Andacht September 2015

zu Mt. 18, 3 von

 

 „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ Mt. 18, 3

„Wenn ihr nicht umkehrt…“ – das erinnert mich als erstes an mein Navi. „Wenn möglich, bitte wenden!“ Wie oft habe ich diesen Spruch der sanften Automatenstimme gehört. Manchmal bin ich ihr gefolgt, unwillig, zähneknirschend. Manchmal habe ich entschieden, dass ich es besser weiß. Interessant, welches emotionale Verhältnis man im Lauf der Zeit zu der kleinen Box mit der unbestechlichen Stimme entwickelt. Man freut sich richtig, wenn man es tatsächlich mal besser gewusst hat! Wobei das natürlich nicht immer der Fall war – seien wir ehrlich.

Wenn Jesus uns zur Umkehr auffordert, geht es um mehr als den richtigen Weg. Doch im Grunde ist der Sachverhalt ähnlich: Es geht darum, den besten Weg zu einem bestimmten Ziel zu finden. Das Ziel, das Jesus im Kopf hat, ist nicht mehr und nicht weniger als das „Himmelreich“. Ein Ort, den wir nicht genau kennen; ein Ort, von dem wir eigentlich nur eins genau wissen: Da wohnt Gott. Da wohnt Gott, aber ob wir da auch mal wohnen, das ist die Frage. Ein Ziel zu suchen – dafür gibt es nur zwei Gründe: Entweder Notwendigkeit oder Sehnsucht. Solange wir hier auf der Erde sind, kann uns das Navi den Weg zu beidem weisen: Zu Zielen der Notwendigkeit, oder zu Zielen der Sehnsucht (wie jetzt in der Ferienzeit). Aber den Weg zum Himmelreich findet das Navi nicht. Diesen Weg findet nur ein ganz bestimmter Kompass:  Die Sehnsucht unseres Herzens.

Und Jesus ist nun dabei, diesen Kompass zu eichen. Denn die Jünger haben sich auf den Holzweg begeben. Sie streiten darum, wer der Größte ist im Himmelreich. Welch eine Verblendung. Als ob es in der Anwesenheit Gottes noch um menschliche Größe gehen könnte. Aber wir kennen das ja auch, dieses „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht“-Denken. Wir vergleichen uns permanent, jeden Tag, auch wenn es jetzt im Urlaub nur darum geht, wer brauner geworden ist oder die bessere Strandfigur hat. Oder wer das bessere Hotel erwischt hat und die coolsten Parties feiert. Es geht eigentlich immer nur darum, wer der Größte ist. Wir sind keinen Deut besser als die Jünger.

Aber so findet ihr den Weg nicht, sagt uns Jesus. Jedenfalls nicht den Weg zum Himmelreich, dafür möglicherweise den zum größten Ego-Trip oder zur finalen Einsamkeit. Wenn ihr aber den Weg zum Himmelreich finden wollt, dann müsst ihr so werden wie dieses Kind. Sagt Jesus und stellt eins in die Mitte. Was meint er damit? Sind denn Kinder die besseren Menschen? Wenn man wie ich auch Lehrer an einer Grundschule ist, dann weiß man, dass Kinder nicht die besseren Menschen sind. Sie können fast alles, was auch Erwachsene können, auch andere Kinder ärgern und sich selbst herausstellen. Was aber meint dann Jesus? Worin kann ein Kind als Vorbild dienen? Der einzige Unterschied, der zwischen Erwachsenem und Kind besteht, ist der: Ein Kind weiß um seine Abhängigkeit. Es sagt Mama oder Papa, wenn es einen Wunsch hat, wenn es ein Problem sieht, und weiß: Mir wird geholfen. Da ist jemand für mich da, immer und jederzeit.

Und darin dient uns das Kind als Vorbild. Es weiß, was Vertrauen ist. Es kann unbegrenzt und hemmungslos vertrauen. Das können die meisten Erwachsenen nicht mehr. Oft, weil das Leben Wunden geschlagen hat. Aber, sagt Jesus, Gott könnt ihr vertrauen. Er ist euer Vater. Er weiß um eure Wünsche, er weiß um eure Sorgen, er kümmert sich. Nicht so, dass ihr es immer spürt. Aber er kümmert sich. Er ist auch immer ansprechbar, jederzeit. Wie ein Vater ist er für euch da. Und er ist glücklich, wenn ihr ihm vertraut. Wenn dieses Vertrauen aber erstmal entstanden ist, dann entwickelt sich Sehnsucht. Sehnsucht aber führt in die Heimat.

Michael Wurster, Pfarrer in Engen

 

Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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