Gedanken zur Tageslosung vom 24.05.2020

Denn bei dir ist die Vergebung, dass dich fürchte. Ps 130 Vers 4

Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Kolosser Kapitel 3, Vers 13

„Ich brauche einen Rat“, schreibt eine Mutter: „Mein fünfjähriger Sohn, nennen wir ihn jetzt Peter, hat gerade seinen kleinen Bruder so getreten, dass er vom Klettergerüst gefallen ist. Es ist nichts Schlimmes passiert, er hat sich selbst erschrocken... Aber der Kleine ist runtergefallen. Ich habe Peter sofort reingeschickt und Hausarrest für den restlichen Tag verhängt, schreibt sie. – Es ist jetzt kurz nach 13 h und ehrlich gesagt habe ich keinen Plan was ich hier drin mit ihm machen soll. Ob das einem 5-jährigen überhaupt etwas bringt. Soll er allein im Zimmer bleiben? Soll er alleine spielen, den ganzen Tag? Was kann ich tun?“

Solche oder andere vertrauensvolle Anfragen häufen sich bei mir in der Heilpädagogischen Praxis in den letzten Wochen. Die Nerven liegen blank, die Ratlosigkeit nimmt zu. Was mache ich richtig, was falsch? Wie handeln, wenn ich mit mir selbst nach Wochen der Belastungen aus Homeoffice, Homeschooling und Isolation nicht mehr klarkomme. Werde ich schuldig? Wie kann ich wieder zu mir, zu einer guten Beziehung zu meinem Kind und zu meinem Partner finden? Diese Mutter gibt sich in ihren Zweifeln schon selbst die Antwort. Sie weiß, irgendwie kann der Hausarrest für den kleinen Peter nicht der Ausweg sein, aber die Hilflosigkeit ist da!

Der 130 Psalm spricht von solchen Erfahrungen:

1Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme! 2Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens! 3Wenn du, HERR, Sünden anrechnen willst – Herr, wer wird bestehen?

4Denn bei Dir ist die Vergebung, dass man dich fürchte

Welche Sehnsucht, welches Verlangen und Hoffen klingt in diesen Worten.

Der Mensch ist von Fehlern, Verkehrtheit und Falschheit, was eigentlich Sünde meint, geprägt. Das zeigt sich in unserem alltäglichen Hoffen: Die Krise zeigt uns einmal mehr, wir haben die Dinge nicht in den Händen. Wir hoffen und handeln nicht wie wir sollten und es eigentlich wollen. Wir sind verletzlich. Auch im Miteinander zeigt sich gerade jetzt, wie neben Solidarität und Zusammenhalt, der Hass, die Angst und der Widerstand den Alltag prägen. Wie können wir gelassen sein, und nicht verkehrt und verdreht aufeinander reagieren. Würde Gott die Verkehrtheit anrechnen, würde keiner bestehen.

Die heutige Losung zeigt uns eine neue Möglichkeit: „Denn bei dir ist die Vergebung, / dass man dich fürchte.“ Gott will nicht, dass die Menschen zugrunde gehen. Er ist ein Gott, der das Leben will; er will die Menschen – trotz all ihrer Verkehrtheit – nicht in der Tiefe zurücklassen. Es geht hier nicht um die ängstliche Furcht vor Gott. „ .. dass man dich fürchte“, meint nichts anderes als alles von Gott zu erwarten. Mit Gott zu rechnen in diesen Schwierigkeiten. In der Hoffnungslosigkeit, Not und Verzweiflung, in der Tiefe.

Die Zweifel der Mutter, in der Situation mit ihrem Peter zu hart gewesen zu sein, sind nichts gegen die Liebe Gottes. Ich vergleiche diese Liebe gerne mit dem Navi im Auto. Das funktioniert so selbstlos und ohne Reue. Wenn ich den Empfehlungen des Navis nicht gefolgt bin und einen anderen Weg eingeschlagen habe, dann schlägt es nicht Alarm oder schimpft mit mir. Nein, das Navi berechnet die Route einfach neu, einfach so. Damit ich gut ankomme! Ohne Vorwurf. Es gibt mir einen neuen Weg und eine zweite, dritte oder unendlich viele neue Chancen. So wie Gott! Denn bei ihm ist die Vergebung und wir dürfen mit seiner Barmherzigkeit rechnen.

Der Lehrtext zur Tageslosung zeigt uns wie wir aus Gottes Beispiel den Alltag miteinander meistern. Da heißt es im Brief an die Kolosser Kapitel 3, Vers 13:  Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

Übrigens hat sich die Mutter ein Herz gefasst und mit Peter geredet: Er war sich seines Fehltrittes bewusst und zusammen konnten sie einen guten Tag miteinander verbringen! Wie schön!

Ich wünsche auch Ihnen einen gesegneten Tag! Seien Sie begleitet von dem Gott, der Sie immer wieder neu auf den Weg bringt, ohne die Fehler anzurechnen, bedingungslos. Weil: Bei Ihm ist die Vergebung, damit wir mit Ihm rechnen!

Amen

Prädikantin Annette Boenke von der Bonhoeffergemeinde in Singen

Gedanken zur Tageslosung vom 06.06.2020

Wie groß sind Gottes Zeichen und wie mächtig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich, und seine Herrschaft währet für und für.Daniel 3,33

Weil wir ein Reich empfangen, das nicht erschüttert wird, lasst uns dankbar sein und so Gott dienen. Hebräer 12,28

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Andacht Juni 2020

Du allein kennst das Herz der Menschenkinder! 1.Kön 8, 39

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