Andacht April 2016

zu 1. Petrus 2, 9 von

„Ihr aber seid das ausgewählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht.“ 1. Petrus 2,9

Ich bin gern Mitglied der Kirche. Mir gefällt ihr Programm: Sie ist sozial-diakonisch tätig, engagiert sich tatkräftig etwa in der Flüchtlingsarbeit und Beratung in schwierigen Lebenslagen. Sie feiert fröhliche Gottesdienste. Sie spricht den Menschen etwas zu, was  die hungrige Seele braucht und was sie sonst entbehren müsste.

Ja, ich mag meine Kirche. Natürlich nehme ich auch wahr, dass es da schwierige Tendenzen gibt. Die Kirchenmitgliedszahlen werden  zurückgehen . Und damit auch die Steuermittel.  Es ist oft ein  kleines Völkchen, dass sich  sonntäglich trifft.  Und in der öffentlichen Wahrnehmung mag die Kirche zunehmend in den Hintergrund geraten. Darüber bin ich nicht erfreut. Aber ich finde, man sollte nicht im Bedauern der Zustände hängen bleiben. Da klingt so an: Wer sind wir denn noch? Was werden wir in 20 Jahren sein? Wir standen mal besser da! Solche Töne irritieren mich.

Ganz anders kommt der Schreiber des Petrusbriefes daher. Es ist eine wahre Charmeoffensive, wie er von Kirche und der Christenheit spricht, die an vielen Orten zusammenfindet. Er überschlägt sich fast mit besonderen Kennzeichnungen. "Ihr seid", so beginnt, seine würdenreiche Beschreibung. Ja, wer sind wir denn? Was ist unser Selbstverständnis, unsere Identität? Das muss zu allererst geklärt werden. Nur wer weiß, wer er ist, wird wissen, was er kann, will und soll. Also fragen wir: Wer sind wir als Kirche und als kleine Gemeinde vor Ort?

Ihr seid das ausgewählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, so fährt der Schreiber fort. Klingt auf den ersten Blick ein bisschen überheblich, eingebildet, oder? Dabei ist schlicht gemeint: Ihr seid ausgeguckt für eine ganz besondere Aufgabe. Und die wird doppelt beschrieben: eine königlich-priesterliche Aufgabe habt ihr. Könige hatten damals eine besondere Aufgabe. Sie wurden Könige, nicht, damit sie sich besser stellen als andere, sondern damit sie ein besseres Leben für andere möglich machen. Sie sorgten sich um Frieden und Gerechtigkeit im Land. Hierbei mitzuwirken ist auch Aufgabe der Kirche. Denn nirgends leidet das Wohl der Menschen stärker als im Unfrieden und an den Folgen von Ungerechtigkeit. 
Zugleich gehört es zur Kirche, das Heil der Menschen im Blick zu haben. Das ist die priesterliche Aufgabe. Denn der Mensch trocknet seelisch leicht aus. Er lebt nicht nur vom vollen Kühlschrank und seinem Erfolg. Er braucht ein Wort, das auch im Scheitern trägt und hält. Er braucht mehr als er gerade in sich findet. Darum reden und bezeugen Christen die Wohltaten Gottes. Gott tut uns wohl. Gott tut mir gut. Davon redet zu den jungen Menschen, die sich manchmal nicht wohl fühlen in ihrer Haut. Das lasst Menschen spüren, die hier her kommen aus Not und Verzweiflung. Sie brauchen Wohltaten! Es braucht Taten, die das Wohl aller im Blick haben. Redet davon, dass Gott nicht aufgehört hat, täglich Wohltaten an uns zu tun. Gott muss es gut mit uns meinen. Das haben wir gerade an den großen Feiertagen gefeiert. Sagt das weiter. Lebt es. Und verliert es als Kirche und kleine Gemeinde selbst nicht aus dem Blick!

Roland Klaus, Pfarrer auf der Höri

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Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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