Andacht Dezember 2019

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.   Jes 50,10

 

 

Es ist Freitagabend, ein runder Geburtstag irgendwo auf dem Dorf, mitten in der norddeutschen Prärie. Drinnen im Party-Zelt wummert die Musik von Wolfgang Petry vor sich hin: „Du bist ein Wunder, ein großes Wunder“

Draußen davor halten sich die Männer an ihren Bierflaschen fest, während die Frauen sich angeregt unterhalten.

Mein Blick sucht kreisend das nächste fröhliche Gesicht, bis ich ihn dort sitzen seh - auf den Stufen vor dem Haus nebenan, einen tiefen Zug der Zigarette nehmend, die Augen schon etwas glasig.

„Es macht alles keinen Sinn mehr “, sagt er .Ich kann mich auch genauso gut aufhängen. Den Strick hab ich schon oben liegen.“

Als ich seine Worte höre, schnürt sich mir selbst der Hals zu.

Ich muss schlucken und weiß nicht, wie mir geschieht.  Diesen Abend habe ich mir so nicht ausgesucht, und diese Situation erst recht nicht. Ob er das ernst meint? Voll innerer Verzweiflung  schaue ich ihn an und mit einem Mal sage ich es tatsächlich:

„Und wenn wir den jetzt verbrennen und Gott bitten, dass er Dir diese Gedanken nimmt?“

Im selben Moment stocke ich, weil ich nicht weiß, woher diese Worte gekommen sind. Doch: Zu spät. Soeben hat er sich umgedreht und ist schon auf dem Weg nach oben.

Einige  quälende Augenblicke später steht er wieder glasig grinsend vor mir, um mir zu zeigen, wie oft er das Zuziehen seiner Schlinge schon geübt hat.

…Und ich stehe dort nur und bete leise vor mich hin:

 „Herr, lass jetzt bitte keinen der Partygäste zu uns rüberschaun.

Wenige Augenblicke später treffen wir uns wieder hinter seinem Haus. ER mit einer Flasche Brennspiritus, ich mit seinem Seil in der Hand.

Und mit einem Mal brennt das Seil mit der zugezogenen Schlinge lichterloh -

Wir beide schauen uns an und er beginnt tatsächlich mit seinen eigenen Worten zu beten, weil ihm dieses eine Licht geradeeben aufgegangen ist: Jesus Christus hat die größte Dunkelheit seines bisherigen Lebens besiegt. Das Alte ist zerstört, eine neue - heile und helle Zeit mit ihm hat seoeben begonnen. Genau danach sehnen wir uns jetzt auch im Advent mit einem Satz aus dem Gottesknechtslied im alten Testament, der uns auf die Geburt von Jesus hinweist:

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht (mehr) leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.   Jes 50,10

Was könnte Ihre ganz persönliche Lichterfahrung im Advent sein ?

Pfarrer Karsten Beekmann