Andacht September 2018

zu Prediger 3, 11 von

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende. Prediger 3,11

Das Auto ließen wir an einer Parkbucht zurück, weil der Wanderweg durch den Sherwood Forest an dieser Stelle losgehen sollte. Von hier war es nur etwa eine Stunde Fußweg zur Major Oak, einer betagten Eiche, die bereits 1150 Jahre auf dem Buckel hat. Für die Grafschaft Nottinghamshire hat dieser Ort eine besondere Bedeutung, weil die Legende um Robin Hood hier ihren Ausgangspunkt hat. Als ich vor diesem alten, knorrigen Baum stand, ging mir durch den Kopf, was dieser Baum in seiner langen Geschichte so alles erlebt hat.
Der Zeitraum eines Millenniums enthält so viele Ereignisse, dass es unmöglich erscheint, Anfang und Ende zu überblicken. Wie oft hat Gott wohl in dieser Zeitspanne im Leben von Menschen gewirkt, ohne dass diese Momente Eingang in ein Geschichtsbuch gefunden hätten? Es ist wahr, was uns der „Prediger“ zusagt. Wir können Gottes Werk nicht ergründen.
Aber ist das nun die Quintessenz, mit der wir nach der Sommerpause wieder in den Alltag starten? Nein! Denn „Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit“. Das bedeutet, dass er nicht nur in der Vergangenheit gewirkt hat, sondern dass er auch in unserem Leben wirkt und so vieles schön macht.
Als ich vor der alten Eiche stand und versuchte, mir die wesentlichen Ereignisse ihrer Lebenszeit in Erinnerung zu rufen, da fiel mir etwas auf. Ich erinnerte mich vor allem an Krisen und Kriege von denen es in den letzten 1000 Jahren mehr als genug gab.
Mit Blick auf die gegenwärtige politische Lage in unserem Land und unserer Welt scheint es mir unerlässlich: Als Christen müssen wir unsere Stimme erheben und von den Dingen sprechen, die Gott so wundervoll gestaltet hat und wie er in unserer Zeit wirkt. Auch wenn wir vordergründig nur die Krisen sehen, so lassen sich überall Spuren der Hoffnung entdecken. Gottes Liebe kann uns zur Umkehr führen. Und Gott hat diese Hoffnung in unsere Herzen gelegt – wir können und dürfen davon nicht schweigen.
Wenn jemand in 1000 Jahren eine alte Eiche im Kirchenbezirk Konstanz besucht, dann sollten ihm unzählige Geschichten der Hoffnung und des Friedens in den Sinn kommen.     

Markus Weimer, Pfarrer in Böhringen