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Gedankenimpuls
In der Fastenzeit geht es nicht einfach nur um das Verzichten. Mir begegnet immer mal wieder die etwas plumpe Frage: Und auf was verzichtest du? Ich denke, dass im Verzicht aber noch ein viel größeres Potenzial liegt. Zum Beispiel entsteht durch den Verzicht eventuell Zeit und Raum für neue Gedanken. Die Fastenzeit ist die Einladung, diesen Raum zu füllen. Mit neuen Gedanken und der Möglichkeit, sich selber zu reflektieren. In diesem Sinne möchte ich ein kurzes Erlebnis aus den letzten Wochen von mir erzählen. Vor Kurzem stand ich in einem Schuhgeschäft. Da habe ich diese Schuhe entdeckt. Irgendwie schön, fand ich (siehe Bild). Und dann ging das Gedankenkarussell los. Darf ich das schön finden? Was denken denn die Leute? Und dann kam der Endgegner. Mein erster Stiefpapa kam mir in den Sinn ... „Bist du schwul oder was? Bist du ein Mädchen? ". Ich kann heute sagen: Nein, bin ich beides nicht. Und es wäre auch nicht schlimm, wenn es so wäre! Ich finde einfach diese Schuhe schön. Viel grundsätzlicher komme ich dabei an der Frage nicht vorbei: Welche Eigenschaften braucht es denn, um ein Mann zu sein? Muss einem was Bestimmtes gefallen? Muss man sich bestimmt kleiden oder sich verhalten? Wenn ich auf mich schau, dann erkenne ich manche Stereotypen wieder. Ich liebe Fleisch und Fußball beispielsweise. Aber ich bin eben auch die "Heulsuse" in meiner Ehe und deutlich gefühlsbetonter. Es wird doch eigentlich schnell deutlich. Ich bin nicht ein Mann wegen meiner Eigenschaften, sondern weil ich es bin und fühle. Ein Mann mit Fleisch im Mund, Tränen in den Augen und einem Paar pinken Schuhen. Ich glaube, wir dürfen dankbar sein für das, wie uns Gott geschaffen hat! So wie wir sind, ist es gut! Aus dieser Selbstannahme und dieser Liebe für uns selber heraus können wir dann auch in Freiheit die dunklen Flecken in unserem Leben anschauen. Aber wir sollten niemals unsere Identität infrage stellen! Du bist gut, geliebt und wunderbar!

Diakon Josef John
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bis