Ermutigung durch Margot Käßmann als Auftakt des Bodenseekirchentages

Über einen gelungenen Start dürfen sich die Organisatoren des Bodenseekirchentags freuen. Vor rund 500 Zuhörern hielt die Reformationsbotschafterin Dr. Margot Käßmann im Konstanzer Konzil einen Vortrag mit dem Titel „2017 – Was gibt es da zu feiern?“. Nach den Grußworten der Vertreter aus Kirche und Politik, die angesichts des wunderbaren Sommerwetters und der aufrüttelnden Nachrichten zum Brexit von launig bis besorgt und mahnend ausfielen, ergriff die 58-Jährige das Wort.

Zunächst stellte sie kurz die geplanten Veranstaltungen und Aktionen zum Reformationsjahr 2017 vor, zu dem der Startschuss bereits am 31. Oktober 2016 fällt. Dann folgten ein Referat in zehn Punkten, in denen sie ausführlich darlegte, warum wir Grund haben, das Reformationsjubiläum zu feiern.

Der erste Grund sei der kritische Rückblick auf die eigene Geschichte, die wir gründlich aufgearbeitet hätten. Ein weiterer Grund sei die Ökumene: Vor hundert Jahren seien die ökumenischen Beziehungen, wie wir sie heute leben, undenkbar gewesen. Die Annäherung der katholischen und der evangelischen Kirche sei trotz aller bleibenden Differenzen nicht zu gering zu schätzen. Auch die „Lerngeschichte des Dialogs“, der Dialog zwischen den Religionen beachtlich. „Nur wenn wir lernende Kirche bleiben, haben wir auch Grund zu feiern.“, so die Reformationsbotschafterin. Sie sprach von Luthers Sprachkraft und rief auf zu einer Erneuerung unserer eigenen Sprachfähigkeit. „Wir brauchen eine Sprache, die Menschen anrührt. Wenn wir diese Sprachkraft wiedergewinnen, können wir feiern.“ Überwindung der Spaltung, Bildung und Freiheit der Bildung, das Verhältnis von Staat und Kirche sowie die Rechtfertigung allein aus Gnade, die gerade heute aktuell sei, und schließlich die Weitergabe der guten Botschaft mittels einer guten Nutzung der Möglichkeiten im Medienzeitalter waren weitere Themen, an denen sie anschaulich und begreiflich machte, welche großen Schätze die Reformation unserer Gesellschaft hinterlassen hat und mit denen sie sie heute noch bereichern kann. In den Ausführungen ihrer zehn Thesen appellierte Margot Käßmann gleichzeitig an unsere Verantwortung als Christen, in der Welt fest an unserem Platz und für unseren Glauben zu stehen. Ein 45minütiger Vortrag voller Ermutigung und Frische, der Lust auf Christentum und Glaube macht. Klare Worte und eine souveräne Haltung, die von der Kraft zeugt, die Rechtfertigung aus dem Glauben für sich erkannt und angenommen zu haben.
In der anschließenden lebhaften Frage-Antwort-Runde zwischen Publikum und Referentin brachte die Theologin  zum Ausdruck,  was sie sich als Ergebnis des Reformationsjubiläums wünsche: dass Aufbruch im Glauben bleibe, Lust am Gottesdienst, Fürbitte und Unterstützung für verfolgte Christen.

Fragen aus der aufmerksam lauschenden Zuhörerschaft....

Lächeln für die Presse: Die Referentin mit Schuldekan Martin Lilje (li.)und Moderator Pfr. Dr. Christof Ellsiepen.

Einen Teil der Gedanken Margot Käßmanns zum Reformationsjubiläum finden Sie unter
https://www.ekd.de/download/16-03-11_kaessmann_luxemburg.pdf

Minne Bley

"Reformationsjubiläum 2017 - wir werden nicht mehr rein deutsch und nicht mehr rein evangelisch feiern."

"Es geht nicht nicht so sehr um Spaltung, sondern um Ausdifferenzierung."

"Luther sagte: Man kann das Evangelium nur mit Humor predigen."

"Wir leben in einer Zeit, in der es wichtig ist, dass wir dazu stehen, die Bibel historisch-kritisch lesen zu dürfen."

"Wir dürfen einen gebildeten Glauben haben - es geht um einen Glauben, der denkt!"

"Lies selbst in der Bibel nach, frag nach, versuche auszudrücken, was Dein Glaube ist, Du bist frei."

Margot Käßmann im Gespräch mit Schuldekan Martin Lilje.