Andacht Juni 2015

zu 1. Mose 32, 27 von

Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du segnest mich. 1. Mose 32, 27

Ich mag gerne Animationsfilme, in denen Märchen frech und flott verfilmt werden. Und zum Spruch des Monats Juni passt gut die „unverfrorene“ Geschichte der Eiskönigin. Erinnern Sie sich? Die Eiskönigin: Alles, was sie berührt, wird zu Eis. Eine mächtige Gabe, die zugleich aber auch Angst macht. „Du musst das kontrollieren“, sagen die Eltern. „Keiner darf es merken“. Und dann wird aus einer Gabe eine Bedrohung. Die Angst wächst, überwuchert das Leben. Sie schließt sich ab von allen anderen Menschen. Aber ich kann mein Leben nicht einsperren. Es kommt, wie es kommen muss: Die Kontrolle entgleitet, das ganze Land versinkt unter ewigem Eis. Erst die Liebe ihrer Schwester nimmt ihr die Angst. Die Liebe hilft der Eiskönigin, ihre Gabe einzusetzen, dazu zu stehen. Und dann wird etwas Wunderbares daraus.

Ich kenne das Gefühl gut, Angst zu haben. Dass Dinge misslingen, manchmal immer wieder, dass alles, was ich berühre, gleichsam zu Eis wird. In einem thematischen Elternabend im Kindergarten hatten wir einmal das Thema: „Hilfe, mein Kind wird wie ich.“ Und es war so spannend. Denn was ich an mir schätze, das kann ich gerne bei den Kindern sehen, mit Stolz. Aber meine Schattenseiten? Ich bin oft ungeduldig und jähzornig. Wenn ich das an meinen Kindern sehe, schäme ich mich und versuche, es besser zu machen. Aber es gibt auch die Sternstunde zu sagen: “Ja, da war ich ungerecht und schlecht gelaunt, es tut mir Leid.“ Und dann erlebe ich, wie andere das verstehen und annehmen, weil es ihnen oft ähnlich geht. Das Dunkle annehmen nimmt ihm die Macht.

Ganz anders als die Eiskönigin ist Jakob aus der Bibel einer, dem scheinbar alles gelingt. Was er berührt, blüht auf. Das macht ihn aber nicht zu einem guten Menschen. Auch er hat seine dunklen Seiten. Er gewinnt den Segen des Vaters, aber indem er ihn unverfroren betrügt und sich als sein älterer Bruder verkleidet. Er gewinnt Reichtümer, als er die Herden seines Onkels hütet, indem er die Prinzipien der Vererbung geschickt für sich nutzt. Er bekommt eine große Familie, Reichtümer, Ansehen, er hat das Versprechen Gottes, immer bei ihm zu sein. Er hat im Traum der Himmelsleiter den Himmel offen gesehen. Aber im Inneren trägt er einen „dunklen Bruder“ mit sich herum, seine Angst, aus der heraus er seinen Bruder betrogen hat. Nun ist er auf dem Heimweg, lagert am Grenzfluss und erfährt, dass sein Bruder ihm mit vierhundert bewaffneten Reitern entgegenkommt! Und wieder packt ihn die Angst und die Schuld flüstert ihm ins Ohr: Das hast du verdient.

Er schickt seine Herden vor. „All das soll Dir gehören, Bruder!“ Er schickt seine Knechte und Mägde vor, seine Kinder, seine Frauen. Am Ende ist nur noch er selbst übrig. Er ringt mit sich, mit seiner Angst, mit seiner Schuld. Sie droht ihn zu übermannen wie ein wilder Mann, der am Flussufer über ihn herfällt. Er kämpft um sein Leben. Am Ende ringt er sich durch. Der dunkle Bruder will fliehen. Und Jakob lässt das Dunkle aber nicht einfach gehen: „Ich lasse dich nicht los, es sei denn, du segnest mich.“ Mit diesen Worten nimmt er das Dunkle an. Und wird gleichzeitig dadurch heil. „Und es ging ihm die Sonne auf“, heißt es im Vers 32. Dieser Kampf bleibt nicht ohne Spuren. Der Schlag auf die Hüfte wird ihn für den Rest seines Lebens hinken lassen. Aber in seinem Inneren hat er Frieden gefunden. Er ist ganz und heil geworden.

Hier sehe ich große Erfahrung wiedergespiegelt. Denn viele Menschen ringen mit Lasten, mit Schuld, mit körperlichen Einschränkungen oder dem Abschied von lieben Menschen. Manches davon kann man nicht heilen oder loswerden. Manches wird nicht einfach wieder gut. Aber wem es gelingt, es anzunehmen und sich damit auszusöhnen, dem kann die Sonne aufgehen.

Pfarrer Matthias Hasenbrink, Gottmadingen

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Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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