Andacht April 2020

„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

 

Es ist eine Familienlegende, immer wieder gerne erzählt: Mein Bruder, damals wohl ungefähr 7 Jahre alt, hatte der Mutter im Garten geholfen, die frisch verzogenen Erdbeerpflanzen zu düngen. Dabei muss sie ihm wohl erklärt haben, woraus das (nicht chemische) Düngemittel bestand   - jedenfalls saß er am Abend am Tisch, schaute versonnen sein Brot auf dem Teller an und sagte dann: „Liebes Brot, freust du dich, dass du Erdbeeren wirst?“

Wer wie ich aus der Landwirtschaft kommt, wundert sich erst einmal. Gefühlt passt  das Thema „Säen“ und die Verweslichkeit wenig zusammen. Im Gegenteil: Saat  wird assoziiert mit Hoffnung und Aufbruch, mit jungem Grün, kraftvollem Wachstum und der Vorfreude auf reiche Ernte: „Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt...“

Die Stimmung, in der ich das Frühbeet vorbereite und Samen in die Erde lege, ist das eine. Der biologische Prozess, in dem sich Wachstum, Fruchtbildung und Reifung vollziehen, ein anderes: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es viel Frucht!“ (Joh. 12,24)

Da haben wir ‘s. Der Zusammenhang zwischen Werden und Vergehen ist gesetzt; grundlegendes, unausweichliches Merkmal des Lebens.

An dieser Stelle meldet sich im inneren Ohr ein „basta!“. Nicht zu rütteln ist daran, alles neue Leben entsteht aus dem Tod, so funktioniert es eben. Meine Mutter war sich immer völlig sicher, dass sie nach ihrem Tod nicht verbrannt werden will. „Mein Körper soll Futter für die Würmer sein – so entsteht fruchtbare Erde, so ernährt er meine Nachkommen, so wird er wieder Teil des Lebenskreislaufs.“ Es wird gesät verweslich PUNKT

Dann aber kommt einer, der den Punkt wegnimmt hinter dieser schlichten und selbstverständlichen Aussage: „und wird auferstehen unverweslich!“ Das sprengt die Biologie. Eine ganz andere Dimension von Leben kommt da ins Spiel und naturwissenschaftlich ist das Humbug.

 

Jesu Metapher vom Weizenkorn versucht, die Brücke zu schlagen, Paulus dagegen betont das Unbegreifliche, das überwältigend Neue und ganz Andere dessen, was er „Auferstehung“ nennt: (Verse 36-38: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Was du nun säst, ist ja nicht der Leib, sondern ein bloßes Korn… Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will...“) Schließlich zieht er den Schluss: „Wir werden alle verwandelt werden!“ (Vers 51).

„Anziehen“ muss die Sterblichkeit Unsterblichkeit - wie ein Taufkleid! So gekleidet kannst du tanzen auf dem Vulkan deiner Vergänglichkeit und dem Tod ein Spottlied singen: „Tod, wo ist dein Stachel, dein Sieg?“ (Vers 55)

 

Paulus wäre nicht Meister darin, dem Unaussprechlichen Worte zu verleihen, würde er sich begnügen mit diesem Bild tranceartiger Verklärung: mit einem einzigen, abschließenden Satz holt er den endzeitlichen Triumph zurück in den nüchternen Alltag: „Darum, Geschwister, seid fest, unerschütterlich und nehmt zu im Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn.“ (Vers 58). Sprach‘s und macht sich in Kapitel 16 ans Sammeln von Gaben zur Unterstützung der Not leidenden Jerusalemer Urgemeinde.

 

Diese Haltung wäre zu gewinnen, wieder und wieder an Ostern und alle (Sonn)tage: dass wir dieses irdische, leibliche Leben ganz nüchtern im Wissen um seine Vergänglichkeit leben – und doch zugleich im Horizont des uns schon jetzt und hier geschenkten Sieges. Und darum konsequent dem Gevatter, in welcher Gestalt er sich auch aufspielen mag, in unserer Welt keine Handbreit mehr Spielraum zugestehen als ihm biologisch zusteht.

Denn wir werden alle verwandelt werden in Christus - Ja, lieber Bruder, ich bin sicher: das Brot freut sich, dass es Erdbeeren wird!       

Barbara Kündiger

Gedanken zur Tageslosung vom 06.06.2020

Wie groß sind Gottes Zeichen und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währet für und für.Daniel 3,33

Weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen. Hebräer 12,28

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