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Fastenzeit - ein Impuls
Die Fastenzeit hat angefangen und gleichzeitig ist Ramadan.
Und wieder bin ich fasziniert, wie ernst unsere muslimischen Freunde ihre Fastenzeit nehmen. Und wie sie sie als geistlichen Prozess verstehen.
Letzte Woche hatte ich ein Gespräch mit einem jungen Muslim. Wir haben uns auch über Religion unterhalten. Und er fragte mich ganz unvermittelt, ob und wie Christen und Christinnen überhaupt in der Fastenzeit fasten. Für ihn war überhaupt nicht verständlich was auf Schokolade verzichten mit einem geistlich orientieren Fasten zu tun hat.
Ich glaube das ist eine gute Frage in einer Zeit, in der viele Menschen Fasten entweder als eine Form der Selbstoptimierung betreiben (Alkohol-, Zucker- oder Digital-Detox, sicher nicht verkehrt) oder aber die Fastenzeit einfach ignorieren bzw. gar nicht vor Augen haben.
Die geistliche Grundidee des Fastens kann man als Vorbereitungs- und Selbstüberprüfungszeit verstehen. Ich verzichte bewusst auf Essen oder eine andere meinen Alltag bestimmende Sache um inneren und äußeren (zeitlichen) Freiraum zu bekommen.
Diesen gewonnenen Freiraum nutze ich um mein Leben vor Gott neu zu betrachten und es zu prüfen. Ja um den Dingen, die mein Leben bestimmen und denen ich zu viel Aufmerksamkeit & Zeit einräume wieder ihren rechten Platz zuzuordnen und mich neu auf den auszurichten, der meine Aufmerksamkeit & Zeit wirklich verdient hat: Auf Gott.
Dabei helfen gute geistliche Gewohnheiten wie Stille, Bibel lesen, Gebet. In Gemeinschaft oder alleine.
In der anglikanischen Kirche in England habe ich die Praxis kennengelernt in der Fastenzeit ein geistlich orientiertes Buch zu lesen oder jeden Tag einen kurzen geistlichen Impuls wahrzunehmen.
Das alles ist als Einladung zu verstehen. Jesus hat sehr deutlich gemacht, dass ein Fasten aus purer Traditionserfüllung oder religiösen Zwang bzw. Leistungsdenken den Segen ins Gegenteil verkehrt (z.B. Matthäus 6,16-18 | Markus 2,18-20). Das Ziel des Fastens ist ein Mehr an innerer und äußerer Freiheit. Dann sollte der Anfang nicht ein schlechtes Gewissen oder bloße Pflichterfüllung sein.
Aber es ist eine Einladung, die ein großes Versprechen beinhaltet.

Deshalb ein paar Ideen für alle, die noch unentschlossen sind, aber auch alle die schon fasten:

+ Schalte dein Handy jeden morgen erst nach 8 Uhr ein. Starte dafür mit 10 Minuten Stille in den Tag oder höre dir ein Tagzeitengebet in der App „Lebensliturgien“ an (siehe Weblink oben)

+ Nimm an der Klimafastenaktion teil. (siehe Appbeitrag).

+ Verzichte bis Ostern auf das Serien-Schauen. Nutze die frei gewordene Zeit und reflektiere über die Dinge in deinem Leben, denen du zu viel Zeit und Aufmerksamkeit widmest. Schreibe deine Gedanken auf.

+ Verzichte einmal die Woche auf eine Hauptmahlzeit. Nutze die Zeit für ein Gebet oder lies in der Bibel. Schenke den Wert der Mahlzeit einem Obdachlosen.

+ Verzichte bis Ostern auf Konsum-Käufe (Kleidung etc.) und kauf dir stattdessen ein geistliches Buch. Achja, lese es. ;) Zwei persönliche Empfehlungen:
Christoph Schmitter: Neunmalweise. Lebensmuster zum Nachmachen und Selberglauben (ISBN 978-3-86256-024-0).
John Mark Comer: Das Ende der Rastlosigkeit. (ISBN 978-3-417-00039-9)

+ Werde selbst kreativ und lade andere ein mitzumachen.

Viel Spaß bei deinem Fasten-Abenteuer. Gott mit dir.
Pfr. Alexander Philipp
Informationen:
bis