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Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen! Sprüche 31, 8

Erinnern Sie sich noch an Ihre Schulzeit? Zu Beginn eines jeden Unterrichtsjahres kam der Tag, an dem die KlassensprecherInnen gewählt werden mussten. "Mussten" – Ja es war eine Pflicht. Selten stellte sich jemand freiwillig zur Wahl. Jeder wusste: man würde immer zwischen den Fronten stehen. Auf der einen Seite die Schülerfreunde mit ihren teilweise utopischen Forderungen (z.B. vor den Sommerferien keine Arbeiten zu schreiben) – auf der anderen Seite die Fraktion der Lehrer. Wie immer man es drehte und wendete: am Ende war man als Klassensprecher der Looser. In der Oberstufe an meinem altsprachlichen Gymnasium drohte uns Kurssprechern der damalige Direktor mit dem Verlust es Abiturs, wenn wir uns weiter für die (wirklich berechtigten) Anliegen der Schüler einsetzten. Das war nicht im 3. Reich, auch nicht in der DDR, auch nicht in der Nachkriegszeit; das trug sich zu im Jahre 1975. Demokratie in Westdeutschland. Der Direktor hatte seine Methoden von den Diktatoren der Römerzeit übernommen. Damals verstummten wir.

Doch diese Erfahrung ist mir mein Leben lang geblieben. Später gab es immer wieder einmal Vorkommnisse, in denen es galt, sich offen für eine Partei zu bekennen. Z.B als homosexuelle Menschen in der Kirche an den Rand gedrängt worden sind. Oder als es um Fragen der Abrüstung ging und des Friedens auf der Tagesordnung waren. Heute sehe ich viele Menschen unter den globalisierten Bedingungen der spätkapitalistischen Wirtschaftsstrukturen leiden. Nicht nur in der 3. Welt – auch in unserem reichen Land. Geht es gerecht zu, wenn die Gehälter der Manager in den letzten zwanzig Jahren um mehr als das zehnfache gestiegen sind, die Löhne der Erwerbstätigen in diesen Jahren aber gleich geblieben sind oder gar verringert wurden? Es geht mir nicht darum die Neid-Debatte einiger Boulevardblätter aufzugreifen – ich möchte mit dem Spruch der ‚Königin Weisheit‘ viel lieber an die Grundlagen all unseres Lebensrechtes erinnern.

In dem Glauben der Menschen damals galt: was der Mensch sät, wird er eines Tages ernten. Theologisch nennt man das: den Tun-Ergehen-Zusammenhang. Die Sprüche in den Weisheitsbüchern sind Zitate, Gedichte und Liedsammlungen langer Jahrhunderte. Die Erkenntnisse vieler gläubiger Generationen spiegeln sich in ihnen wieder. Früher wurde das Weisheitsbuch dem König Salomo zugedacht; vermutlich war dies eine archetypische Sichtweise: ein gerechter und weiser König sorgte für Ordnung und Recht. In Gottes Auftrag, für Gottes Welt.

Aber warum sollten wir das Engagement für die wehrlosen und ungerecht behandelten Menschen nur Königen und Regierenden überlassen? Ich erinnere noch einmal an die Aufgaben der Klassensprecher in den Schulen, an die wichtigen Aufträge der Betriebs- und Personalräte in den Firmen. Und ist nicht jede von uns gefordert, in unangenehmen und peinlichen Situationen "seinen Mund aufzutun" für die Verängstigten? Wir brauchen eine neue offene und ehrliche Diskussion in unserem Land über soziale Gerechtigkeit – Hartz IV mag eine erste finanzielle Option sein, ein stabiles gesellschaftliches Fundament ist es nicht! Soziale Gerechtigkeit sieht anders aus.

Bevor wir den Monatsspruch noch einmal Wort für Wort lesen, werfen wir noch einen Blick auf den Anfang des Weisheitsbuches. Dort steht als Motto für jedes folgende Zitat geschrieben: "Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Erkenntnis. Die Toren verachten Weisheit und Zucht"  Spr 1,7

Wäre es nicht schön, wenn man sich diesen Spruch über die Tür schreiben würde bevor man des Morgens sein Haus verläßt? Dann bestünde die Chance, dass die geistige Einfalt in der Gesellschaft langsam abnehmen würde. Es würden neue Zeiten anbrechen. Genau diese wünschte sich auch schon die Königin "Weisheit" – und Gott seit es uns Menschen gibt!

Ich wünsche Ihnen einen sonnigen und herrlichen Blütenmonat Mai!

Ihr Matthias Stahlmann, Gemeindepfarrer in Hilzingen und Tengen.

Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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Wochenandachten

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Andacht April 2020

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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