Andacht Oktober 2014

zu Jesus Sirach 35, 10 von

Ehre Gott mit deinen Opfern gern und reichlich, und gib deine Erstlingsgaben, ohne zu geizen. Jesus Sirach 35, 10

Oktober also, der Monat, den wir uns golden wünschen. Fallende Nüsse, neuer Wein, kühlere Nächte und buntes Laub. Möglichst von milder Herbstsonne bestrahlt. Der Monat, über dessen Abendstimmung Mattias Claudius so trefflich dichtete: „Der Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar.“ Kann man schon beobachten, den steigenden Nebel. Und in der Kirche? Steht das Erntedankfest an. Sie wissen schon, das Fest, bei dem die Altäre geschmückt sind mit Weintrauben, Äpfeln und Brot, und unten steht der Leiterwagen mit Stroh, von Kürbissen umgeben. Singende Kinder am Altar, und der Pfarrer spricht vom Danken. Ein schönes Fest, ein bisschen rustikal vielleicht, doch was sollen wir heute damit anfangen – in einer Zeit, in der noch ca. 3% aller Berufe agrarisch geprägt sind? Wenn überhaupt. Hat das noch etwas mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun, so ein Erntedankfest, wo wir doch fast alle tagein tagaus unsere Zeit in Büros zubringen, vor dem PC hocken und Maillisten abarbeiten? Ist das nicht eher ein altbackenes Fest, das die Kirche da feiert, ein Zeichen dafür, dass sie wieder mal dem Zeitgeschehen hinterhinkt?

Nun, kann man so sehen. Doch was ist denn so los im „Zeitgeschehen“? Großer Russland-Konflikt in der Ukraine, Krieg des Terror-IS im Irak und in Syrien, überquellende Flüchtlingslager in Deutschland. Apropos Flüchtlinge: Heute die Meldung im Radio, dass seit Beginn diesen Jahres schon mehr als 3000 Flüchtlinge im Mittelmeer umgekommen sind. Skandalöse Zustände, und meistens schlechte Nachrichten. Und da redet die Kirche von Erntedank? Ja, von Erntedank. Denn dabei geht´s nicht nur um die Ernte, sondern am meisten um den Dank. Und ein bisschen Dankbarkeit würde uns Deutschen schon gut anstehen. Was kann ich, was kannst Du dafür, dass du im wohlhabenden, satten Deutschland geboren wurdest, und nicht als syrischer Oppositioneller, irakischer Jeside, oder afrikanisches Ebola-Opfer? Nichts, rein gar nichts. Aber wir Deutschen nörgeln gern, meist auf hohem Niveau, und merken nicht einmal, wie lächerlich das im Rest der Welt wirkt. Es geht uns gut, mehrheitlich gesehen. Es geht uns phantastisch gut, im Weltmaßstab betrachtet. Doch wir nörgeln lieber über Windkrafträder und sorgen uns um den richtigen Dirndl-Dresscode für das Oktoberfest. Wir haben das Danken komplett verlernt!

„Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn zu danken“, sagt der 92. Psalm. Danken soll köstlich sein? Ja, Danken ist köstlich, denn es rückt meine Maßstäbe zurecht. Es lehrt mich, was wirklich wichtig ist, und was nur oberflächlich wichtig ist. Es erinnert mich daran, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, wenn der Tisch immer voll ist. Es zeigt mir, dass ich nicht alles mir selbst und meinem Können verdanke, sondern entweder dem Schicksal, oder, christlich betrachtet, natürlich Gott. Der Spender des Lebens hat es gut mit mir gemeint, und dafür kann ich auch mal dankbar sein. Wenn ich selbst dankbar bin, oder werde, dann sehe ich eher das halbvolle Glas als das halbleere. Das wird meinem Leben guttun. Und vielleicht auch einem andern – denn eine dankbare Haltung schärft den Blick für diejenigen, die es nicht so gut haben. Dank öffnet mein Herz, und meinen Geldbeutel. Nicht der Nörgler verändert die Welt, sondern der Dankbare.

Pfarrer Michael Wurster, Engen

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Tageslosung zum 04.04.2020

Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.
Psalm 115,2.3

Gottes unsichtbares Wesen - das ist seine ewige Kraft und Gottheit - wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken.
Römer 1,20

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Wochenandachten

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Andacht April 2020

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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