Andacht November 2013

zu Lukas 17, 21 von

Siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Lukas 17, 21

Unterricht in der ersten Klasse. Ich kenn die Kinder noch gar nicht. Während sie vespern, lese ich ihnen die Geschichte von der Brotvermehrung vor. Fünf Brote und zwei Fische – und eine unüberschaubare Menschenmenge wird davon satt. Gebannt hören sie zu. Wie ist das möglich? „Weil Jesus von Gott kommt.“ „Weil er zaubern kann.“ „Weil bei ihm Menschen gar keinen Hunger mehr haben.“ „Weil es bei ihm allen gut geht.“ Die Kinder wissen es, und mit ihnen spüre ich es: Das Reich Gottes ist mitten unter uns.

Im Gemeindehaus nehmen wir eine Roma-Familie aus dem Kosovo auf. Ein Ehepaar und ihre drei kleinen Kinder sollen nach Ungarn abgeschoben werden. Bange Fragen im Kirchengemeinderat: „Macht dieses Kirchenasyl Sinn? Besteht eine realistische Chance, dass die Abschiebung aufgehoben wird? Wie reagiert die Gemeinde, wenn nicht mehr alle Räumlichkeiten zur Verfügung stehen und Absprachen getroffen werden müssen?“ Und dann viele Rückmeldungen: „Toll, dass ihr das macht.“ Spannende Begegnungen mit der Roma-Familie und ihren Unterstützern. Beeindruckendes Engagement der Initiativgruppe. Hilfsangebote durch Konfis und ihre Eltern. Unterstützung durch die Kirchenleitung. Und schließlich die Nachricht: Die Abschiebung wird aufgehoben. Die Angst ist vorbei. Die Familie darf hier leben. - Gelebte Nächstenliebe, Barmherzigkeit. Mit anderen spüre ich es: Das Reich Gottes ist mitten unter uns.

Zwei unerwartete Erfahrungen, darum umso beglückender. Daneben stehen viele andere Erfahrungen, die ich mache, die viele machen, immer wieder. Dass Menschen nicht aufeinander zugehen, nicht teilen wollen oder können, lieblos, rücksichtlos, gedankenlos miteinander umgehen. Dass Menschen keine Hilfe erfahren, die so sehr darauf angewiesen sind.

In unserer Welt ist Gottes Reich nur gelegentlich zu spüren, bruchstückhaft, zeichenhaft. Auf Gottes vollkommene Welt warten und hoffen wir immer noch. Aber manchmal bricht sie in unser Leben ein, berührt uns, macht uns Mut, Urteile und Vorurteile hinter uns zu lassen, uns anderen zuzuwenden und uns einzusetzen für Gottes Reich – mitten unter uns.

Pfarrerin Sigrid Süss-Egervari, Wallhausen

 

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Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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Andacht April 2020

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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