Den Fokus neu ausrichten

Den Fokus neu ausrichten

Na, was fastest du? Das ist eine häufig gestellte Frage in diesen Tagen. Fasten ist im Trend – es gibt Heilfasten, intermediäres Fasten, Fastenwandern und vieles mehr. Aber was ist der eigentliche Sinn des Fastens? Abnehmen, Lifestyle?

Die christlichen Wurzeln des Fastens reichen zurück zu den Anfängen der Jesus-Bewegung. Die Praxis des Fastens wurde aus dem Judentum als kollektive und individuelle fromme Übung übernommen. Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag wird verstanden als eine Zeit des Übergangs, der Vorbereitung und der Neuausrichtung auf den göttlichen Willen. Es ist auch eine Zeit der Umkehr und der Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott. Die Evangelisten berichten von Jesus, der 40 Tage in die Wüste ging, um dort zu fasten. Er nutzt die Zeit, um sich auf den Willen Gottes zu fokussieren. Dafür zieht er sich zurück, hungert und konzentriert sich auf das Eine – das Hören auf Gottes Wort und die alleinige Ausrichtung auf ihn. Versuchungen des Teufels fordern ihn immer wieder heraus, zwingen ihn zur Auseinandersetzung und zur Fokussierung auf das, was sein Auftrag sein soll. Dreimal wird Jesus vom Versucher auf die Probe gestellt. Aber er widersteht den Versuchungen, die zuerst seine menschlichen Bedürfnisse, dann den göttlichen Schutz und schließlich die Macht betreffen. Jesus stellt klar: „Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.“ (Mt 4, 10)
Was können wir davon für uns mitnehmen und wie passt das noch in unsere Zeit?
Die Zeit des Fastens ist eine Zeit der Einkehr und der Auseinandersetzung. Wir verzichten vielleicht auf Alkohol oder uns lieb gewordene Gewohnheiten und gewinnen Freiräume, um uns neu auszurichten. Hierbei geht es aber nicht ausschließlich um Rückzug und Einkehr, sondern auch um die Gelegenheit, sich den Werken der Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit zuzuwenden. Wir nehmen uns selbst in die Verantwortung.
Jesus nahm sich bewusst Zeit, um sich innerlich auf den Willen seines Vaters im Himmel auszurichten und sich auf seinen Auftrag zu fokussieren. Ähnlich sehe ich im diesjährigen Fasten eine Chance, um meine Zeit zusätzlich dazu nutzen, um mich innerlich auf das Wesentliche zu besinnen. Helfen kann dabei ein Gebet, das Lesen der Bibel und eine Reflexion meines Handelns. So kommt es zu einer echten Auseinandersetzung mit mir in meinem Umfeld und damit, was ich bewirken kann. Das klingt vielleicht etwas groß und so gar nicht „lifestylig“. Aber vielleicht ist es jedes Jahr eine Chance, einen neuen Fokus zu setzen und zu prüfen, wo ich hineingestellt bin, was im Hier und Jetzt meine Aufgabe ist und welchen Weg Gott für mich bereithält.
Fasten ist also ursprünglich keine Diät zur Gewichtsoptimierung oder der Verbesserung des körperlichen Gesundheitszustandes. Fasten kann mich (wieder) zu Gott und zu mir selbst führen. Da möchte ich gerne neben dem Verzicht auf Alkohol einige besondere Entdeckungen machen und die Handschrift Gottes in meinem Leben suchen. Ich bin bereit, mich den Fragen zu stellen. Sie auch?

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