Atemraubend

Als Studentin habe ich des öfteren im Studentenwohnheim den Fahrstuhl benutzt. Dieser war eigentlich verlässlich, bis zu jenem Tag….

Der Fahrstuhl fuhr gewohnheitsmäßig an, doch dann stoppte er und ich hing fest. Ich konnte noch einen kleinen Rand des Flures sehen, so dass noch etwas Licht hineinfiel. Ich betätigte den Notrufknopf und musste einige, für mich sehr lange Minuten in diesem Aufzug verbringen, bevor der Notdienst anrückte und mich befreite. Seit diesem Erlebnis habe ich auch gerne bis ins fünfte Stockwerk die Treppe benutzt….Heute fahre ich wieder Fahrstuhl, aber nur, wenn es unbedingt sein muss, denn so ein Erlebnis prägt sich ein.

 


Warum berichte ich Ihnen von diesem Erlebnis? Kürzlich erhielt ich einen Brief von OpenDoors, eine Organisation die weltweit im Dienst verfolgter Christen tätig ist. Der Brief von OpenDoors ging auf die Situation der verfolgen Christen in Eriträa, Afrika ein, und beim Lesen wurde ich wieder an mein Fahrstuhlerlebnis erinnert. Abgebildet war ein alter Schiffscontainer. Im Brief dazu hieß es: „Derzeit befinden sich etwa 1000-1500 Christen in unterirdischen Gefängnissen und eben solchen Schiffscontainern. Des Nachts ist es eisig kalt darin und tagsüber steigen die Temperaturen im Container auf über 40 Grad C an. Monate und sogar Jahre verbringen unsere Geschwister in diesen dunklen Gefängnissen.“
OpenDoors baute einen solchen Schiffscontainer auf einem christlichen Kongress auf. Die Besucher des OpenDoors Standes in der Messehalle wurden eingeladen, nur 10 Minuten in den Schiffscontainer zu kommen und im Dunkeln zu verweilen und die Zeit zu nutzen, um für die verfolgen Geschwister in Eriträa zu beten. Nachdem die 10 Minuten um waren, wurden die Türen geöffnet (wer es nicht so lange aushielt, durfte natürlich auch vorher wieder raus) und alle konnten wieder das stickige Gefängnis verlassen
." Der Leiter von OpenDoors Markus Rode schreibt: „Diese 10 Minuten kamen uns und unseren Besuchern wie eine Ewigkeit vor. Erstmalig spürten wir etwas vom Leiden unserer verfolgten Geschwister am eigenen Leibe.“
Mich hat dieser Brief von OpenDoors sehr angerührt, vielleicht auch deswegen, weil ich ein ähnliches Erlebnis des Gefangenseins in einem Fahrstuhl hatte, was ich natürlich auf keinen Fall mit der Situation der verfolgen Christen vergleichen möchte. Man nimmt an, dass heute weltweit 100 Millionen Christen verfolgt oder diskriminiert werden. Sogar der Südkurier hat diesem Thema vor ein paar Wochen eine ganze Doppelseite gewidmet. Mir wurde wieder deutlich, dass so viele Christen auf dieser Welt verfolgt werden. Und viele halten durch und sagen ihrem Glauben nicht ab, sondern bekennen sich treu zu ihrem Herrn Jesus Christus. Ich habe tiefen Respekt und Achtung vor diesen Menschen, denen ihr Glaube so viel bedeutet, dass sie bereit sind, dafür auch Leiden hinzunehmen.

In unserem westlichen Land kehren sich immer mehr Menschen vom christlichen Glauben ab, in der Schule erlebe ich, dass bei den Kindern das Wissen um biblische Inhalte immer mehr abnimmt, Menschen nehmen die Nachricht vom Evangelium, von der guten Nachricht Gottes für ihr Leben nicht mehr an, obwohl wir uns in diesem Land frei zu Jesus bekennen können (welch ein Privileg!). Dieses Desinteresse stimmt mich traurig. Welch ein Paradoxon, weltweit wächst die Kirche Jesu Christi, gerade in den Ländern, wo die Christen verfolgt werden, bei uns nimmt die Zahl ab.

Ich möchte Sie, liebe Leser, einladen über den „Tellerrand“ unseres eigenes Landes zu schauen und Sie an dieser Stelle ermutigen, an unsere verfolgten Schwestern und Brüder in der ganzen Welt zu denken, die täglich so viel leiden müssen Bitte vergessen Sie sie nicht und beten Sie für sie. Viele verfolgte Christen schreiben, dass sie die Kraftquelle des Gebets immer wieder spüren und das es sie durchhalten lässt. Oder schreiben Sie Ermutigungsbriefe an Christen, die verfolgt werden.
Ein Gefangener schrieb aus dem Gefängnis „Diese Ermutigungsbriefe sind für meine Familie und mich wie Sauerstoff zum Atmen.“ Wenn Sie sich mehr über die Arbeit von OpenDoors informieren wollen, ist dies die Internetadresse: www.opendoors-de.org .

 „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

Claudia Tissler-Buhr, Diakonin in der Evangelischen Kirchengemeinde Wollmatingen

Jahreslosung 2020

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich glaube, hilf meinem Unglauben! Mk 9,24

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