"Komm' an'n See" - Margot Käßmann auf dem Bodenseekirchentag

Margot Käßmann im Münster in Überlingen mit Moderator Holger Gohla vor Beginn der Bibelarbeit zum Auftakt des Bodenseekirchentags 2012

Ein strahlend blauer Himmel, ein warmer Sommerabend, eisessende Menschen, entspannte Gesichter - einen schöneren Start des 15. Bodenseekirchentages hätte man sich für den Freitagabend nicht wünschen können. Bereits zwei Stunden vor Beginn der Auftaktveranstaltung, einer Bibelarbeit mit der ehemaligen EKD- Ratsvorsitzenden Margot Käßmann, war das Münster gut gefüllt, Bänke mit Utensilien belegt, um so sicherzugehen, auch bestimmt einen Sitzplatz zu bekommen. Laut einer Schätzung des Messmers erlebten rund 1200 Menschen im Münster selbst und 400 weitere vor dem Gotteshaus die Veranstaltung mit. 

 

Nachdem das Bläserensemble des Bezirks unter Leitung von Bezirkskantor Thomas Rink den Moderator Holger Gohla mit kräftigen Klängen unterbrochen und damit gleich zu Anfang einen Heiterkeitsausbruch hervorgerufen hatte, ging es in entspannter Atmosphäre weiter. Da sie lange nicht mehr am Bodensee gewesen sei, freue sie sich, hier zu sein und  so viele Menschen vor sich zu sehen.  „Komm an’n See“, sei eine der ersten Assoziationen zum Motto des Kirchentages „Come and see“ gewesen, das ihr sehr gut gefiele. Der Vers, der in eine Perikope aus Johannesevangelium, in der es um die Berufung der ersten Jünger geht, eingebettet ist, fordere dazu auf, Glaube nicht nur intellektuell, sondern auch sinnlich zu erfahren. Das Christentum sei eine Gemeinschaftsreligion, und so gehe es im Gottesdienst nicht drum, dass es mir etwas bringe, sondern darum ins Haus Gottes zu kommen, sich einzubringen und in Gemeinschaft zu singen und zu beten. Grenzüberschreitungen könnten wir Christen leisten, in der Ökumene, in der Gesellschaft, denn die katholischen und evangelischen Gläubigen verbinde mehr, als dass sie trenne.

 

Wie die Zukunft Gottes aussieht, das überlasse ich gerne Gott“

Spontanen Beifall gab es, als Käßmann dazu aufforderte, als Christen etwas erlöster Zeugnis vom Evangelium in der Welt abzulegen. Schließlich glaubten wir an einen Auferstandenen, nicht an einen Toten. Diese Hoffnung gebe uns die Freiheit, auch in dieser Welt schon Tränen abzuwischen, das in unseren Kräften Stehende zu tun, mehr Gerechtigkeit und Respekt in unserer Gesellschaft herbeizuführen. Dieses „Komm und siehe“ müsse für die ersten Jünger so eindrücklich gewesen sein, dass sie ihr Leben geändert, Gemeinden gegründet, Versammlungshäuser gebaut hätten – zum Lob eines anderen. Dieses Lob Gottes könne frei machen von dem Druck, sich selbst rühmen zu müssen, und dabei helfen, Sinn in dieser Gesellschaft zu finden. Vielleicht spüre man das im Gebet am besten.

 

Ihre Ausführungen illustrierte Käßmann mit vielen Anekdoten aus ihrem Leben, was die Zuhörerschaft mit Sympathie aufnahm. Ihre neue Tätigkeit als EKD-Botschafterin für das Reformationsjubiläum  2017 sei eine schöne Aufgabe, die es ihr ermögliche, das zu tun, was sie am liebsten mache: lesen, schreiben und reden. Mit dem Hinweis auf Jan Hus betonte sie, dass die Reformationsdekade kein deutsches Jubiläum, sondern ein weltweites sei. Es gehe darum, die evangelische Botschaft in die Welt zu tragen.

Mit kräftigem und lang anhaltendem Applaus bedankten sich die Besucher bei der zierlichen Frau mit der starken Ausstrahlung nach dem Ende ihres Vortrags. Es folgte eine Fragerunde, die sie mit der Bemerkung einleitete, keineswegs alle Fragen beantworten zu können. Auch in ihren Antworten kamen Besonnenheit und persönliche Bescheidenheit zum Ausdruck. Auf die Frage nach der Existenz im Reich Gottes nach dem Tod erwiderte sie: „Ich überlasse, wie die Zukunft Gottes aussieht, ganz gerne Gott.“

Der Bodenseekirchentag dauert noch bis zum Sonntag, 17. August und endet mit der Abschlussveranstaltung um 14.30 in der Hofstatt in Überlingen (bei Regen im Münster).

Andacht Dezember 2019

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.   Jes 50,10

Weiterlesen...