Andacht Oktober

 

 

 

 

 

 

 

Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend – gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben! Tob 4,8

Liebe Leserinnen und Leser der Andacht!

Wie stehts mit dem Spenden? Hier auf der kirchlichen Homepage kann man das ja direkt ansprechen, ohne dass es diese gewisse Peinlichkeit hat, die Kirche wieder mal um Spenden werben zu sehen.

Aber eigentlich geht es hier im Zusammenhang des Monatsspruches auch nicht um Sammeln in der Kirche, sondern um die Ratschläge eines weisen Vaters an seinem (vermeintlichen) Lebensende an seinen Sohn. Lebensregeln, die zu einem guten und gesegneten Lebenslauf führen. Dazu gehört das Denken an andere Menschen und ganz praktisch das Spenden. Wer viel hat, der soll dem abgeben, der wenig hat. Und wenn er selbst wenig hat, dann soll er sich nicht zu viele Gedanken machen, und trotzdem versuchen etwas abzugeben. Der alte Vater Tobias hielt sich daran und gab den Zehnten. Am Ende wurde es ihm und seinem Sohn zu einem Segen.

Können wir das für heute einfach so übernehmen – immerhin ein Wort aus dem Alten Testament, aus den apokryphen Schriften sogar? Im Hintergrund eine Gesetzesregelung ein Zehntel der Erträge weiterzugeben an die Armen und Gott?

Ich frage zurück: Warum nicht? Deutschland ist eines der reichsten Länder der gesamten Welt. Und ich denke einmal, dass es den meisten von uns so gut geht, dass sie nicht um das täglich Brot und das Dach über dem Kopf sorgen müssen. Seien wir dankbar dafür und geben weiter, damit anderen geholfen werden kann!

Echtes Spenden und Weitergeben macht Spaß – davon bin ich überzeugt. Es ist auch meine Erfahrung: In unserem Familienzentrum werden drei Bäume neu gepflanzt. Schnell gab es Spender dafür. Und die freuen sich über das, was sie gestiftet haben.

Wer aus dem Vollen schöpfen kann, der erlebt diese Freude. Häufig kostet ihn das selbst kaum Einschränkung. Wer nur wenig besitzt, macht sich vielleicht mehr Gedanken. Aber keine Angst, „fürchte dich nicht,“ heißt es hier. „Sorgt nicht,“ wird Jesus dann später einmal sagen, der ja – genauso wie die Jünger und Paulus später auch – beides kannte: Den Überfluss und den Mangel.

Fürchte dich nicht, aus dem Wenigen Almosen zu geben – eine schöne Aufforderung zu einem gesunden, nachhaltigen Lebensstil. Die etwas widerspiegelt von dem großzügigen Gott, der eine Welt mit Fülle und Mangelbereichen geschaffen hat, damit innerlich und äußerlich auch die Hilfe ihren Platz haben muss und eine Gemeinschaft des Gebens und Nehmens wächst.

Und wenn wir jetzt noch dazunehmen, dass man ja nicht nur mit Finanzen aus dem Vollen und Wenigen weitergeben kann, sondern auch Zeit,  Zuwendung, an Interesse, an Gebeten und Liebe, dann wird daraus ein guter Ratschlag… Ich denke, ich muss mich mal mit meinen Söhnen zusammensetzen, auch wenn ich vielleicht noch nicht so bald sterbe…

Dietmar Heydenreich, Diakoniepfarrer in der Südstadtgemeinde Singen