Andacht Februar 2020

Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte.

1.Kor 7,23

Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

Martin Luthers bekanntes Wort aus der Freiheit eines Christenmenschen kann uns den Monatsspruch für den Fasten- und Fasnachtsmonat Februar gut erschließen: Frei sind wir, keine Knechte der Menschen, keine Knechte der Verhältnisse. Frei, weil wir nicht mehr uns selbst gehören, sondern dem einen, der uns geschaffen hat und der uns in Jesus Christus erlöst und erkauft hat.

Und wir sind frei dazu, dann mehr zu tun, als was Knechte tun, nämlich in dieser Freiheit liebend zu dienen. So wie es an den Sonntagen bei der Einführung der neuen Kirchenältesten in allen Gemeinden unseres Bezirks zu hören war: „Hört auf die Worte der Heiligen Schrift über den Dienst der Leitung der Gemeinde…“ So wie es auch am 9. Februar in Radolfzell bei dem Segnungsgottesdienst für die neuen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werkes und in Singen bei der Einführung der neuen Religionslehrerinnen verdeutlicht wurde.

Wer Gott gehört, der wird frei von allem falschen Untertanendenken. Wer vor dem Höchsten kniet, der kann vor den Hohen der Welt stehen. Ganz praktisch: Ich habe die alte Form des Gebets im Knien wiederentdeckt und von unseren katholischen und charismatischen Geschwistern abgeschaut. Wenigstens am Anfang und kurz – solange die Kniescheiben und Gelenke es zulassen...

Wer Gott gehört, der wird frei: Am 30. Januar 2020 war der Kinostart des Filmes „Ein verborgenes Leben“ über die wahre Geschichte des österreichischen Bauern Franz Jägerstätter, der den Eid auf Adolf Hitler verweigerte, weil er das mit seinem christlichen Glauben nicht vereinbaren konnte. Er wurde dafür verhaftet, vom Reichskriegsgericht verurteilt und am 9. August 1943 geköpft. Von ihm ist der Ausspruch überliefert: „Besser die Hände gefesselt als der Wille!“ Einer, der es wagte, dem übermächtigen dritten Reich und auch allen (leider) beschwichtigenden Worten der kirchlichen Amtsträger zu widerstehen,

Die Kraft zu solch einem Handeln kommt aus dem Bewusstsein, dass das Leben der Christen nicht mehr ihnen selbst gehört, sondern dass sie erkauft sind durch die Liebe und Hingabe Jesu Christi. Zeit seines Lebens und danach noch mehr lebte er Freiheit. Er ließ sich auch durch Tod und Drohung nicht davon abbringen, das Richtige zu tun. Und Zeit seines Lebens und danach ebenso lebte er dienende liebende Hingabe.

Werdet nicht der Menschen Knechte – redet nicht, was alle reden – macht nicht, was alle für richtig halten. Warum? Weil wir für Gott wertvoll genug waren, dass er selbst zu uns kam und uns erkaufte. In allen Diensten, in denen wir jeweils in Kirche und Welt stehen, wünsche ich ihnen diese Freiheit vom Zwang zu liebendem Dienst!

Dietmar Heydenreich, Diakoniepfarrer in der Südstadtgemeinde Singen