Andacht August 2018

zu 1. Johannes 4, 16 von

 „Gott ist Liebe – und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.“ 1.Joh 4,16

Auf alles waren wir gefasst als seit 2013 in wachsender Zahl Menschen aus dem Nahen Osten zu uns kamen: Wir haben in unseren Lahrer Gemeinden Sprachkurse organisiert und gegeben, Geld gesammelt, Jobs vermittelt, damit die Familien krankenversichert werden konnten. Denn für die ersten, die als UNHCR-Kontingent-Flüchtlinge kamen, gab es weder Anspruch auf Integrationskurse noch auf Krankenversicherung noch auf sonstige staatliche Unterstützung. Wir versuchten zu helfen, denn: „Gott ist Liebe ...“

Wir waren ganz auf praktisch-pragmatische Unterstützung ausgerichtet, aber doch nicht darauf, nach unserem Glauben gefragt zu werden. Plötzlich aber geschah genau das, zaghaft zuerst, wo Vertrauen wuchs zunehmend direkt und mit großer Aufgeschlossenheit und kritischer Wachheit.

Es gab da diese Schlüsselsätze im Gespräch mit unseren Flüchtlingen, Signalworte der Bibel, die unsere Taufkandidaten mit muslimischem Hintergrnd unglaublich faszinierten. Atmeten sie doch eine Freiheit und eine unbedingte Zuwendung Gottes, die sie nicht kannten. Die fast anstößig nah und geradezu intim schienen. „Gott ist Liebe …?“ Spricht man so von Gott ? Für die evangelisch-arabische Gemeinde Stuttgart und Singen wurde auf diese Weise eine Kalligrafie von Maamun Kamran „God is love“ zu ihrem Logo: „Gott ist Liebe ...“ - Weitere arabische Kalligrafien zu Kernsätzen biblisch-christlicen Glaubens sind übrigens derzeit in der Gandenkirche Allensbach zu sehen, geöffnet ist die Ausstellug mit diesen für uns exotisch anmutenden Bibel-Grafiken von Maamun Kamran (Baghdad) täglich von 18-20.00 Uhr https://www.ekikon.de/1388-arabisch-christliche-kalligrafie-in-allensbach. Wir spüren die Sprengkraft solche Bibel-Sätze oft gar nicht mehr, finden sie allzu vertraut und nahezu banal. Schade eigentlich.

Mit Muslimen die Bibel lesen, das gehörte in den letzten Jahren für mich zu den aufregendsten menschlichen Begegnungen und zu einem auch für mich selbst neuen Zugang zu den altebekannten Texten. Überall entstehen sie zur Zeit: Kleine Communities von Menschen aus dem Iran, aus Syrien und dem Irak, die nach der Bibel fragen, nach Christus, nach der Taufe. Bei nicht wenigen gehen jahrelange Kontakte zu Untergrundskirchen im Iran zB. voraus. Viele von ihnen kennen die Bibel besser als manche unserer Gemeindechristen.

„Gott ist Liebe“. - „Gott ist Ruach-Atem, Geist: Und wo der Geist Gottes ist, da ist Freiheit !“ (2.Kor 3,17). Nicht Unterwerfung, nicht entmündigendes Gehorsam. Nicht „Du bist Staub“, sondern: Gott ist dir Vater, der der liebend entgegenkommt. Der die Liebe ist in deinen Beziehungen, der dir im Mitmenschen – im „Sohn“- begegnet. Und Du ? … königliches Kind.

So sagt dann Paulus: Wir sind nicht mehr „Fremde“, „Geduldete“, nicht „Sklaven“ und nicht „Knechte“. Wir sind Kinder um der Liebe willen, die Gott ist.

Nicht: Ein Gott der mitunter auch mal liebt. Und möglcherweise barmherzig ist. Sondern bedingungslos und umfassend ist Liebe letztlich einzige und tiefste Bestimmung, die dem Wesen Gottes gemäß ist. Hebräisch: Ahawa: Gottes Leidenschaft für das Leben. Leidenschaft für dich. Eine Liebe, die frei gibt und ermutigt. Eine Liebe, die erhöht und würdigt, nicht demütigt. Eine Liebe, die uns zu ihren mündigen Kindern macht. Dass wir in ihrem Sinne den Menschen begegnen. Auch denen, die uns noch fremd sind.

Pfarrer Frank-Uwe Kündiger, Allensbach

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