Andacht Juli

                                                                                           Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.

Jakobus 1.19

Bist du ein guter Zuhörer? Zuhören ist wichtig. Es tut mir gut, wenn andere mir zuhören. Es tut dem Kind gut, wenn einer da ist, der ihm zuhört, wenn es aus der Schule kommt und einiges zu erzählen hat. Es tut meinem Partner gut erzählen zu können, wie es ihm gegangen ist beim wichtigen Gespräch mit dem Chef. Und ein guter Chef hört seinen Mitarbeitern zu, weil sie an der Stelle sind, die die Abläufe oft besser verstehen und Vorschläge machen können, wie es noch besser laufen kann. Hört er nicht mehr, vergibt er eine gute Möglichkeit. Redet er nur noch und die anderen hören zu,  wird es einseitig und er wird bald nicht mehr merken, was im Betrieb vor sich geht.

Bei Talkshows merke ich immer wieder, wie schwer es manchen fällt, zuzuhören. Sie unterbrechen andere, sie reden mitten rein, sie lassen andere nicht ausreden und füllen oft viel Zeit mit eigenen Beiträgen. Besser gefallen mir diejenigen, die sich geschickt mit weiterführenden Beiträgen einschalten und zurückhalten können, obgleich sie bestimmt zu jedem Punkt auch etwas sagen könnten. An ihnen kann man sehen, wie sinnvoll der biblische Ratschlag ist: Sei schnell zum Hören und langsam zum Reden.

Sei schnell im Hören. Eine gute Empfehlung. Ein guter Rat. Gehör finden wünschen wir uns alle. Jeder braucht das Ohr eines anderen. Jeder freut sich, wenn das, was er zu sagen hat, nicht verhallt oder ins Leere läuft.

Und ebenso hilfreich ist es, langsam im Reden zu sein. Manche reden so schnell, dass ich sie gar nicht recht verstehe. Auch könnte der Sprachfluss bei manchen Predigern ruhig langsamer sein, damit man ihnen recht folgen kann. Gewiss, manche haben ein großes Redebedürfnis, vielleicht auch, weil sie ansonsten keinen haben, der ihnen zuhört.

Sei schnell im Hören. Ich verstehe den Hinweis aber nicht nur auf andere Menschen, denen ich zuzuhören versuche. Ich finde, die Frage muss auch lauten:  Höre ich mir selber ausreichend zu? Hörst du auf die Stimme deines Körpers, wenn er ausgepowert ist? Hörst du noch die Stimme deiner Seele, die ihr Bedürfnis anmeldet? Was würdest du sagen, wenn du dich fragen würdest, wie geht es dir, wie geht es dir wirklich? Manche hören anderen gut zu, aber sich selbst nicht mehr, manche reden drüber hinweg, manche gehen drüber hinweg. Manche überhören sich, um noch andere zu hören. Doch das wird nicht recht gelingen.

Wenn du dir nicht ausreichend zuhörst, kommt irgendwann der Big Bang. Wenn du anderen nicht genügend zuhörst, wird du das bald deinem Partner ansehen. Und ihr werdet euch mehr und mehr weniger zu sagen haben.

Darum beachte: Sei schnell zum Hören und langsam zum Reden

 

Pfarrer Roland Klaus