Andacht April 2014

zu Joh 16, 20 von

Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Joh 16, 20

Ganz zusammenkrümmt sitzt sie vor mir. Im Besucherzimmer einer Aufnahmestation des Zentrums für Psychiatrie. Sie weint und die Quelle ihrer Tränen scheint nicht versiegen zu wollen. Abgrundtiefe Verzweiflung. Zum wiederholten Mal ist sie von der Schweiz nach Deutschland zurückgeschickt worden, nachdem sie dort als „politisch Verfolgte Asyl beantragt habe“. Warum sie hier als Deutsche politisch verfolgt sein will, erschließt sich mir auch nach mehreren Gesprächen nicht. Aber die Verzweiflung und die Traurigkeit sind echt. Keine Familie, keine Freunde, die sie stützen. Die große anonyme Stadt im Norden, in der sie seit vielen Jahren lebt, bietet ihr keine Heimat. Dagegen erscheint die überschaubare Schweiz wie das Paradies. Aber regelmäßig setzt man sie vor die Tore des Paradieses, ins ZfP Reichenau.

Seit mehreren Minuten schaue ich auf die zusammengeklappte Gestalt und frage mich, wie ich das aushalten soll? Und dann frage ich mich: Wer soll es sonst aushalten, wenn nicht ich? Diese Traurigkeit, dieses Verlassenheitsgefühl, diese Einsamkeit der unansehnlichen Frau, die mir ihr Vertrauen schenkt.

Im Lied von Peter Strauch heißt es über die Christen:

In die Nacht der Welt
hast du uns gestellt,
deine Freude auszubreiten.
In der Traurigkeit,
mitten in dem Leid,
lass uns deine Boten sein (BEL 610,1)

Ein paar Stunden später treffe ich sie wieder. Sie kommt mir im Gelände entgegen, hat inzwischen offenbar Ausgang, strahlt über das ganze Gesicht. „Jetzt schaut die Welt offenbar schon wieder anders aus“ begrüße ich sie. Und sie nickt.

So schnell kann sich Traurigkeit in Freude verwandeln. „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden“ sagt Jesus zu seinen Freunden. Er spricht von der Zeit der Traurigkeit ohne ihn – nach seinem bitteren Tod. Und von der Zeit der Freude mit ihm. Die später kommt. In seinem Reich, im „Paradies“. Wenn wir mit ihm zusammen sind.

Die Freude der Patientin hat nicht lange gehalten. Das Cafe war bereits zu. Es lief wieder nicht nach Plan.

Die Freude, die Jesus verspricht, soll ewig bleiben. „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden“. Aus diesem Paradies kann uns niemand mehr vertreiben.

Sabine Wendlandt, Pfarrerin am Zentrum für Psychiatrie Reichenau

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Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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Andacht April 2020

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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