Andacht März 2018

zu Johannes 19, 30 von

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht!                             Johannes 19, 30

Den letzten Worten eines Menschen wird eine besondere Bedeutung beigemessen. Oft fassen sie die Haltung zusammen, in der ein ganzes Leben geführt worden ist: Glaube, Unglaube, Zynismus oder Dankbarkeit. Georg Friedrich Händel zum Beispiel starb mit dem wunderbaren Wort aus dem Buch Hiob auf den Lippen: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“
Johann Wolfgang von Goethe flehte am Ende seines Lebens um „Mehr Licht!“ Böse Zungen behaupten freilich, dass er sich hier lediglich über den mangelnden Komfort seines Sterbelagers beklagen wollte, als gebürtiger Frankfurter natürlich in hessischer Mundart: „Mer liecht hier so schlecht!“ Aber der Tod habe den Satz schon nach dem zweiten Wort vorzeitig beendet.
Und dann war da noch der Bettnässer, dessen letzten Worte lauteten: „Ich schalte mal die Heizdecke an!“
Jean-Paul Sartre wird auf Wikipedia als der tonangebende Intellektuelle der Nachkriegszeit bezeichnet. 1964 bekam er den Nobelpreis für Literatur, und er konnte es sich leisten, ihn nicht anzunehmen. Als er 1980 im Alter von 74 Jahren gestorben war, folgten 50 000 Menschen seinem Sarg. Doch seine letzten Worte sollen gelautet haben: „Ich bin gescheitert.“

Ganz anders Jesus Christus. Er wurde nur ziemlich genau halb so alt wie Sartre. Dann wurde sein Leben gewaltsam beendet. Und die Massen sind seinem Sarg nicht gefolgt. Die haben vielmehr vorher „Kreuzigt ihn!“ skandiert. Bei Jesu Beerdigung waren auch nur eine Handvoll Leute dabei, ein Ratsherr, der ihn heimlich verehrt hatte, und ein paar treue Frauen.

Trotzdem, so berichtet es zumindest Johannes, der als Ohrenzeuge dabeistand, habe Jesus zuletzt gesagt: „Es ist vollbracht!“  Im Griechischen nur ein einziges Wort, das ausdrückt, dass alles zum Ziel gekommen ist. Und da stellt sich schon die Frage, ob hier eine solche Erfolgsmeldung tatsächlich angebracht ist. Denn der frühvollendete Meister aus Nazareth hatte ja in seinem Leben weder alle Kranken geheilt noch alle Dämonen ausgetrieben. Und auch seine Jünger hätten sicher gern noch ein paar mehr Lehrstunden bei ihm gehabt. Mal ganz abgesehen davon, dass das eine Kreuzigung, die entehrende Todesart ausschließlich für Sklaven und Verbrecher ohne römischen Pass, keinesfalls als der angemessene Abschluss für ein erfolgreich gelebtes Leben gelten darf.

Was ist vollbracht? Sicher nicht die Mission, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen. Oder das Ziel, die Menschheit ethisch ein Stück weiter zu bringen. Nein, was hier zum Ziel gekommen ist, das ist der Plan Gottes. Und der bestand darin, dass Christus die Schuld der Welt auf seine Kappe nimmt, mit seinem Leben dafür bezahlt und sie so aus der Welt schafft. Ein- für allemal. Und dass er damit den Weg frei macht für die Versöhnung Gottes mit seiner abgefallenen Menschheit. Das ist vollbracht. Dafür brauchen wir keine Opfer mehr zu bringen. Dem können wir nichts hinzufügen. Und das kann uns auch keiner mehr wegnehmen. Wir brauchen es nur zu glauben.

Es ist vollbracht! Ich habe mir lang überlegt, ob ich zu diesem Wort nicht einfach mal eine leere Seite abliefern soll. Denn dem gibt es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Da gibt es nichts zu ergänzen. Das gilt. Und jeder Versuch, es zu erklären, könnte dazu führen, dass man es zerredet. Aber eine leere Seite macht sich auf dem Bildschirm nicht gut.

Es ist vollbracht. Christus hat seinen Auftrag in dieser Welt erfüllt. Gott hat das bestätigt, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. Unser Auftrag ist dagegen noch nicht erfüllt. Wir sollen allen Menschen mitteilen, dass der Mann am Kreuz alles für uns getan hat. Und dass wir deshalb jetzt frei sind zu glauben, zu lieben und zu hoffen.

Thomas Hilsberg, Altenheimpfarrer für den KBZ Konstanz