Andacht Oktober 2015

zu Hiob 2, 10 von

„Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ Hiob 2, 10

Annehmen, was kommt. Das ist eine tägliche Aufgabe. Ich übe mich darin.
Ich begrüße einen Tag und lade ihn zu mir ein so, wie ich einem Gast die Tür öffne.
Manchmal haben 24 Stunden viel dabei. Wie reich kann der Bote Tag sein?
Und ich staune, was mir der Bote Gottes bringt.
Der Tisch meines täglichen Lebens füllt sich. Gutes empfange ich.
Ich darf nehmen und mich bedienen. Wie gut!
Wie gut tut die Sonne, die ins morgendliche Zimmer scheint.
Wie gut, dass ich meine Glieder bewegen und aufstehen kann.
Wie gut, das Duschwasser auf der trockenen Haut zu spüren. Und es ist warm!
Wie verlockend das schmackhafte Brot auf dem Teller,
dazu allerlei Garnierung und der Duft des gluckernden Kaffees.
Ich empfange mit offenen Händen den Kuss meiner Frau und den Gruß der Kinder
und des Hundes, der mit dem Schwanz wedelt. Guten Morgen!
Ich setze mich ins Auto, und es springt an, trägt mich zur Arbeit.
Und manchmal tue ich sie richtig gern und erfolgreich.
Ich komm‘ müde wieder heim und meine nur: Das war ein guter Tag.
Solche Tage gibt es nicht wenige.  Ich empfange Gutes.

Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?

Mancher Tag  setzt mir zu. Er kommt ganz anders daher.
Manches kann ich nicht gleich annehmen, wie es kommt.
Es erscheint  wie ein ungebetener Gast. Er klingelt, und ich möchte nicht öffnen.
Aber was soll ich tun, wenn es Sturm läutet?
Ich ahne, dass es nichts Gutes ist, was da vor der Tür steht.
Meine Glieder schmerzen, Misserfolg macht meinem Kind zu schaffen.
Mein Freund steckt in einer Krise. Ein Problem drängt sich an das Seelenkostüm.
Pläne muss ich begraben. Und mein Auto zeigt einen größeren Schaden an.
Und da gibst noch größeren Schaden zu verkraften als der meines Autos.

Ich bin ehrlich: Ich bin kein gleichmütiger Mensch.
Ich möchte manches nicht, ich rede es mir auch nicht schön.
Und ich sage mir auch nicht gleich: Es wird schon zu was gut sein. Mach das Beste draus.

Ich lasse zunächst meine normale Emotion zu. Und die ist : Anders wäre besser!
Und doch bleibt mir nur,  es auch Stück um Stück an mich ran zu lassen.
Es wie Material zu sehen, mit dem ich arbeiten muss und kann.
Wie ein Steinmetz komme ich mir vor, der harten Stein zu bearbeiten hat.
Das ist eine schwitzige Aufgabe und Herausforderung.
Ich weiß noch nicht genau, was es in mir herausfordert, heraufbefördert.
Ich glaube aber, dass mir die Aufgabe von Gott gestellt wird.
Er weiß, was er mir zumutet. Er kennt mich. Manches Böse lässt er zu.
Ich bete zu ihm, dass ich mich  zu stellen vermag.
Ich rufe ihn an, dass ich das vermeintlich Böse akzeptieren kann.
Das Schwere, das nicht zu ändern ist, nehme ich langsam in meine Hand.
Und ich halte zugleich  meinen Glauben fest, dass er es dennoch gut mit mir meint.

Denn haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen?


Pfarrer Roland Klaus, Gaienhofen

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