Andacht Mai 2020

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!  Die Bibel  1. Petrusbrief 4,10

 In diesen Zeiten ist jedermann aufgefordert, die eigenen Gedanken zu sortieren. Bisher konnte man sich in sicherer Alltagsroutine die Meldungen aus der Zeitung am Morgen, die Fernsehnachrichten am Abend und die Internetmeldungen tagsüber anschauen. Je länger der Ausnahmezustand anhält umso mehr Fragen kommen auf. Die Informationen und Schlagzeilen sausen sekundenschnell um den Erdball, wer nicht mitmacht bei dieser Jagd nach neuen Berichten hat die Aufmerksamkeit des Publikums schnell verloren. Auf der Klaviatur des Horrorpianos spielen viele ihre eigenen Kompositionen. Darunter sind Narzissten vor den Handykameras, selbsternannte Gurus aller Couleur, karrieregeile Politiker und Wissenschaftler, irre Staatspräsidenten. Wie kann man empfehlen, Desinfektionsmittel als Schutz zu spritzen? Aber in einer Atmosphäre der Angst glauben viele Menschen alles. Aus Angst beginnen Menschen andere Menschen anzuzeigen. Sie merken nicht, dass sie damit in eine Fahrwasser kommen wie unsere Großeltern zu Zeiten der Blockwarte und der Stasi. Wie soll die Gesellschaft zu Vertrauen zurückfinden, wenn man den Nachbarn, den Freund an den Pranger gestellt hat? Manche der Bemerkungen in den sozialen Medien gehen dahin, kritische Geister aus dem Land auszuweisen? Werden bald die ersten KZ gefordert werden? Merkt man denn nicht wohin eine solche Angstwelle unsere Gesellschaft treibt? Die Sorge um die Gesundheit ist verständlich. Aber muss man deshalb die Basis aller Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe aufgeben? Worauf ist wirklich Verlass wenn nicht im Vertrauen auf den anderen, in unserem Land und weltweit?

Sehen wir in den Heiligen Schriften nach ob wir dort eine hilfreiche Antwort für den Umgang mit dieser Situation finden. In allen heiligen Büchern der Glaubensgemeinschaften findet man gute Hinweise für ein Gott- und menschengefälliges Leben. Der Losungsspruch für den Monat Mai aus einem der Briefe des Apostel Petrus ermutigt zu einem ethisch verantworteten Denken und Handeln. Er rät den Menschen wahrzunehmen, dass sie von dem Ewigen sehr viel Gnade, unermesslich viel Wohlwollen geschenkt bekommen haben. So viel, dass es Herz und Sinne ausfüllt. Wenn man sich dieses Geschenk bewusst wird, dann erlebt man sich mit einer himmlischen Kraft betraut. Man kann sich frei und unbeschwert der Welt und den anliegenden Aufgaben zuwenden. Angst ist ein schlechter Ratgeber, sie blockiert die Bahnen der Vernunft. Wer Gottes Lächeln spürt, öffnet die Türen und geht hinaus in die Weite. Jeder hat besondere Gaben, die sie/er jetzt einbringen kann. Die Menschen brauchen Hilfe, Unterstützung und gute Worte zum Neuanfang. Petrus ergänzt seine Ermutigung um ein weiteres Wort: ‚Wenn jemand redet, rede er's als Gottes Wort; wenn jemand dient, tue er's aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde.‘ Jeder kann die Kraft spüren, die in Gottes Zuwendung liegt. Wir geben sie weiter und können andere Menschen damit glücklich machen. Es ist ein Zeichen von Verantwortung, wenn wir erst nachdenken bevor wir jede Nachricht ungefiltert weiterverbreiten. Davor hat schon Sokrates gewarnt. Nur Botschaften, Handlungen und Zuwendungen, die aus der Güte des Herzens kommen stärken uns und den Mitmenschen. Sie können Sekundenglück hervorbringen und einen traurigen Tag retten.

Es gibt so viele Personen die in Politik, Gesundheit, Wirtschaft, Kultur, Glaubensgemeinschaften, Vereinen und Institutionen sehr viel Verantwortung tragen. Man muss schnell entscheiden, welcher Hebel in welche Richtung umgelegt werden muss. Eindeutige Antworten ergeben sich vermutlich nur, wenn man alles hinterfragt und alle vorhandenen Erkenntnisse in die Entscheidungen einbezieht. Und vor allem, in dem man sich weder von Angst verrückt und von den Sensationsmedien vor sich hertreiben lässt. Beschlüsse und Verordnungen sollten ein gewisses Maß an Logik und intellektueller Nachvollziehbarkeit haben. Es wäre schön, wenn wir respektvoll mit Gedanken und Vorschlägen anderer umgingen. Paulus hat einmal geschrieben: ‚Prüfet alles und behaltet das Gute!‘  Die Bibel  1. Thessalonicher 5,21   Dieser Satz ergänzt m.E. das Wort des Petrus auf eine hilfreiche Weise. Wenn wir uns darüber hinaus noch an eine Erkenntnis von dem französischen Philosophen der Aufklärung Rene Descartes erinnern lassen: ‚Cogito ergo sum – Ich denke also bin ich‘, dann sind wir vermutlich gut vorbereitet auf die kommenden Tage und Wochen.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen wunderschönen Maianfang! Gott behütet Ihr Leben!

Ihr Pfarrer

Matthias Stahlmann, Büsingen

Gedanken zur Tageslosung vom 06.06.2020

Wie groß sind Gottes Zeichen und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währet für und für.Daniel 3,33

Weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen. Hebräer 12,28

Weiterlesen...