Andacht August

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Mt 10,7

Dies sagt Jesus zu seinen Jüngern angesichts einer großen Menschenmenge um ihn herum, die nach seiner Nähe hungert. So viele Menschen, die noch nicht von der guten Nachricht gehört haben. Jesus vergleicht die Situation mit einer großen Ernte, zu der es zu wenige Arbeiter gibt. Das kann man allein nicht schaffen. Also ruft er zunächst seine 12 Jünger zu sich. Er hat sie mehrere Jahre intensiv geschult. Sie waren ganz nah bei ihm. Schauten zu, hörten zu. Wenn er schlief, schliefen sie. Wenn er aß aßen sie. Es war eine ganz enge Lern- und Lebensgemeinschaft. Diese 12 sollen gehen und Verkündigungsdienst tun: Geht hin und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Vielleicht geht es Ihnen wie mir und Sie sagen: Verkündigung ist doch immer mit einer guten und inhaltsreichen Predigt gleichzusetzen. Oder? Zur Erinnerung –  mindestens vier der ersten Jünger waren einfache Fischer. Die hatten sicher kein abgeschlossenes Theologiestudium in der Tasche, nie einen Kurs in Predigtlehre belegt. Und das war bei den anderen Jüngern nicht anders. Trotzdem: Jesus sendet sie, zu verkündigen. Wie genau das aussah, lesen wir im weiteren Verlauf der Evangelien: Sie tun einfach, was ihnen Gott aufträgt. Die Apostelgeschichte erzählt spannend von dem Dienst, den die ersten Christen taten. In der Kraft Gottes heilten sie, vollbrachten Wunder, und ja, manche predigten auch. Wie sieht es bei uns aus? Ein Erlebnis neulich hat mich diesen Vers noch mal ganz neu bedenken lassen. Kurz vor den Sommerferien machten wir im Kolleg/innenkreis einen Ausflug zum schönen Bodanrück. Nach einer halben Stunde war eine Rast beim Frauenberg eingeplant. Wir betraten das Gebäude und eine freundliche Frau trat zu uns. Sie gehört zu einer Gemeinschaft namens Agnus Dei. Diese macht es sich zur Aufgabe, 24 h am Tag auf dem Frauenberg (und anderen Orten der Welt) zu beten. Für die Welt, für den Ort, für Menschen, die vorbeikommen. Sie erzählt: „Für uns steht das Beten im Mittelpunkt. Dabei kommen die wichtigen Nachrichten von selbst zu uns. Wir nehmen sie in unser Gebet auf. Menschen öffnen sich hier. Sie vertrauen uns Dinge an, für die wir dann beten. Wir nehmen uns die Zeit für das Gebet, denn das ist so wichtig. Viele Menschen können das so nicht. Für die beten wir mit.“ Sie bittet uns, die Stille in der Kapelle zu achten. Nun hatte eine Kollegin aber eine Andacht vorbereitet und fragte: Im evangelischen Kontext ist eine Andacht auch immer mit Wortverkündigung verbunden. Darf ich die dann trotzdem halten? Klar, durfte sie! So kennen wir es: Verkündigung ist die Predigt – viele Worte. Nun, wir gingen in die schöne Kapelle, ließen die reichen Verzierungen und Bilder auf uns wirken. Wir hörten die Andacht der Kollegin. Und nahmen uns Zeit für einen Moment der Stille. Verkündigung durch Worte. Verkündigung durch Betriebsamkeit – sie haben ihren Platz. Auf dem Frauenberg hat das Beten seinen Platz. Ich lernte hier noch mal neu: Beten – das ist auch Verkündigung. Wir treten vor Gott. In den Dialog mit ihm. Bringen unsere Nöte, die unserer Gemeinde, die unserer Freunde und Bekannten, die der Welt, vor ihn. Das Himmelreich durch Beten verkündigen.
Es ist vielschichtig, das Reich Gottes. Und bedeutet auf jeden Fall uneingeschränkte Gemeinschaft mit Gott. Denn er meint es gut mit mir. Erlebe ich diese Gemeinschaft nur im Reden oder Zuhören? Ich finde es tröstlich, Gottes Liebe zu spüren, wenn mir jemand einfach die Hand auf die Schulter legt. Mir eine Aufgabe abnimmt, die mir zu viel wird. Oder eben, wenn ich erfahre, dass jemand für mich betet. Denn der- oder diejenige lebt in einer Nähe zu Gott, aus der auch für mich Gutes erwächst.

Mir fiel auf, dass die Schwester eine innere Ruhe ausstrahlte. Während sie mit uns redete, klingelte das Telefon, unablässig. Sie ließ sich dadurch nicht stören. Jetzt waren wir dran. Sie konnte gelassen sein. Das Himmelreich ist nahe. Übrigens, während diese nette und freundliche Frau mit uns redete, erschien ein Bruder der Gemeinschaft auf der Bildfläche, der leise stöhnend einen Holzrahmen vorbeitrug. Offensichtlich war er am Renovieren. Für ihn war Beten jetzt gerade nicht dran. Schließlich musste ja auch das Haus repariert werden. Ich wünsche mir, ich wünsche Ihnen diese Gelassenheit. Zu erkennen, was gerade dran ist. Diese Gelassenheit kann aus dem Wissen erwachsen, dass das Himmelreich nahe ist. Dies zu verkünden, kann durch viele Mittel und Wege geschehen. Durch Predigen genauso wie durch tätige Mithilfe, durch einen freundlichen und liebevollen Umgang an dem Platz, an dem ich gerade bin. Und: Durch Hände falten und beten! In dieser Zeit, in der viele in die Ferien fahren, da ist auch Ausruhen angesagt. Genießen. Allein oder mit mehreren. Neue Orte entdecken oder altbekannte aufsuchen. Auf „Balkonien“ die Seele baumeln lassen. Vielleicht haben Sie Lust bekommen, den Frauenberg auf dem Bodanrück aufzusuchen! Für mich hat es sich auf jeden Fall gelohnt!

Ihre Pfarrerin Dorothea von Mitzaff, Johannesgemeinde Rielasingen