Andacht August 2013

zu Psalm 30, 12 von

Du hast meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet. Psalm 30,12

„Genug gejammert!“ oder „Ich will nicht jammern!“ und dann: der plötzliche Umschwung im Gespräch. Es geht ganz anderes weiter.

Ich schaue etwas irritiert. Ich habe das „Jammern“ gar nicht so wahrgenommen. Ich habe gehört, was mein Gegenüber mir erzählt hat. Ja, ich habe auch gehört, daß es ihr nicht gut geht, Krankheit, Schmerzen, Probleme, Fragen.... Für meine Ohren hat sie einfach erzählt, wie es ihr geht und wie es in ihr aussieht.

Mir scheint, bei uns gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: „Klagen oder Jammern verboten!“ Dieses ungeschriebene Gesetz wird von vielen befolgt. Und was ist die Konsequenz daraus? Es gibt Momente, da ist das Fass dermaßen voll, dass es einfach überläuft. Es kommt zur Klage – das ist ja auch sehr gesund. Aber wir klagen uns nicht leer. Nur das, was jetzt echt zu viel ist, wird benannt. Wenn das Fass am Überlaufen ist, läuft es über, aber es läuft nicht leer, es bleibt voll. Und das ist das Problem – so mein Eindruck. Wir klagen uns nicht leer. Wir vergeben uns damit diese wunderbare Erfahrung, von welcher der Psalmbeter spricht.

Ich denke an kleine Kinder, die einen Schmerz haben. Etwas ist kaputt gegangen. Sie haben ein Leid erfahren. Sie sitzen auf dem Schoß der Mutter oder auf dem Schoß des Vaters und weinen sich aus. Alles muß raus: der Schmerz, die Trauer, die Wut und der Zorn. Die Mutter oder der Vater tröstet, streicht dem Kind über den Rücken, schaukelt es. Und dann?

Irgendwann hat sich das Kind leer geklagt. Letzte Seufzer oder Schluchzer, noch ein bißchen Ruhe auf dem Schoß. Das Kind rutscht runter und läuft weg, geht spielen.

Ich darf mich vor Gott leer klagen, so richtig leer – nicht nur, was zu viel ist, soll raus, nein wirklich alles. Und dann... dann kann etwas Neues beginnen.

Der Psalmbeter spricht von einem Reigen – Tanz ist möglich!

Ich will nicht mehr in Sack und Asche gehen. Neue Farben bekommen Raum. Ich will sie nutzen – den Gürtel der Freude. Ich muss an einen Regenbogen denken, seine prächtige Farben. Wenn wir alle Farben mischen gibt es braun. Wir können die Farben nicht mehr „entmischen“. Ich stelle mir vor, wie ich meine braune Farbmischung Gott anvertraue. Er kann die Farben wieder trennen. Er kann einen Regenbogen daraus entstehen lassen. Doch dafür muß ich ganz abgeben. Ich darf nichts zurückhalten oder festhalten.

Dieses Gebot/Verbot/ungeschriebenes Gesetz „Du darfst nicht jammern oder klagen“ verhindert, dass wir abgeben, dass wir loslassen. Es bleibt immer etwas zurück. Altes abgestandenes Wasser bleibt in unserem Fass und verdirbt, was nachgefüllt wird.

Wagen wir den Schritt und klagen uns ganz leer, schaffen wir so Raum für neue Erfahrungen – für Erfahrungen, so wie sie der Psalmbeter gemacht hat:

„Du hast mir meine Klage verwandelt in einen Reigen, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit Freude gegürtet.“

Brigitte Haug, Pfarrerin in Aach-Volkertshausen (ab September in Radolfzell)

Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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