenn man dazu Zeit hat, sondern er ist als freier Tag gerade dort umso nötiger, wo man meint, keine freie Zeit mehr zu haben.

Und: Ruhe braucht Orte der Ruhe. Von daher ist es dringend notwendig, auch für die Pausen bei der Arbeit Orte der Ruhe für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer anzubieten. So braucht es z.B. an jeder Ganztagesschule einen Rückzugs-Ort für Lehrerinnen und Lehrer, der weder durch das Klopfen von Schülerinnen und Schülern an der Tür, noch durch einen permanent hohen Geräuschpegel der Umgebung gestört wird.

Punkt 4: Gemeinschaft als Quelle der Kraft

Ein Thema, das immer wieder positiv bei den Gespräche genannt wurde, war das Thema Gemeinschaft. Miteinander ist viel mehr möglich, als allein. Ein gutes Team kann motivieren und Kräfte freisetzen. Und es kann sich gegenseitig tragen, an den Tagen, an denen Einzelnen die Kraft fehlt.

Doch eine solche Gemeinschaft entsteht und erhält sich nicht von allein. Um eine gute Gemeinschaft zu werden, braucht es immer wieder Kraft und Zeit aller Beteiligten. Kaffeepausen, in denen man sich untereinander auch über Persönliches austauschen kann, sind von diesem Hintergrund her gesehen keine verlorene Zeit, sondern tun der Arbeit gut, weil sie die Gemeinschaft fördern. Aber auch ein gemeinsames Mittagessen, Mitarbeiterausflüge und vieles andere mehr können zu einem solchen guten Arbeitsklima beitragen. Umgekehrt tragen alle Erfahrungen eines negativen Arbeitsklimas mit zu einem „Ausbrennen“ bei.

Nachgegangen ist mir in diesem Zusammenhang ein Satz in der Woche, in dem es hieß, dass bei der Arbeit aus Zeitmangel nur noch eine „funktionale Sprache“ möglich wäre. Denkt man diesen Satz konsequent zu Ende, so würde er bedeuten, dass bei der Arbeit keine Zeit mehr für gemeinschaftsfördernde Maßnahmen bleibt. Nicht einmal für eine kurze Bemerkung des Lobs, der Freude oder der Aufmunterung. Damit würde aber die Arbeit auf Dauer die Grundlage der Gemeinschaft zerstören, auf die sie zugleich aufbaut. Dies zeigt, wie notwendig es ist, dass gerade auch der Arbeitgeber Gemeinschaft als eine Ressource wahrnimmt, die nicht beliebig vorhanden ist, sondern die gepflegt und erhalten werden will. Positive Erfahrungen der Gemeinschaft tun dabei nicht nur an der Arbeitsstelle gut. Auch ein Stammtisch einmal in der Woche am Abend, an dem Menschen mit unterschiedlichen Berufen zusammenkommen und von ihrem Arbeitstag erzählen, kann in dieser Form befreiend und motivierend sein. Andere berichten von solchen Erfahrungen des Kraft-Tankens beim Theaterspielen, beim Singen im Chor oder beim Sport.Dies zeigt, dass auch die Freizeitgestaltung mithelfen kann, einem Burnout vorzubeugen.

Abschluss

Vielfältig und lebendig waren die Gespräche bei den Besuchen. Dabei haben wir viele Menschen kennengelernt, die ihren Beruf mit viel Engagement und Liebe ausüben. Es tat gut, Menschen mit einen solchen hohen Engagement kennenlernen zu dürfen.- und solange es solche Menschen in unserem Land gibt, muss man sich um manches nicht zu viel Sorgen machen.

Umgekehrt haben die Gespräche aber auch deutlich gemacht, wie leicht manchmal etwas ins Kippen geraten kann und wie zerbrechlich wir Menschen letztendlich sind. Dies zeigt, wie wichtig es ist, Belastungsgrenzen wahrzunehmen und frühzeitig gegenzulenken. Viele Menschen stehen schon jetzt durch ihre Arbeit unter einem hohen Druck. Von daher würden wir uns wünschen, bei unseren Besuchen in den kommenden Jahren eine Umkehrung der Entwicklung zu spüren, die wir im vergangenen Jahrzehnt wahrgenommen haben: Dass nicht immer nur mehr Arbeit dazukommt und zusätzlich dazu Personal eingespart wird - sondern dass Arbeit reduziert oder der Personalbestand erweitert wird. Damit Menschen auch in Zukunft mit Freude und vor allem gesund arbeiten und leben können.

Pfr. Paul Wassmer
Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt
Kirchenbezirk Konstanz

 

Andacht Oktober

 

 

 

 

 

 

 

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben! Tob 4,8

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