Andacht Juli 2015

zu Matthäus 5, 37 von

Morgens halbzehn in Deutschland. Religionsunterricht in der Grundschule. Ich stehe vor einer lebendigen Schulklasse, die mich mit großen Augen anschaut. Gerade haben wir ein neues Lied mit dem Titel „Umgekehrt“ kennengelernt. Der Text hat sie verwirrt. Irgendwie wurde gerade nämlich alles auf den Kopf gestellt.

Ja, bei diesem Jesus ist alles umgekehrt. Besonders schön lässt sich das in der Bergpredigt erkennen. Was Jesus hier im Stil eines bevollmächtigten Rabbi formuliert, führt die damaligen Zuhörer in einen inneren Konflikt. „Ihr habt gehört was den Alten gesagt wurde...Ich aber sage euch...“ Jesus redet Klartext. Und er provoziert damit alle, die es irgendwie ernst meinen mit ihrem Glauben.

Jesus bezieht sich hier auf unheilvolle Alltagspraktiken. Wie hartherzig waren doch damals die frommen Zuhörer geworden. Äußerlich hielt man sich an das Gebot „Du sollst nicht töten“ - mit den Worten wurde aber so manches Gegenüber mehrfach zerlegt. Äußerlich schien man in der Ehe treu zu sein – innerlich aber schielte man vielen Frauen hinterher.

In Israel hatte sich damals ein besonderer Brauch entwickelt. Man unterstrich den Wahrheitsgehalt einer Aussage durch imposante Schwurformeln. Man schwor beim Himmel, bei der Erde oder beim Tempel. Seltsam war nur, dass die Schriftgelehrten diese Schwurformeln nicht als bindend betrachteten – zumindest solange der Name Gottes nicht explizit vorkam. So entstand eine überschwängliche Beteuerungs-Ideologie.

Jesus spürte, dass eine Nachschulung nötig war: Nicht der Schwall der Worte, nicht die übermäßigen Beteuerungen, nicht die imposanten Formeln haben Gewicht. Es geht um eine schlichte und glaubwürdige Redeweise. Jedes „Ja“ und jedes „Nein“ soll eine verlässliche Aussage werden.

Wie oft erleben wir im Alltag ausschweifende Beteuerungen? Die Werbung lebt davon! Aber auch im Alltag (und zuweilen sogar im Gottesdienst) tendieren wir zu unheilvollen Worthülsen, um andere zu überzeugen. Jesus überzeugt mich hier mit eine authentischen Schlichtheit. Ich will meine Worte daraufhin gerne überprüfen. Und ich befürchte – da muss sich manches umkehren.

Markus Weimer, Pfarrer in Böhringen

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Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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