Warum feiern wir an Ostern in der Kirche das Abendmahl?

In den Gottesdiensten am Gründonnerstag, am Karfreitag und am Ostersonntag feiern wir in der Kirche auch das Abendmahl. Was hat das Abendmahl mit diesen Festen zu tun? Wie kommen wir überhaupt dazu, im Gottesdienst am Altar Brot zu essen und Wein zu trinken?

Gutes Essen und Trinken hat bei Gott Tradition, sagt die Bibel: Als drei Boten Gottes dem Abraham ankündigen, er werde im hohen Alter noch einen Sohn bekommen, findet dieses Gespräch bei einem Gastmahl statt. Als der Zöllner Matthäus sich entschließt, Jesus nachzufolgen, wird das mit einem Festmahl gefeiert. Bei Tisch spricht Jesus einer Hure die Vergebung ihrer Sünden zu. Und dass Jesus uns heute diese Vergebung auch zuspricht, das feiern wir im Gottesdienst, indem wir miteinander Brot essen und Wein trinken.

Am Vorabend seines Todes, dem Gründonnerstag, teilte Jesus mit seinen Jüngern Brot und Wein. Dabei trug er ihnen auf, dieses Mahl immer wieder zu feiern – in Erinnerung an ihn und an die Vergebung der Sünden, die er ihnen durch seinen Tod schenkt. Deshalb feiern wir das Abendmahl am Gründonnerstag, dem Tag seiner Einsetzung durch Jesus. Und am Karfreitag, dem Tag der Kreuzigung von Jesus, feiern wir das Abendmahl in Erinnerung daran, dass Jesus am Kreuz für unsere Sünde gestorben ist.

Doch Jesus ist nicht im Tod geblieben: Am dritten Tag, dem Ostersonntag, wurde er durch Gottes Macht von den Toten auferweckt. Der auferstandene Jesus erscheint seinen Jüngern, als sie gerade zum Essen am Tisch sitzen. Deshalb feiern wir am Ostersonntag das Abendmahl: Weil Jesus lebt, ist er in Brot und Wein unsichtbar unter uns. Wenn wir uns im Glauben auf eine Begegnung mit ihm einlassen, werden wir seine Gegenwart in unserem Gottesdienst und in unserem Leben erfahren. Im Gebet dürfen wir ihn dazu einladen.

Und so schwer es uns auch fallen mag, uns den Himmel und die Ewigkeit vorzustellen – eins sagt die Bibel ganz deutlich: Im Himmel wird gegessen und getrunken! Als Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feiert, sagt er, dass er im Himmel wieder mit ihnen Wein trinken wird. Denn weil Jesus durch seine Auferstehung den Tod überwunden hat, schenkt er allen, die sich ihm anvertrauen, nach dem Ende ihres irdischen Lebens ein ewiges Leben bei Gott.

Das ist in der Bibel ganz klar: Wo Gott ganz nah zu den Menschen kommt da wird gegessen und getrunken. Und wo Menschen sich vor Gott ihres Lebens freuen und miteinander fröhlich essen und trinken, da ist ein Stück vom Himmel. Deshalb stehen wir in unseren Abendmahlsgottesdiensten gemeinsam im Kreis um den Altar. Wenn wir dann Brot und Wein miteinander teilen, freuen wir uns, dass der auferstandene Jesus unsichtbar mitten unter uns ist, so, wie er es versprochen hat. Wir danken ihm dafür, dass er am Kreuz für unsere Sünden bezahlt hat, und nehmen dieses Geschenk im Glauben an. Wir freuen uns darüber, dass er uns zu einer Gemeinschaft zusammenschließt. Und wir blicken weit hinaus in die Ewigkeit, wo wir mit Jesus und untereinander Gemeinschaft haben dürfen.

Die Bibel erzählt, dass die Engel vor Gottes Thron ihn mit den Worten loben: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll!“ (Jesaja 6,3) Diese Worte singen wir in der Kirche bei der Feier des Abendmahls – und wir stimmen damit in den Gesang des himmlischen Chores vor Gottes Thron ein, in dem auch alle mitsingen, die uns schon in die Ewigkeit vorausgegangen sind. So ist die Abendmahlsfeier der schönste Ausdruck dafür, dass wir im Lob Gottes auch mit unseren Verstorbenen vereint sind, die schon in Gottes Herrlichkeit angekommen sind.
So lassen Sie uns in den Gottesdiensten zu Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersonntag fröhlich das Abendmahl feiern – in Dankbarkeit für Gottes Vergebung, für die Gemeinschaft miteinander und mit unseren Verstorbenen – und in zuversichtlicher Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit, die uns in der himmlischen Heimat erwartet.
 
Pfarrer Dr. Ulrich Zimmermann, Konstanz-Wollmatingen

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Ich glaube, hilf meinem Unglauben! Mk 9,24

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