Vesperkirche in Singen?

Immer mehr Kirchen im Bundesgebiet öffnen einmal jährlich einige Wochen im Winter ihre sakralen Räume für die sogenannten Vesperkirchen. Das bedeutet: 2-4 Wochen lang ist die Kirche täglich in der Mittagszeit geöffnet. Alle Bevölkerungsgruppen sind eingeladen, hier eine warme Mahlzeit einzunehmen und einander zu begegnen. Sie werden an festlich gedeckten Tischen empfangen und von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bedient. Die Kirche wird für diese Zeit umgeräumt, einige Bänke herausgenommen, es werden Tische und Stühle aufgestellt. Zu einem bestimmten Zeitpunkt gibt es täglich einen kleinen geistlichen Impuls.

In Singen ist nun innerhalb der ACK und im Gespräch mit  der Tafel die Idee entstanden, eine Vesperkirche zu organisieren. Als Innenstadtkirche kommt dafür  die Lutherkirche Frage. Die Überlegungen sind noch im Anfangsstadium, die Begeisterung für die Initiative hat schon einige Menschen angesteckt.  Pfarrerin Andrea Fink antwortet im Gespräch mit Minne Bley auf einige Fragen die Vesperkirche betreffend.

Wie ist die Idee für eine Vesperkirche in Singen entstanden? Was gab den Ausschlag?
In Singen leben viele Menschen, die von Armut betroffen sind: Kinder, Familien und Alleinstehende, auch viele alte Menschen. Gleichzeitig gibt es auf vielen Ebenen die Bereitschaft zu sozialem Engagement.  Auch wir als Kirche sind an diesem Punkt gefordert. Denn die konkrete gelebte Nächstenliebe ist ja ein zentraler Auftrag Jesu! Ich denke dabei unter anderem an den bekannten Vers aus dem Matthäusevangelium: „Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder und Schwestern, das habt ihr mir getan!“ (Matthäus 25, 40). Die Vesperkirche könnte ein Ort der Begegnung aller Bevölkerungsgruppen werden. Hier, so die Idee, treffen sich Menschen mit „dünnem“ und mit „weniger dünnem“ Geldbeutel, Einsame und Menschen mit großem Freundeskreis, Familien und Alleinstehende, Menschen aller Konfessionen, ebenso Menschen, die mit Kirche sonst keine Berührungspunkte haben. Solch ein Ort der Begegnung wäre für unsere Stadt eine große Chance. Auf diese Weise könnten neue Verbindungen geschaffen werden, man würde sich in den jeweiligen Lebenssituationen mehr wahrnehmen. Wir würden die Vesperkirche ökumenisch verantworten, die ACK in enger Kooperation mit der Singener Tafel, mit Diakonie, Caritas und anderen Partnern, so könnten auch aus dieser Zusammenarbeit fruchtbare Impulse entstehen.

Was motiviert Dich persönlich, Deine Kräfte für die Entstehung einer Vesperkirche einzusetzen?
In der Vesperkirche wird zeichenhaft und exemplarisch gelebt, was uns die frohe Botschaft des Evangeliums immer wieder verheißt: Im Reich Gottes gibt es kein oben und unten, alle sitzen gemeinsam an einem Tisch, jeder hat seine Würde, jeder ist willkommen. Die Vesperkirche bietet die Chance, Lebensgeschichten zu hören, Hoffnungen, Sorgen Nöte miteinander zu teilen. Es geht nicht nur darum, eine warme Mahlzeit zu bekommen, sondern auch darum, Gemeinschaft zu erfahren, ein offenes Ohr zu finden. Gemeinschaft statt Alleinsein, Geborgenheit statt sozialer Kälte, Gespräch statt Verstummen – dafür steht die Vesperkirche!
Ich persönlich war schon einige Male in der Schwenninger Vesperkirche zu Gast und jedes Mal sehr berührt von den Begegnungen und Erlebnissen dort.  Der Kirchenraum, die festlich gedeckten Tische, die freundlichen ehrenamtlichen Helfer – all das erzeugt eine ganz besondere Atmosphäre. Außerdem finde ich es immer eine sehr kostbare Erfahrung, wenn Menschen aus verschiedenen Institutionen und gesellschaftlichen Gruppen etwas miteinander tun, sich für ein gemeinsames Projekt engagieren. Verschiedene Fähigkeiten und Perspektiven ergänzen und beflügeln sich gegenseitig.
Und nicht zuletzt: Die Bibel ermutigt uns immer wieder, aufzubrechen, Neuland unter die Füße zu nehmen, zu schauen, wie  das Evangelium in einer Situation konkret umgesetzt werden kann. In unserer Gesellschaft wird die Schere zwischen Arm und Reich immer größer, arm sein bedeutet auch oft ausgegrenzt sein, von daher finde ich es wichtig, Räume für Begegnungen zu öffnen.

Die Tafel in Singen wird täglich von ca. 50 Personen besucht – Bedarf ist also da. Bietet die Vesperkirche Anknüpfungspunkte für „sozial Abgerutschte“, Hilfsangebote zu finden Oder ist das ein zu hohes Ziel?
Auf jeden Fall können Hilfesuchende an weitere Beratungs- und Unterstützungsangebote vermittelt werden. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass  zu bestimmten Zeiten MitarbeiterInnen der Diakonie oder der Caritas auch vor Ort sind. Ich denke, so etwas wird dann auch Stück für Stück wachsen.

Wie wurde die Vorstellung der Idee in der Gemeindeversammlung von den Gemeindegliedern aufgenommen?
In der Gemeindeversammlung gab es sehr unterschiedliche Reaktionen. Wir wollten das Projekt zunächst einmal vorstellen und bekannt machen. Auch Herr Wagenblast und Herr Engelhardt von der Tafel waren da und machten auf anschauliche Weise deutlich, worum es in der Vesperkirche geht, wie sie auch hier in Singen umgesetzt werden könnte. Von Seiten der Gemeinde gab es sowohl positive Rückmeldungen als auch Bedenken, was die Nutzung unserer Kirche angeht. Die Diskussion war stellenweise sehr emotional und heftig. Letztlich geht es ja auch darum, wie wir unser Kirche-Sein verstehen! Wozu sind wir da als Kirche? Was wollen wir? Was sind unsere Anliegen, was ist unser Auftrag?! Und es gab natürlich auch ganz konkrete Anfragen, z.B.: Schadet es unserer frisch renovierten Orgel, wenn 2 oder 3 Wochen hintereinander die Kirche täglich einige Stunden beheizt wird? Wohin kommen die Kirchenbänke während dieser Zeit? Die Entscheidung muss dann letztendlich der Ältestenkreis treffen.

Zur Realisierung eines solchen Vorhabens braucht man alle verfügbaren Kräfte. Wie ist die Zusammenarbeit in Singen mit Behörden, Gemeinden, Sozialen Institutionen etc.? Wie ist die Stimmung? Ziehen da alle an einem Strang oder bist Du auch auf Ablehnung gestoßen?
Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen und Partnern funktioniert in Singen hervorragend. Bei allen Partnern, mit denen ich bisher darüber gesprochen habe, wird die Idee sehr positiv aufgenommen, es wird Unterstützung und Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert.

Herzlichen Dank für das Gespräch - und viel Glück bei allen weiteren Schritten!

Gedanken zur Tageslosung vom 09.04.2020

Lasst uns gehen, den Herrn anzuflehen und zu suchen den Herrn Zebaoth; wir wollen mit euch gehen. Sacharja 8,21

Als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Markus 14,26

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„Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich.“ 1 Korinther Kap. 15 Vers 42

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