Andacht Juli 2013

zu Apostelgesch. 18,9-10 von

Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir. Apostelgesch. 18,9-10

Hoffentlich komme ich nie in so eine Situation! Dass ich mich fürchten muss, zu reden! Dass ich so richtig Angst haben muss, weil ich denke: „Wenn ich jetzt den Mund aufmache, dann geht es mir an den Kragen.“ Ich meine nicht, dass mich vielleicht alle komisch anstarren, die Stirn runzeln, den Kopf schütteln oder sogar verächtlich grinsen. Das wäre mir zwar unangenehm, ich würde anfangen zu schwitzen, zu stottern, wüsste nicht mehr weiter im Text. Aber ich würde es überleben. Nein, ich meine so richtig Lebensangst. So, dass ich denke: Wenn du jetzt den Mund aufmachst, dann holen sie dich und deine Familie gleich mit.

Ich denke an Luther und Bonhoeffer, an die Pfarrerinnen in Tschechien, Polen oder der DDR zur Zeit des kalten Krieges, Christen in Afghanistan, Iran, Irak, China heute. Mir fallen aber auch die Mitarbeitenden in den NGO´s in Russland und Ägypten ein. Vor einigen Wochen wurde die Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Petersburg von der Polizei durchsucht und Mitarbeiter derselben in Ägypten zu Gefängnisstrafen verurteilt. Das passiert in Diktaturen, wenn Frauen und Männer für Freiheit und Demokratie eintreten.

Ich merke wieder einmal bei diesen Gedanken: Ich habe viel Grund zum Danken. Denn ich darf den Mund aufmachen. Jeden Sonntag, in der Schule, in der Öffentlichkeit darf ich von Jesus Christus erzählen, darf meine politische Meinung äußern und schreiben. Ich muss nicht damit rechnen, dass ich wegen antiislamischer Hetze eingesperrt werde, oder wegen staatsfeindlicher Tendenzen einfach erschossen werde. Nur weil ich eine andere Meinung habe.

Und trotzdem machen viel zu wenige den Mund auf, mache ich zu wenig den Mund auf. Rede zu wenig über unseren christlichen Glauben und die Hoffnung, zu der wir berufen sind, gegen Ausbeutung von Leiharbeitern, Vergiftung von Grundwasser durch Fracking, wie es die Regierung zulassen möchte, gegen dumme Vorschriften, die Verwaltungen erlassen, weil sie zu träge sind, sich gegen Borniertheit, Dummheit und Egoismus zu wehren. Eigentlich gibt es ja keinen Grund. Denn wir leben in Freiheit, es geht uns gut. Also: „Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir.“

Christian Link, Pfarrer in Radolfzell

 

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