Andacht November 2015

zu Judas 1, 22 von

Erbarmt euch derer, die zweifeln.“ Judas 1, 22

‚Im Zweifel für den Angeklagten!‘ Diesen Rechtsgrundsatz gibt es sehr lange, wurde schon im alten Rom angewendet und fand Eingang in die deutsche Rechtsgeschichte seit dem 17. Jahrhundert. Vor Gericht und im alltäglichen Zusammenleben lassen wir (manchmal gerne zähneknirschend) gelten, was in Zweifelsfällen zum Besseren gereicht. Nur in religiösen Fragen stellen wir uns oft sehr rigoros. Jeder, der einen anderen Glauben oder eine andere Glaubensweise hat, wird selten toleriert, man diffamiert und verfolgt. Und was den EWIGEN angeht, ist von Nachsicht kaum etwas zu merken. GOTT ist an allem Schuld, was auf der Welt geschieht. Wie doof sich die Menschen auch verhalten… GOTT hat es verbockt. Er hätte ja eingreifen können. Und weil er das so selten macht (wie wir meist vermuten, muss aber nicht stimmen), werden die Zweifel groß, ob es IHN überhaupt gibt. ‚In dubio pro reo‘ ? Nein, diese Toleranz gilt nicht für den SCHÖPFER der Welt.

Der Kollege Judas hat dieser Intoleranz einen Riegel vorgeschoben: „Erbarmt euch derer, die zweifeln!“ (Judas 1,22) heißt es in seinem Brief, der uns als Monatsspruch für die grauen Tage des November zugedacht wurde. Wer aber war dieser Judas? Nein, auf keinen Fall dieser Schurke, der Jesus ans Messer geliefert hat (obwohl - wenn der Satz oben Gültigkeit haben soll, dann revidiere ich schnell die Bezeichnung Schurke; dieser Judas hatte ja auch nur Zweifel, ob diese Sache mit Jesus so richtig läuft). Also, wer schreibt dann? In den schlauen Büchern und in Wikipedia findet man den Hinweis: ‚Der Verfasser nennt sich Judas, ein Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus. Der Name kann sich auf Jakobus den Gerechten beziehen, den (ältesten) Bruder oder Vetter Jesu und späterer Leiter der Jerusalemer Urgemeinde. Denn einer der Brüder Jesu hieß Judas (Mk 6,3). Dass sich der Verfasser nicht direkt als Bruder Jesu bezeichnet, wäre dann ein Ausdruck besonderer Ehrfurcht. Der Name Judas war damals häufig, und manchmal wurde auch der Apostel Thomas als Judas Thomas bezeichnet.‘ (wikipedia)

Dieser Judas war ein eifernder Christ, der auf die Gemeinde und seinen Herrn nichts kommen ließ. Und weil es in seiner Zeit wohl viel Unglauben (was immer das heißen mag) gegeben hat, stärkte er die kleine christliche Gemeinde, die mit dem Überleben kämpfte. Er erinnerte an Jesus, an den starken Glauben, er verdammte die Irrlehrer (wer immer sie gewesen sind). Er war dabei gar nicht zimperlich. Das macht mich auf Parallelen in der Gegenwart aufmerksam: Je weniger ich über Fremde und über Fremdes weiß, umso eher stehe ich in Gefahr, intolerant zu werden, zu verfluchen, mich abzugrenzen. Selbstverständlich ist es wichtig, das Eigene nicht aufzugeben oder zu verleugnen. Aber aufgepasst! Schnell schießt man über das Ziel hinaus und trifft Unschuldige („Kollateralschäden“ auf Neudeutsch).

Ich glaube, Judas hat beim Verfassen seines Briefes gemerkt, daß er in letzter Sekunde noch die Kurve bekommen musste. Vielleicht hat er vom Heiligen Geist einen auf den Deckel bekommen (bildlich gesprochen). GOTT liebt nämlich auch die Menschen, die Zweifel haben. An sich selbst. An den Menschen. An der Welt. An dem Glauben. Ja, auch an GOTT selbst. Auch diese Menschen gehören zu seiner Schöpfung. Uns ist es aufgegeben, Judas Erkenntnis nachzubuchstabieren und zu leben.

‚Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft bewahre eure Herzen und Sinne - in Christus Jesus!‘ So beenden wir im Gottesdienst das Vaterunser. Dieser Segensspruch möge Sie im November begleiten!

Herzlichst
Ihr Pfarrer Matthias Stahlmann, Hilzingen und Tengen

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