Andacht März 2016

zu Joh 15, 9 von

Jesus Christus spricht: Wie mich der Vater liebt, so liebe ich euch auch. Bleibt in meiner Liebe. Joh. 15, 9

Liebe – das große Wort. Aber doch so schwer, darüber zu reden, obwohl – oder weil – sie der Lieblingsstoff ist für die Poeten, Literaten und Filmemacher dieser Welt ist. Deshalb schwer, weil es ja nicht so einfach ist, über Gefühle zu sprechen. Und das gilt nicht nur für Männer, die Mühe haben, die berühmten drei Worte einmal auszusprechen. Sondern es gilt für alle, wenn es um das Reden über die ganz großen Dinge und die wichtigsten Werte geht: Es droht die Kitschfalle, es droht, pathetisch zu werden. Und das mögen wir ja nicht in diesem Land. Ich versuche es trotzdem.

Und als wäre das nicht schon schwer genug, handelt der Monatsspruch auch noch von der Liebe Gottes zu uns. Jesus hält seine Abschiedsrede an die Jünger, und dabei spricht er auch von Liebe. „Wie mich der Vater liebt, liebe ich euch.“ Er gibt also weiter, was er selbst empfangen hat. Die Liebe zwischen Gott, dem Vater, und seinem Sohn Jesus: Jetzt geht es auch noch um das innere Verhältnis der Dreifaltigkeit. Was sollen wir damit anfangen? Richtig, schön, Gott liebt seinen Sohn, und der liebt uns. Aber welche Relevanz hat das für unseren Alltag?

Gottes Liebe zu uns ist das eigentliche Thema der Passionszeit, die wir gerade begehen. Das Leid, das Jesus auf sich nimmt, soll uns Gottes Liebe zeigen: Sie scheut nicht vor den letzten Konsequenzen zurück. Gott will demonstrieren: Ich nehme dich Menschen an in all den Facetten deines Menschseins, in deiner Körperlichkeit wie deiner geistigen Stärke, deiner Vernunft wie deiner Emotionalität. Ich nehme dich an mit deinen großen Schwächen und deinen großen Stärken, deiner Gewaltanfälligkeit wie deiner sozialen Begabung, deiner Einsamkeit wie deiner Individualität, deinem Zerstörungs- und deinem Gestaltungspotential. Und weil ich, Gott, dich so annehme, wie du bist, darum habe ich dir meinen Sohn geschickt, der alles ist, was ich habe. Jesus hat deine Gestalt angenommen, er war wie du, um dir zu zeigen: Ich liebe dich, den Menschen, mein Geschöpf. Aber darum, aus Liebe, habe ich dir auch gezeigt, wo du auf dem Holzweg bist und es besser machen könntest. Ich habe dir durch meinen Sohn aufgedeckt, womit du dich und deine Gattung gefährdest in deinem Menschsein. Und ich habe dir Wege gewiesen aus den Sackgassen, in die du immer rennst, ich habe dir meinen Weg gezeigt. Mein Weg besteht aus Gewaltlosigkeit und Gerechtigkeitshunger, Gemeinschaftssinn und Selbsteinklang, Tatkraft und Stille, Ohnmacht und Hingabe. Dieser Weg führte mich schließlich ans Kreuz. Doch da habe ich nicht nur meine Liebe bewiesen, da ich habe auch deine Vergänglichkeit überwunden.

Wer das begriffen hat, der hat auch begriffen, was Liebe ist. Und ja, das hat schon Relevanz für den Alltag. „Bleibt in meiner Liebe.“ Wenn ich Gottes Liebe spüre, muss ich nicht immer dem Mainstream folgen. Kann Standpunkte vertreten. Aufstehen gegen die Hassredner und Blender unserer Zeit. Und mir die Auszeiten gönnen, die meine Seele braucht. Gemeinschaft suchen, Gemeinschaft gestalten, durch die Gemeinschaft auftanken. Dann kann ich Liebe weitergeben. Nicht nur meinem Partner und meinen Freunden, sondern auch den Fremden, wie es in der Bibel heißt. Sich für Flüchtlinge einsetzen, auch wenn es nicht en vogue ist. An diejenigen denken, deren Lebenschancen viel schlechter sind als meine. Sich um die Schöpfung kümmern. Gott suchen, und sich von ihm finden lassen, immer wieder. Vergeben und vergeben lassen. Das meint Jesus, wenn er sagt: „Bleibt in meiner Liebe.“

Pfarrer Michael Wurster, Engen

Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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Wochenandachten

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Andacht April 2020

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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