Andacht Juli 2018

zu Hosea 10, 9 von

Säet Gerechtigkeit und erntet nach dem Maße der Liebe! Pflüget ein Neues, solange es Zeit ist, den HERRN zu suchen, bis er kommt und Gerechtigkeit über euch regnen lässt!
Hosea 10, 12

Über uns regnen lässt es, wenn man den Brüdern Grimm glauben will, Frau Holle. Aber die kann nicht nur Niederschläge wie Hagel, Schnee und Regen. Auch über ihre beiden Praktikantinnen ließ Frau Holle es am Ende reichlich regnen: Gold über die hilfsbereite Goldmarie, und Pech über ihre mitleidslose und faule Stiefschwester.

An dieses hübsche Märchen musste ich beim Lesen des Monatsspruches für Juli denken: Einmal wird Gott kommen und es Gerechtigkeit über euch regnen lassen. Gerechtigkeit. Das kann doch nur heißen: Am Ende ernten alle, was sie gesät haben. Ewigen Lohn die Guten und Zorn die Bösen. Dann regnet es Pech und Schwefel. Buchstäblich.

Und da stellt sich natürlich die Frage: Wollen wir wirklich Gerechtigkeit? Wollen wir, dass Gott uns genau das gibt, was wir verdient haben? Um ehrlich zu sein: So eine Empathie und so eine Einsatzbereitschaft, wie ich sie bei der Goldmarie sehe, finde ich in meinem Leben nicht. Zu viele Menschen habe ich enttäuscht, zu viele Versprechen nicht eingehalten, zu viele gute Vorsätze schnell wieder vergessen. Grund genug, schon beim Gedanken, dass Gott es Gerechtigkeit über mich regnen lässt, instinktiv den Kopf einzuziehen.

Als Christen wissen wir: Die Gerechtigkeit Gottes ist schon über Golgatha abgeregnet. Jesus hat das abgekriegt, was wir verdient hätten. Und wenn Gott uns mit Gutem überschüttet, dann ist das Gnade. Natürlich weiß das auch schon der Prophet Hosea. Am Ende sollen wir eben nicht nach dem Maß der Gerechtigkeit ernten, sondern nach dem Maß der Liebe.

Trotzdem ist die Aufforderung, die Gott durch den Propheten ausrichten lässt, bis heute brandaktuell. Die Verkündigung von Hosea und auch sein ganzes Leben – eine unglückliche Liebesgeschichte mit seiner mehr als untreuen Frau – enthält diese Botschaft: Gott liebt sein Volk über alles. Und deshalb leidet er furchtbar unter der Untreue der Menschen. Zu Hoseas Zeiten liefen die Menschen im Nordreich Israel dem Fruchtbarkeitsgott Baal hinterher. Den Gott, der ihre Vorfahren aus Ägypten gerettet und sie selbst reich gesegnet hatte, den hatten sie vergessen. Eine Gefahr, die auch uns im neuen Bund betrifft. Dein Gott ist in Wirklichkeit das, woran du dein Herz hängst, hat Luther im Großen Katechismus festgestellt. Und ist das wirklich in erster Linie Gott, der Vater Jesu Christi?

Glaube ist Beziehung. Auch im Neuen Testament. Verschmähte Liebe tut weh. Darum die Aufforderung, ein Neues zu pflügen. Wir dürfen neu anfangen zu glauben, zu lieben und zu hoffen, Gott sei Dank! Denn Gott hat mit uns noch nicht Schluss gemacht. Darum auch die Erwähnung der Tatsache, dass es noch Zeit ist, den Herrn zu suchen. Jetzt. Denn wenn der Herr erst kommt, dann wird er kommen „zu richten die Lebendigen und die Toten“. Dann regnet es vielleicht nur noch Gerechtigkeit. Lassen wir uns lieber heute auf seine Liebe ein!

Pfarrer Thomas Hilsberg,

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