Ökumenisch-harmonisch: Gottesdienst auf dem Kirchenschiff

Am Himmel ziehen sich dunkle Wolken zusammen am letzten Julisonntagabend in Bodman, doch der Sommerabend ist ansonsten, wie er sein soll: Warm, mit leichtem Wind, sonnig. Etwa 18 mit Instrumenten und Notenständern behängte Sänger und Musiker besteigen die „Großherzog Ludwig“ von Clemens Mauch.

 

Im Nu wird das Innere des Ausflugsschiffes umgebaut, die Tische zusammengeklappt, die Stühle in vier, einander gegenüberliegende Reihen aufgestellt: Vorbereitungen für den ersten ökumenischen Gottesdienst auf dem „Kirchenschiff“. Kaum ist der Umbau vorbei, füllt sich das Boot. Auf der Fahrt nach Überlingen stimmt der Litzelstetter Chor „Friends of Gospel“ unter der Leitung von Pfarrer Christof Ellsiepen „Masithi“ und „Down the River“ an – und andere Spirituals und Songs, in denen es beziehungsreich um Wasser geht. So ist die Stimmung bereits recht heiter, als in Überlingen die letzten Gäste an Bord gehen.  So fanden sich insgesamt statt der angemeldeten 90 gut 120 Personen auf dem Schiff ein. Einige Zögerliche blieben am Ufer zurück.

Regionaldekan Joachim Burkhard eröffnete den etwas anderen Gottesdienst, sein evangelischer Kollege Ellsiepen stimmte mit einer Meditation über die Befindlichkeit auf dem See ein. „Der Raum predigt mit, es mag eine Kirche oder ein Schiff sein“, sagt Ellsiepen und lenkt die Aufmerksamkeit auf schifftypische Taue aus dem Schiffsrumpf, die um die Kerze in der Mitte herum liegen.  Sie dienen als „roter Faden“, alle Anwesenden bekamen es zu fassen, und so gewann Ellsiepens Gedanke „Wir sind miteinander mit Gott verbunden“ fühlbar Realität. „Was gibt mir Halt im Leben? Wem gebe ich Halt im Leben? Wo würde ich mir mehr Verbundenheit wünschen?“ gab er als Impuls in eine kurze Besinnung.

Hinterher folgte darüber ein kurzer Austausch mit dem Nachbarn. Oder auch über andere Dinge. „Ich hab vor zwei Monaten meinen Mann verloren, und eine Freundin, die in der gleichen Situation ist, hat gefragt, ob wir gemeinsam heute Abend den ökumenischen Gottesdienst auf dem Kirchenschiff besuchen sollen. Ich steh der Kirche nahe, da hab ich gerne zugesagt“, erzählt eine gepflegte Dame in den Fünfzigern. Die Unterhaltung kommt so rege in Gange, dass die Begleitmusik kaum noch zu hören ist, und die Gottesdienstbesucher machen nicht den Eindruck, als ob sie so  schnell aufhören wollten, sich auszutauschen….

„Wenn ein Mensch auf Gott sein Leben baut“, singt die Schiffsgemeinde einige Minuten später. „wenn er Tag und Nacht auf ihn vertraut, hat er Zukunft und Hoffnung und Lebenskraft, weiss bei Gott sich ganz geborgen.“ Und in Anlehnung an den Psalm geht es weiter: „Er ist wie ein Baum, der am frischen Wasser steht und dessen weit gespanntes Blätterdacht niemals mehr vergeht: Er wird leben, blühen, Farben sprühen, Früchte schenken ohne Zahl.“ In dieser Verheißung schließt der Gottesdienst nach einem gemeinsamen Vaterunser und dem Segen. Und dem passenden Schlusslied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“. Danach übertönen die „Friends of Gospel“ und die kleine Begleitband mit weiteren Spirituals das leichte Dröhnen des Schiffsmotors, während das Schiff Dingelsdorf ansteuert, wo die ersten Menschen von Bord gehen. Manche Menschen sinnen vor sich hin, manche führen das Gespräch mit dem Nachbarn weiter, die Stimmung ist heiter und gelöst.

Die ökumenischen Gottesdienste auf dem See, die in diesem Jahr vier Mal stattfinden, sind ein neues Angebot für Kirchenferne und andere. „Die Grundidee war es, Urlaubern hier die Möglichkeit zu bieten, Gott auf dem See zu erleben und so auch ökumenisch Gottesdienst zu feiern“, erläutert der Litzelstetter Pfarrer Christof Ellsiepen, der seit einem knappen Jahr Beauftragter für Tourismus des Kirchenbezirks Konstanz ist. Die ökumenische Zusammenarbeit der beiden Theologen aus den beiden großen christlichen Kirchen klappt dabei spürbar einwandfrei. „Ich wüsste auch gar nicht, wo es da ein Problem geben sollte“, bekräftigt Regionaldekan Joachim Burkhard und lacht seinen Bruder im Amt an. „Dass so viele so gut mitgemacht haben habe ich erwartet. Wer sich auf so was einlässt, der hat an ungewöhnlichen Gottesdienstformen Interesse“, ergänzt er.

Und wie empfinden das die Teilnehmer? „Wir sind vom Kirchenchor Eigeltingen. Uns hat unsere Chorleiterin darauf aufmerksam gemacht“, sagt eine Gruppe von älteren Damen. „Man kommt ins Nachdenken – es war sehr berührend“, schildert die Dirigentin ihren Eindruck. Ob sie wohl wiederkommen? Das „Ja“ kommt bei einigen der Laiensänger ganz überzeugend und begeistert. Ihr habe die Aktion mit dem Seil gefallen, so eine andere Besucherin. „Das Moderne, dass es nicht so streng katholisch war…“. Eine alte Frau berichtet, sie sei durch ihre Tochter auf das Schiff gekommen, die beim Gospelchor mitmache. „Da ist mehr Leben drin als in einem normalen evangelischen Gottesdienst . Naja, so häufig bin ich da auch nicht dort.“ fügt sie hinzu. Zwei jüngere Männer aus Tübingen sind in Überlingen zugestiegen. „Wir sind hier in Urlaub und haben das Plakat am Hafen gesehen. Der Herr Jesus hat mir gefehlt.“ Ob der denn nicht sowieso dabei sei, frage ich nach. „Der Heilige Geist war schon da, aber den Herrn Jesus muss man auch verkündigen.“ Erklärt einer der Urlauber.

Mittlerweile ist es dunkel geworden. Über dem Freideck ist der Mond aufgegangen. Ein junges Paar genießt die romantische Nacht auf dem See. „Ich hab den Hinweis im City Pastoral in Konstanz gefunden. Ich bin aus Polen und katholisch und er ist evangelisch, das war für uns ein Grund mehr, unbedingt hierherzukommen.“ Sagt die junge Frau und strahlt ihren Begleiter an. „Wenn es das nächstes Jahr wiedergibt, kommen wir auch wieder!“

Bibel-TV war mit an Bord und hat einen kurzen Beitrag zum Gottesdienst auf dem See ausgestrahlt 
http://www.bibeltv.de/mediathek/ideaheute/ideaHeute_vom_29072013-3207.html .

Weitere Gottesdienste auf dem Kirchenschiff finden am 4., 11. Und 18. August statt. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Rubrik „Für Besucher und Touristen“ oder dem „Veranstaltungskalender“ auf dieser Homepage.

http://www.kirche-im-tourismus-am-bodensee.de/kirchenschiff

Gedanken zur Tageslosung vom 18.09.2020

Ich bin der HERR, der das Recht liebt und Raub und Unrecht hasst.
Jesaja 61,8

Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel. Denn der Herr straft dies alles.
1.Thessalonicher 4,6

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Andacht September 2020

Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.

2.Kor 5,19

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