Andacht Juni 2018

zu Hebräer 13, 2 von

„Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“ (Hebräer 13,2)

Es ist ein schöner Moment, wenn mir eine Einladung ins Haus flattert: zu einem Fest, zu einem gemütlichen Abend, zu einem Ausflug – da gibt mir jemand zu verstehen: wir laden dich ein, unser Gast zu sein, wir freuen uns, mit dir Zeit zu verbringen! Und umgekehrt macht es auch Freude, für andere Gastgeber, Gastgeberin zu sein: etwas zu kochen, liebevoll den Tisch zu decken, passende Musik auszuwählen. Gastfreundschaft ist in vielen Kulturen und Religionen etwas Heiliges, etwas, das mit Gott zu tun hat. Nicht umsonst gehört das Abendmahl zum Zentrum unseres Gottesdienstes. Hier sind wir alle Gäste am Tisch Jesu, verbinden uns dadurch zu einer großen Gemeinschaft.  Von Jesus wird erzählt, dass er mit den unterschiedlichsten Menschen Tischgemeinschaft hatte und dass dadurch bei vielen etwas in Bewegung kam. Seit drei Jahren gibt es im Januar die Singener Vesperkirche. Unsere Lutherkirche verwandelt sich für einige Wochen zum „Gasthaus am Weg“. Hier besteht die Möglichkeit, über die gewohnten Grenzen hinweg andere Menschen kennenzulernen. Wir begrüßen einander gegenseitig als geladene Gäste Gottes und lassen uns stärken für unseren Weg – ganz gleich, ob wir vor oder hinter der Theke stehen, ganz gleich, ob wir von der Straße kommen oder aus gesicherten Verhältnissen, ganz gleich, ob wir eine schwere Last tragen oder mit leichtem Gepäck unterwegs sind!
Manchmal sind Gäste nicht nur für einen Abend da, sondern über längere Zeit. Menschen in Not, Menschen, die vor Krieg und Gewalt fliehen. Gäste zu haben ist nicht immer einfach. Es kann bedeuten, dass wir zusammenrücken müssen. Vielleicht ist es lauter und umtriebiger am Tisch als sonst, man muss sich absprechen und abstimmen, unter Umständen gibt es Missverständnisse, weil wir uns noch nicht so gut kennen. Aber Gäste zu haben, ist eben auch eine große Bereicherung. Erfahrungen werden ausgetauscht, man bekommt Anteil am Leben anderer, der eigene Horizont erweitert sich. Manchmal entstehen Freundschaften, die über lange Zeit hinweg halten und tragfähig sind. Der Monatsspruch aus dem Hebräerbrief hält fest: Durch die Gastfreundschaft haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt! Höher kann man einen Gast fast nicht schätzen, als dass man ihn als Engel, als Boten Gottes betrachtet!

Pfarrerin Andrea Fink, Lutherpfarrei Singen

{jcomments on}